Woche junge Schauspielerinnen und Schauspieler
Fünf bemerkenswerte Inszenierungen im März
Vom 8. bis 27. März 2026 wird das Parktheater Bensheim erneut zum Treffpunkt für außergewöhnliche junge Theaterkunst: Die 31. Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler präsentiert fünf herausragende Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum. Theaterschaffende der jüngeren Generation stellen hier ihre künstlerischen Handschriften vor – mutig, zeitgenössisch und mit klarem Blick auf gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart. Die ausgewählten Produktionen verhandeln Themen wie Identität, Macht, Erinnerung, Körperbilder und Geschlechterrollen und laden das Publikum zur intensiven ästhetischen und inhaltlichen Auseinandersetzung ein.
Den Auftakt bildet am Sonntag, 8. März, um 18.30 Uhr die traditionelle Eröffnungsveranstaltung. Die Jury – Johanna Wehner (Vorsitz), Amina Eisner, Bernd Isele und Katrin Spira – stellt im Gespräch mit den beteiligten Regisseurinnen und Regisseuren sowie Dramaturginnen und Dramaturgen die ausgewählten Gastspiele vor. Der Eintritt zur Auftaktveranstaltung ist frei.
Im Anschluss hebt sich um 20 Uhr der Vorhang für die erste Inszenierung: „Kostja“ von und in der Regie von Alessa Bollack. Frei nach Anton Tschechows „Die Möwe“, begibt sich darin ein Mensch auf den Weg aus der physischen Welt in ein digitales Nachleben. Mithilfe einer eigens entwickelten Künstlichen Intelligenz entstehen Avatare und Chatbots, die Gedanken, Stimmen und Körper Verstorbener weiterleben lassen. Die Inszenierung verbindet Schauspiel, Video und KI-Technologie zu einer verstörend-intimen Auseinandersetzung mit Trauer, Erinnerung und der Frage, was von uns bleibt.
Am Donnerstag, 19. März, ist um 19.30 Uhr das Theaterhaus Jena mit „Die Gesetzlosen“ nach dem Roman Outlawed von Anna North zu Gast. Regisseurin Anne Sophie Kapsner greift Motive des klassischen Westerns auf und stellt sie radikal auf den Kopf. In einer von Krankheit und religiösem Dogmatismus geprägten Gesellschaft schließen sich queere Außenseiterinnen und Außenseiter zu einer Bande zusammen und entwerfen Gegenbilder zu patriarchalen Normen – humorvoll, kraftvoll und überraschend aktuell.
Mit „Sturzflug“ präsentiert das SWOOP Kollektiv am Sonntag, 22. März, um 19.30 Uhr eine performative Soloarbeit von Hannah Elischer. In einer Mischung aus Schauspiel, Puppenspiel und Videomapping wird der innere Ausnahmezustand einer jungen Frau erfahrbar, die zwischen Sicherheitsbedürfnis und Aufbruchswunsch feststeckt. Ein absurder Vogeleinbruch wird zum Ausgangspunkt für eine sensible, oft komische Reflexion über Angst, Selbstzweifel und gesellschaftliche Teilhabe.
Am Dienstag, 24. März, um 19.30 Uhr zeigt das Theater der Stadt Aalen Sergej Gößners Stück „ich sehe was / was du nicht siehst“. Ausgehend von einer scheinbar harmlosen Erinnerung entfaltet sich eine vielschichtige Untersuchung sexualisierter Gewalt, patriarchaler Denkmuster und gesellschaftlicher Mechanismen des Wegsehens. Die Inszenierung fragt eindringlich, wie Verantwortung übernommen und Schutz unabhängig vom Geschlecht gedacht werden kann.
Den Abschluss der Theaterwochen bildet am Freitag, 27. März, um 19.30 Uhr die Inszenierung „Voyager Golden Record“ von Nikolai Gemel, Margarete Albinger und Rahel Künzi. Ausgangspunkt ist die 1977 gestartete Voyager-Mission der NASA mit ihrer goldenen Schallplatte als Botschaft der Menschheit ins All. Kurz vor dem endgültigen Kontaktabbruch zu den Raumsonden erzählt der Abend ein persönliches, poetisches Programm über das, was auf der Golden Record fehlt: Theater, Liebe und die Vergänglichkeit menschlicher Existenz.
Preise und Publikumsvotum
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung am 27. März vergibt die Jury wieder den mit 3.000 Euro dotierten Günther-Rühle-Preis für herausragende schauspielerische Leistungen. Zusätzlich ist das Publikum eingeladen, nach jeder Vorstellung abzustimmen. Das Stück mit der größten Zustimmung erhält den Publikumspreis. Auch das Schulprojekt „Theaterkritik“ ist wieder Teil der Woche: Eine Jury aus Bensheimer Schülerinnen und Schülern kürt ihre Lieblingsinszenierung und begründet ihre Entscheidung öffentlich.
Einführungs- und Nachgespräche
Zu allen Vorstellungen finden Einführungsgespräche im Gertrud-Eysoldt-Foyer statt – jeweils um 19 Uhr, am 8. März bereits um 18.30 Uhr. Im Anschluss an die Aufführungen laden Nachgespräche mit den Ensemblemitgliedern zum Austausch ein.
Tickets
Eintrittskarten sind in Bensheim erhältlich bei der Tourist Information (Hauptstraße 53), im Medienhaus des Bergsträßer Anzeigers sowie bei der Musikgarage. Überregional sind Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen und online unter reservix.de erhältlich. Der Eintritt zur Auftaktveranstaltung am 8. März ist frei.
Weitere Informationen
Die Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler findet seit 1996 in Bensheim statt und ist ein zentrales Forum zur Förderung des Theaternachwuchses. Veranstalter sind der Eigenbetrieb Stadtkultur Bensheim und die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, unterstützt von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Bergsträßer Anzeiger.
8. bis 27.3. | Parktheater Bensheim | Einzelticket ab 15 Euro (VVK) | Festivaltickt (für drei Veranstaltungen) ab 34 Euro (VVK) | www.stadtkultur-bensheim.de
So. 8.3.26 | Kostja
Auftaktveranstaltung um 18.30 Uhr
Die Auswahljury – Johanna Wehner, Amina Eisner, Bernd Isele und Katrin Spira – stellt im Gespräch mit Beteiligten das Festivalprogramm vor.
Kostja von Sara Çalışkan, frei nach Anton Tschechow
Ein Mensch stirbt – was kann ich hinterlassen, fragt sich Kostja, was den Hinterbliebenen in ihrer Trauer mitgeben? Längst hat die Digital Afterlife Industry Antworten auf diese Fragen. Mittels Künstlicher Intelligenz ermöglicht sie den Gedanken, Stimmen und Körpern Verstorbener digital weiterzuleben. Aus Textnachrichten, Ton- und Bildaufnahmen lässt sie ChatBots und Avatare entstehen, um die Trauernden zu unterstützen, versöhnliche, tröstliche Gespräche zu führen und den Abschied zu erleichtern. Angelehnt an Anton Tschechows „Die Möwe“ begleiten wir in Alessa Bollacks Kostja auf dem Weg aus der physischen Welt in ein digitales Nachleben. Eine eigens für das Projekt entwickelte KI ermöglicht, nicht nur den realen Darsteller, sondern auch sein digitales Abbild zu erleben und mit diesem in Dialog zu treten.
So. 8.3.26 | 20 Uhr | Parktheater Bensheim | Georg-Stolle-Platz 5 | Eintritt frei

