Interview mit Florian Kohfeldt
Von Stephan Köhnlein
Florian Kohfeldt geht in seine dritte Saison als Trainer beim SV Darmstadt 98. In einem großen Interview des Online-Magazins Lilienblog spricht er über Hierarchien und Teambuilding, warum er Spielern auch Sonderrollen zugesteht und wieso er den Satz „Elf Freunde müsst ihr sein“ heute nicht mehr so stehen lassen würde.
Herr Kohfeldt, sind Hierarchien in einer Mannschaft heute noch wichtig?
Unbedingt. Da bin ich, wenn man so will, sehr oldschool. Ich beschäftige mich privat viel mit Führung und Organisation. Im Grunde führe ich zwei große Gruppen: die Mannschaft und den gesamten Staff, der inzwischen ähnlich groß ist wie die Mannschaft. Da muss man wissen, wie man zu guten Ergebnissen kommt. Bei einer Mannschaft glaube ich nicht an eine flache Hierarchie. Unter Stress – und ein Spiel ist eine Stresssituation – braucht man einen klaren Entscheidungsweg. Wenn Vuko (Innenverteidiger Aleksandar Vukotic) sagt, wir spielen jetzt tiefen Block, dann spielen wir auch tiefen Block. Und dann kann nicht XY sagen, ich habe eine andere Idee, lass uns mal kurz ausdiskutieren, welche die bessere ist. Das funktioniert nicht. Und es muss auch klar sein, wer diese Entscheidung übernimmt, wenn der vorgesehene Spieler nicht da ist. Daran arbeiten wir.
Können sich Spieler heute noch Sonderrollen herausnehmen? Mario Basler zum Beispiel tourt mit Abendveranstaltungen durch die Republik und erzählt, wie seine Kollegen auf dem Platz trainiert haben und er mit seinem Cabrio vorbeigefahren ist, dabei eine Zigarette geraucht hat und dann trotzdem immer gespielt hat. Geht das heute noch?
In der Ausprägung nicht, aber trotzdem bin ich bei Mario Basler. Wie muss ich meinen Job verstehen als Trainer? Muss jeder so leben und sich so vorbereiten, wie ich das tun würde? Ich glaube, das wäre die falsche Interpretation meines Jobs. Ich setze zwar den Rahmen für die gesamte Mannschaft, aus dem man nicht ausbrechen kann. Aber ich setze ihn nicht so eng, dass die Individualität des Einzelnen unberücksichtigt bleibt. Es gibt für jeden Spieler einen anderen Weg, sich auf ein Spiel vorzubereiten. Was ich bewerte, ist: Wie schafft er es, sein Leistungsmaximum zu erreichen? Und da ist jeder anders. Ich habe in meiner Karriere immer versucht, dass besondere Spieler auch besondere Wege gehen dürfen. Nur: Sie müssen liefern. Als Trainer musst du es schaffen, auch im richtigen Moment mal wegzugucken, damit ein Spieler seine Besonderheit ausleben kann.
Hat der Satz „Elf Freunde müsst ihr sein“ eigentlich noch Bestand? Oder ist das hoffnungslos nostalgisch und romantisch?
Ich glaube, ich könnte ihn nicht anders formulieren. Ich würde auch nicht sagen, dass er komplett überholt ist. Aber trotzdem würde ich das Wort Freunde streichen. Die Lebenswelten und Strukturen einer Mannschaft haben sich einfach stark verändert. Es ist ein großer Unterschied, ob du wie früher einen 16-Mann-Kader hast oder wie heute fast 30 Spieler mit einer ganz anderen kulturellen Zusammensetzung. In meiner Zeit in der 2. Mannschaft in Bremen war es eine kleine Sensation, wenn mal ein Holländer bei uns war, denn wir waren sonst nur Deutsche.
Wie Florian Kohfeldt mit einem vermeintlich schwierigen Spieler wie Max Kruse umging, mit welchen ehemaligen Spielern er heute befreundet ist und wieso ihm Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann noch einen Urlaub schuldet – das Interview in voller Länge gibt es beim Lilienblog (klick), dem unabhängigen Online-Magazin rund um den SV Darmstadt 98


Unbedingt. Da bin ich, wenn man so will, sehr oldschool. Ich beschäftige mich privat viel mit Führung und Organisation. Im Grunde führe ich zwei große Gruppen: die Mannschaft und den gesamten Staff, der inzwischen ähnlich groß ist wie die Mannschaft. Da muss man wissen, wie man zu guten Ergebnissen kommt. Bei einer Mannschaft glaube ich nicht an eine flache Hierarchie. Unter Stress – und ein Spiel ist eine Stresssituation – braucht man einen klaren Entscheidungsweg. Wenn Vuko (Innenverteidiger Aleksandar Vukotic) sagt, wir spielen jetzt tiefen Block, dann spielen wir auch tiefen Block. Und dann kann nicht XY sagen, ich habe eine andere Idee, lass uns mal kurz ausdiskutieren, welche die bessere ist. Das funktioniert nicht. Und es muss auch klar sein, wer diese Entscheidung übernimmt, wenn der vorgesehene Spieler nicht da ist. Daran arbeiten wir.
Hessische Haustiftung