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Betrug im Namen der Polizei | Vorsicht Abzocke…

… es ist kurz nach 22 Uhr, irgendwo in Deutschland.
Erna M. (72) hatte sich grade noch ihre Lieblingssendung (Lieblingskrimi) angesehen und will nun ins Bett gehen. Da klingelt das Telefon. Die Nummer im Display ist ihr unbekannt und endet mit …110. „Hier spricht Kriminalkommissar Kaiser…“ meldet sich der Anrufer in strengem Ton. Erna M. ist erschrocken. Der Anrufer fordert sie auf, alle Türen und Fenster zu schließen, dann erklärt er: Die Polizei hat ganz in der Nähe zwei Einbrecher auf frischer Tat festgenommen. Leider konnten zwei weitere Täter fliehen. Bei einem der Festgenommenen wurde eine Liste mit Namen und Anschriften aufgefunden. Auch die Anschrift von Erna M. ist darunter und man vermutet, dass auch bei ihr eingebrochen werden soll.
Angst steigt in ihr hoch. Schnell prüft sie ihre Fenster und Türen – Gott sei Dank – wie immer, alles verschlossen und auch die Rollläden heruntergelassen. „Haben sie Wertsachen oder viel Geld zu Hause Frau M?“ erkundigt sich der Kommissar fürsorglich. Die sollten auf jeden Fall so schnell wie möglich geschützt werden, rät er der alten Dame. „Packen sie alles zusammen in eine Tasche, meine Kollegin, Kommissarin Fischer kommt gleich vorbei und holt sie ab. Wir bewahren alles für sie auf, bis die Sache ausgestanden ist. Sicher ist sicher!“
Zitternd und verängstigt holt sie die alte Aktentasche ihres verstorbenen Mannes und verstaut Ihren Schmuck – auch seinen Ehering – sowie das Bargeld, das sie immer für Notfälle daheim versteckt hat. Immerhin 25.000 Euro. Es wäre nicht auszudenken, wenn das alles gestohlen würde.
Kurz darauf klingelt es mehrfach. Vorsichtig öffnet Erna M. die Haustür, nachdem sie durch den Spion eine jüngere Frau gesehen hatte, die einen Ausweis in die Höhe hielt. „Guten Abend Frau M., ich bin Kommissarin Fischer. Mein Kollege, Kriminalkommissar Kaiser, hat mich ja angekündigt. Unsere Polizeimaßnahmen sind angelaufen. Ich werde ihre Wertsachen auf der Dienststelle deponieren. Hier habe ich eine Quittung mit Registriernummer für sie. Wenn der Einsatz abgeschlossen ist, können sie damit die Sachen wieder abholen. Erna M. übergibt der „Beamtin“ die Tasche und ist froh, dass die Polizei ihr so gut zur Seite steht. Noch

So oder so ähnlich geschieht es täglich in unserem Land und es entstehen den Opfern hohe finanzielle Schäden – von den psychischen Auswirkungen ganz zu schweigen.

Wer sind diese skrupellosen Täter?

Die Anrufer sitzen in sogenannten Callcenter zumeist im Ausland. Sie tätigen viele hundert Anrufe täglich. Auch wenn nur 2-3 Opfer ins Netz gehen, hat es sich schon gelohnt, da die Schadenssummen jeweils sehr hoch sind. Sie haben schauspielerisches Talent und sind rhetorisch geschult. In der Rolle als falsche Polizeibeamte verwenden sie polizeiliche Fachbegriffe und Redewendungen, so dass sie sehr authentisch auf die Opfer wirken. Zumal sich die Opfer während des Anrufes in einer Ausnahmesituation befinden. Sie sind technisch in der Lage, die angezeigte Telefonnummer im Display der Opfer zu manipulieren. Es erscheint meist eine Nummer, in der die Notrufnummer 110 integriert ist. Damit wollen sie die Opfer in Sicherheit wiegen. Weitere Mittäter sind für die Logistik vor Ort (Fahrzeuge, Unterkunft) und als Abholer unterwegs.

Wer sind die Opfer?

