Haus Wilbrand

Dieburger Straße 199 in Darmstadt | Altenwohnanlage mit vier Atriumhäusern

von Nikolaus Heiss

Der Darmstädter Architekt Eugen Seibert entwarf 1913 die Villa „Haus Wilbrand“ im traditionalistischen Stil mit barocken Elementen. Eine Besonderheit ist die neubarocke Haustür, die im Auftrag der Möbelfabrik Glückert der Holzbildhauer Wilhelm Leuschner, der spätere Hessische Innenminister, schuf.

Luftaufnahme aus dem Jahr 2011

Auf dem großen Villengrundstück wurden in den Jahren 1963 bis 1965 nach den Plänen des Darmstädter Architekten Fritz Soeder neue Gebäude und eine Gartenanlage für die Nutzung als Wohnstift errichtet. Es entstanden vier Atriumbauten unterschiedlicher Geschosshöhe in lockerer Gruppierung um und in einer großzügigen Grünanlage eingebettet, teils durch einen überdachten Wandelgang verbunden und dem Bestand die Neubauten der sechziger Jahre in vorbildhafter Weise hinzugefügt.

Die Neubauten wurden als Geschosswohnungsbau und in Anlehnung an die für Einfamilienhäuser dieser Zeit typische zurückhaltende Bungalowarchitektur mit Flachdach und Panoramaverglasung errichtet.

Als Atriumhäuser umschließen die Gebäude je einen begrünten Innenhof, von dem die Wohnungen über Treppenanlagen, Aufzüge und umlaufende Laubengänge separat erschlossen werden und somit die Wohnqualität durch den Charakter der Einfamilien-Wohnung entscheidend bereichert. Die Häuser zeigen daher in der Fassadengliederung den kennzeichnenden Kontrast zwischen den sich zur Grünanlage in großflächigen Fenstern öffnenden „Außenfassaden“ und den aufgrund der Erschließungsfunktion der Innenhöfe weitgehend geschlossenen Innenhoffassaden.

Die Gebäude wurden traditionell in Massivmauerwerk mit Betondecken ausgeführt, das Mauerwerk mit handgestrichenen holländischen Klinkern verkleidet. Helle Betonbänder markieren die Geschosshöhen, ein flaches, kantiges Gesims leitet zum Flachdach über. Großzügige querformatige Panoramafenster belichten die Wohnungen.

Die Bronzeplastik zweier Seehunde neben dem Brunnen stammt von dem Darmstädter Bildhauer Fritz Schwarzbeck. Auf den Wegen der Grünanlage und der Innenhöfe, den Treppen, den Laubengängen sowie an der Umfassung des Brunnenbeckens blieben die Waschbetonplatten unversehrt erhalten. Die Lampen, die die Grünanlage und Laubengänge beleuchten sowie jene, die an den Stützen des Wandelganges angebracht sind, zählen ebenso zur ursprünglichen Ausstattung, wie die Geländer und die schwarz beschichteten Handläufe an den Treppenaufgängen und in den Laubengängen.

Die für Fritz Soeder charakteristische Verklinkerung der Neubauten knüpft an eine Darmstädter Tradition an, die in den 1920er- und 1930er-Jahre begründet wurde. Ernst Neufert griff die Verwendung dieses Materials nach dem Zweiten Weltkrieg an verschiedenen seiner Bauten wieder auf, verwendete etwa den gelben Klinker 1955/56 beim Bau der Wasserbauhalle der TH Darmstadt, heute TU Darmstadt.

Die Denkmaleigenschaften der durch Soeder 1963 bis 1965 geschaffenen Wohnanlage, das heutige „Altenzentrum an der Rosenhöhe“ begründet sich aus dem geschlossenen Erhaltungszustand der Gesamtanlage sowie der hohen gestalterischen Qualität und Sensibilität, mit der es dem Architekten gelang, Altbau und Neubauten, Architektur und Grünanlage sowie das Gedankengut der Fünfziger und die Bauformen der sechziger Jahre zur Steigerung der Wohnqualität der Anwohner miteinander zu verbinden.

Die Gebäudegruppe steht aus künstlerischen Gründen unter Denkmalschutz.