Wissenschaftsstadt Darmstadt startet Neugestaltung des Ernst-Ludwigs-Platze

Der Anfang ist gemacht: Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Hanno Benz, Mobilitätsdezernent Paul Georg Wandrey, Planungsdezernent Michael Kolmer und Dr. Moritz Koch, erster Vorsitzender von Citymarketing Darmstadt und Geschäftsführer des Modehauses Henschel, haben am Mittwoch (4.2.26) den symbolischen ersten Spatenstich zur Neugestaltung des Darmstädter Ernst-Ludwigs-Platzes vollzogen.
„Mit der Neugestaltung des Ernst-Ludwigs-Platzes wird einer der zentralen Orte der Darmstädter Innenstadt von Grund auf neu gedacht“, erläutert dazu Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Hanno Benz. „Unser gemeinsames Ziel ist dabei mehr Aufenthaltsqualität, mehr Barrierefreiheit und mehr Grün für diesen sowohl für die Bürgerinnen und Bürger, den Einzelhandel als auch für die Gastronomie so wichtigen und geschichtsträchtigen Ort. Damit setzen wir den von uns bereits mit der Anmietung des Kiosks und der Errichtung des Stadtgartens an dieser Stelle im vergangenen Jahr eingeschlagenen Weg der Innenstadtentwicklung konsequent fort. In Kombination mit dem in Kürze fertigen neuen Rathausfoyer erhält das gesamte Areal südöstlich des Luisenplatzes bis Ende des Jahres damit ein zeitgemäßes und seiner zentralen Lage gerecht werdendes Gesicht.“
„Mit dem Umbau des Ernst-Ludwigs-Platzes setzen wir die qualitative Aufwertung des öffentlichen Raums in der Innenstadt konsequent fort“, erklärt Mobilitätsdezernent Paul Georg Wandrey. „Es entsteht ein einladender Stadtraum, der dem historischen Umfeld gerecht wird und zugleich neue Aufenthaltsqualität für alle Darmstädterinnen und Darmstädter bietet. Durch die Neuordnung entstehen Barrierefreiheit, zusätzliche Sitzgelegenheiten und damit Aufenthaltsbereiche, neue Bäume finden ihren Platz. Es wird ein attraktiver Rahmen Stadtleben geschaffen, der die Attraktivität der Innenstadt insgesamt steigern wird“, so Wandrey weiter.
„In den kommenden Monaten wird der Platz zu einem attraktiven Aufenthalts- und Begegnungsraum umgestaltet und damit wieder zu dem, was öffentliche Plätze in einer modernen Innenstadt sein sollten: Orte der Begegnung, zum Verweilen, zum Genießen und für den Austausch, die die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Bedürfnisse und Wünsche in den Mittelpunkt stellen und Innenstädte erlebbar machen“, erklärt dazu Planungsdezernent Michael Kolmer.
„Mit der Neugestaltung des Ernst-Ludwigs-Platzes gewinnt die Darmstädter Innenstadt einen lebendigen Treffpunkt zurück. Der Platz wird barrierefrei und einladend gestaltet und bietet mit Sitzgelegenheiten, Wasserbrunnen und neuen Bäumen Raum für Begegnung, Veranstaltungen und entspannte Aufenthalte. Mehr städtebauliche Qualität, mehr Atmosphäre, mehr Sichtbarkeit und Identität – ein wichtiger Impuls für die Belebung der Innenstadt, für Handel, Gastronomie und Veranstaltungen sowie für das positive Stadtbild Darmstadt – ein Gewinn für alle, die die City erleben“, so Dr. Moritz Koch, erster Vorsitzender von Citymarketing.
Die Fertigstellung des neuen Platzes ist für Mitte November vorgesehen. Während des Heinerfests werden die Arbeiten unterbrochen. Der Baubeginn erfolgt auf der Seite des Friedensplatzes. Die reinen Baukosten belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro.
Was genau wird gemacht?
Die Platzfläche erhält ein hochwertiges Natursteinpflaster aus rötlichem, geschliffenem und geflammtem Kleinpflaster, das den Ernst-Ludwigs-Platz gestalterisch mit dem Friedensplatz verbindet. Im mittleren Bereich wird das Pflaster aus zwei unterschiedlichen Steinformaten in einem wiederkehrenden Muster verlegt. Die besonders ebene Oberfläche ermöglicht ein erschütterungsarmes Begehen und Befahren – ein wichtiger Beitrag zur Barrierefreiheit.
Eine Bodenintarsie, die den historischen Verlauf der Stadtmauer nachzeichnet, setzt mit eingefrästen Rillen nicht nur optische Akzente, sondern dient zugleich als taktile Leitlinie für sehbehinderte Menschen – vom Weißen Turm über die ÖPNV-Trasse bis zur Schlossmauer.