Opfer sind meist Senioren. Es ist allgemein bekannt, dass gerade ältere Menschen zur Sicherheit auch größere Geldbeträge, Schmuck und sogar Gold zuhause aufbewahren. Zudem genießt die Polizei bei diesen Generationen ein positives Ansehen. Es gilt Respekt und Vertrauen. Die Senioren werden von den Tätern anhand ihrer altmodisch klingenden Vornamen aus Telefonbüchern ausgesucht. Da wird kein „Jan“ oder eine „Lisa“ angerufen, sondern man entscheidet sich z.B. für einen Hubert oder eine Margarete.

Wie ist der Ablauf?

Die Opfer werden häufig am späten Abend angerufen. Der angebliche Polizist gibt vor, dass die Wertsachen und das Geld des Opfers nicht mehr sicher seien. Mit einem Einbruch oder gar Überfall sei in nächster Zeit zu rechnen. Es wird Angst geschürt. Die Geschichten variieren und manchmal werden sogar die Mitarbeiter der Hausbank des Opfers ins Spiel gebracht, die ebenfalls mit den Tätern unter einer Decke stecken. Nun bietet der Anrufer seine Hilfe an. Die Polizei wird die Wertgegenstände in „amtliche Verwahrung“ nehmen – auch das Geld vom Konto und die Werte aus dem Schließfach der Bank. Das Opfer wird angewiesen, alles zusammen zu packen und an einen weiteren Polizisten an der Haustür zu übergeben. Eine weitere Variante ist die Vorgabe, die Tasche irgendwo außerhalb des Hauses zu deponieren.

Wie kann ich mich schützen?

  •  Wenn man die Vorgehensweise der Täter kennt, wird man nicht so schnell zum Opfer.
  • Löschen Sie ihren Vornamen im Telefonbuch oder nutzen Sie nur den Anfangsbuchstaben.
  • Kommt Ihnen ein Anruf merkwürdig vor, legen Sie auf. Dies ist nicht unhöflich!
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Geben Sie keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse.
  • Die Polizei ruft nicht mit der Notrufnummer 110 an.
  • Die Polizei wird niemals Ihre Wertsachen abholen und verwahren.Haben Sie den Verdacht, dass ein falscher Polizeibeamter am Telefon war, teilen Sie es ihrer Polizeidienststelle mit. Sie dürfen den Notruf 110 nutzen.


Trickbetrüger in Corona-Zeiten!

Die Betrüger sind sehr flexibel und einfallsreich. Sie schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, um die Opfer zu täuschen und zu schädigen. Hier kann jeder Opfer werden!

Beispiele:

  • Der Anrufer gibt vor, der Enkel oder ein anderes Familienmitglied zu sein und befinde sich in einer Notsituation. Er sei infiziert und brauche dringend einen hohen Geldbetrag, z.B. um aus dem Ausland nach Hause zu kommen oder um teure Medikamente zu bezahlen. Ein Freund holt das Geld dann ab.
  • Täter geben sich am Telefon als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus und fordern für einen Corona Test hohe Geldbeträge oder sie stehen vor der Tür und geben vor, Desinfektionsmittel prüfen zu müssen. In der Wohnung werden dann unbemerkt Geld und Schmuck entwendet.
  • Falsche Mitarbeiter von Microsoft oder einer Telekommunikationsgesellschaft stehen vor der Tür und erklären, dass es auf Grund der zahlreichen Home-Office-Nutzung zu Problemen im Netz und in den Leitungen kommt. Deshalb müssten diese in der Wohnung überprüft werden. Das Opfer wird dann abgelenkt, Geld und Wertgegenstände aus der Wohnung gestohlen.
  • Das Opfer erhält einen Anruf, in dem ein falsches Gewinnversprechen eröffnet wird. Da der Preis wegen der Corona-Pandemie nicht persönlich überreicht werden kann, soll das Opfer einen höheren Betrag für Transportkosten überweisen.
  • Falsche Bankangestellte erklären, dass die Bank wegen der Pandemie geschlossen werde. Um weiter in Kontakt bleiben zu können, fordern sie die Online-Banking Daten und tätigen Überweisungen auf eigene Konten.

 

Weitere Tipps und Verhaltensempfehlungen der Polizei Südhessen erhalten Sie hier:

 

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