Babylon Berlin
VORHANG AUF für den letzten Tanz
Mit der fünften Staffel geht Babylon Berlin zu Ende. Nach acht Folgen ist dann Schluss mit Gereon Rath und Charlotte Ritter, dargestellt von Volker Bruch und der Liv Lisa Fries. Dabei ist das Ende von Anfang an bekannt: Hitler wird Reichskanzler, die Weimarer Republik geht unter. Und doch hat man mit Gereon Rath und Charlotte Ritter mitgefiebert. Genau darin liegt eine der Stärken der Serie: Geschichte wurde zum persönlichen Drama – im ohne Zweifel aufwendigsten und international erfolgreichsten deutschen Serienprojekt der vergangenen Jahre. Das Ende ist spektakulär und grandios gespielt. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich Geschichte nicht wiederholen möge. | Frank Horneff (Autor)

Berlin 1933
Januar 1933. Hitler ist an der Macht, die politischen Verhältnisse kippen endgültig. Charlotte Ritter ermittelt in einer Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten, während eine Krankenakte aus Hitlers Erster-Weltkrieg-Zeit verschwindet. Gereon Rath gerät seinerseits in eine gefährliche Situation.
Das ist großes Serienmaterial – mitunter allerdings auch etwas zu viel davon. Die Suche nach der Krankenakte wirkt wie ein zusätzlicher Spannungsgarant in einer Geschichte, die eigentlich schon genug historische Dramatik bietet. Am überzeugendsten ist die letzte Staffel deshalb dort, wo sie bei ihren Figuren bleibt: bei Menschen, deren vertraute Welt innerhalb weniger Wochen aus den Fugen gerät.
Das ist zugleich die politische Qualität von Babylon Berlin. Die Serie zeigt 1933 nicht als plötzlichen historischen Schalter, der umgelegt wird. Vielmehr wird sichtbar, wie schnell sich ein Alltag verändert, wie Menschen sich anpassen, wegsehen, profitieren oder Widerstand leisten. Da lohnt der Blick in diesen Tagen besonders.
Ein starkes Ensemble
Getragen wird das von einer Besetzung, die zu den großen Pluspunkten der Serie gehört. Volker Bruch gibt Gereon Rath weiterhin als widersprüchlichen, traumatisierten Ermittler, Liv Lisa Fries hat Charlotte Ritter über die Jahre zu einer der interessantesten Figuren der Serie entwickelt.
Dazu kommen Schauspieler wie Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Hannah Herzsprung, Benno Fürmann, Christian Friedel, Karl Markovics, Jördis Triebel und Martin Wuttke. In der letzten Staffel verstärken unter anderem Clemens Schick, Ulrich Noethen und Devid Striesow das Ensemble.
Nicht ganz Kutscher
Die Grundlage bilden die Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher. Von Kutschers Vorlagen hat sich die Fernsehserie allerdings schon früh entfernt. Die fünfte Staffel ist nur noch „frei nach Motiven“ aus seinem Roman Märzgefallene entstanden.
Kutscher hat diese Entwicklung nicht immer unkritisch gesehen. Vor allem die späteren Staffeln entfernen sich deutlich von seiner Romanwelt. Das ist nachvollziehbar – schließlich werden Figuren und Geschichten, die ein Autor geschaffen hat, im Fernsehen teilweise eigenständig weiterentwickelt.
Andererseits ist Babylon Berlin längst mehr als eine Romanverfilmung. Die Serie hat ihre eigene Erzählwelt geschaffen und darf deshalb auch eigene Wege gehen.
Ein würdiger Schluss
Perfekt ist diese fünfte Staffel nicht. Manche Handlung wirkt konstruiert, manches gerät etwas zu dick aufgetragen. Dafür findet die Serie zum Ende hin wieder stärker zu ihren zentralen Figuren zurück – und das sorgt für einen würdigen Schluss.
Diese fünfte Staffel schließt einen großen Bogen: Was 2017 mit dem fiebrigen Berlin der späten Weimarer Republik begann, endet 2023 mit dem Finale 1933 mit dem Reichstagsbrand. Aus dem viel beschworenen „Tanz auf dem Vulkan“ wird endgültig der Untergang.
Nach fünf Staffeln und 48 Folgen ist das ein äußerst sehenswertes, bemerkenswert konsequentes Finale, das es in sich hat.
Babylon Berlin hat gezeigt, dass deutsche Serien historisch ambitioniert, aufwendig und international konkurrenzfähig sein können. Vor allem aber hat die Serie ein Ensemble geschaffen, dessen Figuren man über Jahre begleitet hat. Das macht den Abschied schwer.
Wenn am Ende noch einmal das wunderbare „Zu Asche, zu Staub“ erklingt, heißt es: Vorhang auf. Ein letzter Tanz. Das Licht geht aus. Die Party ist vorbei. Leider.


























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