Eine Besonderheit ist die Wiederherstellung der historischen Messingscheibe, die den Vermessungsanfangspunkt der großherzoglichen Landesvermessung von 1808 kennzeichnet. Diese Basismessung war ein bedeutendes geodätisches Ereignis, bei dem der Maßstab für die Landesvermessung des Großherzogtums Hessen-Darmstadt festgelegt wurde. Ausgangspunkt war der Ernst-Ludwigs-Platz als Basisanfangspunkt der Messlinie nach Griesheim. Die Markierung wurde 1969 rekonstruiert. „2019 wurde bei Tiefbauarbeiten der Sockel des ursprünglichen Steinpfeilers von 1808 entdeckt und neu eingemessen, wodurch sich eine Lagekorrektur der Rekonstruktion um 14 Zentimeter ergab. Die Messingscheibe war seit 2019 aufgrund der Bauarbeiten am Friedensplatz vorübergehend entfernt und wird nun wieder an historisch korrekter Stelle eingebaut“, so Wandrey.
Ein prägendes Element des Platzes ist und bleibt die große Platane. Um den Baum wird ein umlaufender Sitzkranz aus Fertigbetonteilen mit FSC-zertifizierten Hartholzauflagen errichtet, der hohen Sitzkomfort bietet. Zum Schutz des Baums werden die Fundamente einzeln gesetzt, nachdem die Wurzelbereiche behutsam freigelegt und geprüft wurden. Eine dendrologische Fachbegleitung überwacht die Arbeiten. Öffnungen im unteren Bereich des Sitzkranzes ermöglichen die natürliche Bewässerung.
Vor dem ehemaligen Kaufhof-Gebäude werden vier neue säulenförmige Ulmen gepflanzt. Der Weiße Turm sowie der historische Kiosk erhalten eine 0,70 Meter beziehungsweise 1,20 Meter breite Einfassung aus rötlichem Natursteinkleinpflaster, die beide Baudenkmäler gestalterisch hervorhebt. Die vorhandenen Bänke am Weißen Turm werden überarbeitet.
Zur weiteren Steigerung der Aufenthaltsqualität werden die Taxistände auf die nordwestliche Seite des Friedensplatzes verlegt; dort werden künftig zwei Taxis Platz finden. Ebenfalls zur Steigerung der Aufenthaltsqualität werden die bisherigen Fahrradabstellanlagen reduziert. An ihrer Stelle entstehen zwölf neue Sitzbänke. Künftig kommen hochwertige Anlehnbügel mit einem Abstand von 1,20 Metern zum Einsatz, die 34 Fahrrädern Abstellflächen bieten. „Der Ernst-Ludwigs-Platz wird wieder das, was er sein soll: ein Ort zum Verweilen, Begegnen und Durchatmen. Dafür werden die bislang sehr umfangreichen Fahrradabstellflächen zugunsten von Sitzgelegenheiten, Bäumen und klaren Raumstrukturen reduziert. Die verbleibenden Stellplätze sind hochwertig gestaltet und sinnvoll angeordnet. Der Ernst-Ludwigs-Platz wird wieder zum Aufenthaltsort – fahrradfreundlich, aber mit klarer Priorität für Menschen und Stadtleben“, so Mobilitätsdezernent Paul Georg Wandrey.
Zwischen den neuen Ulmen werden zusätzliche Bänke – teilweise mit Rückenlehne und Aufstehhilfe – aufgestellt, einige davon mit Blickrichtung zum Schloss. In unmittelbarer Nähe wird ein neuer Trinkwasserbrunnen in Form einer runden Säule installiert, ebenfalls mit Natursteinpflaster eingefasst.
Die Entwässerung des Platzes erfolgt überwiegend über Straßenabläufe in den städtischen Kanal. Im Sinne einer wassersensiblen Stadtgestaltung nach dem Schwammstadtprinzip wird ein Teil des Niederschlagswassers der südlichen Platzfläche gezielt in die Baumrigolen der neuen Ulmen geleitet, um deren Vitalität langfristig zu fördern. Zwei in Reihe geschaltete Straßenabläufe ermöglichen einen saisonal angepassten Betrieb: Im Sommer wird das Wasser vorrangig in die Rigolen eingeleitet, im Winter direkt in den Kanal geführt, um salzhaltiges Wasser von den Baumwurzeln fernzuhalten. Die Umschaltung übernimmt das Grünflächenamt.
Alle Informationen zur Neugestaltung des Ernst-Ludwigs-Platzes sind noch einmal auf www.darmstadt.de/ernst-ludwigs-platz zusammengefasst.
Hintergrund: Der Ernst-Ludwigs-Platz
Der Ernst-Ludwigs-Platz, seit 1860 nach Großherzog Ernst Ludwig (1667–1739) benannt, war ursprünglich Teil des mittelalterlichen Stadtkerns. Er wurde und wird geprägt vom Residenzschloss und dem Weißen Turm, dem letzten Abschnitt der historischen Stadtbefestigung, der Darmstadt seit 1330 schützte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs entstanden beim Wiederaufbau in den 1950er-Jahren neue Gebäude, die das heutige Erscheinungsbild des Platzes prägen.
Der rund 4.000 Quadratmeter große Platz ist heute ein zentraler Bestandteil des innerstädtischen Wegenetzes und zählt – insbesondere im Zusammenspiel mit dem Weißen Turm – zu den beliebtesten Treffpunkten der Darmstädter, wurde jedoch seiner Bedeutung als Aufenthaltsraum bislang nicht gerecht.