Do. 19.3.26 | Die Gesetzlosen
nach dem Roman „Outlawed“ von Anna North | Theaterhaus Jena

Im alternativen Western-Roman „Outlawed“ wird das Bild eines von einer verheerenden Grippeepidemie heimgesuchten Amerikas entworfen. In dieser konservativen, religiös geprägten Gesellschaft gilt Fruchtbarkeit als höchste Tugend der Frau – Unfruchtbarkeit wird mit Hexerei oder Sünde gleichgesetzt. Die Protagonistin Ada wird verstoßen, als sie nach einem Jahr Ehe kein Kind bekommt. Um der Hinrichtung zu entgehen, flieht sie und schließt sich einer Gruppe von Gesetzlosen an – einer Bande queerer und nicht-konformer Außenseiter*innen. Regisseurin Anne Sophie Kapsner verschiebt in ihrer Inszenierung den Fokus von der Geschichte Adas auf die Prüfungen und Abenteuer der Gesetzlosen. Aus Literatur und Film bekannte Motive des Western werden aufgegriffen, hinterfragt und schließlich neu besetzt, um so Gegenentwürfe zur gesellschaftlichen Norm zu zeichnen.
Do. 19.3.26 | 19.30 Uhr | Einführung 19 Uhr | Parktheater Bensheim | Georg-Stolle-Platz 5 | Eintritt ab 15 Euro | https://parktheater-bensheim.reservix.de
So. 22.3.26 | Sturzflug
von und mit Hannah Elischer | SWOOP Kollektiv
Einfach mal weg, einfach mal abheben und losfliegen. In Molly’s Kopf summt es. Ihr Herz schlägt in ungewohntem Rhythmus und das ziemlich laut – alles war doch so sicher, so klar und unkompliziert, doch jetzt: Chaos. Mollys Gefühle überschlagen sich. Und dann: plumpst eine Taube in ihr Zimmer und kackt alles voll. Was wird das jetzt? Molly begibt sich mit einem ungewollten Gast auf die Suche, um diese Frage nicht zu beantworten. In einer Mischung aus Schauspiel, Puppenspiel und Videomapping thematisiert „Sturzflug“ unterschiedliche Ängste, die „Mensch” davon abhalten, Initiative zu ergreifen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
So. 22.3.26 | 19.30 Uhr | Einführung 19 Uhr | Parkttheater Bensheim | Georg-Stolle-Platz 5 | Tickets 15 Euro | https://parktheater-bensheim.reservix.de

Di. 24.3.26 | Ich sehe was / was du nicht siehst
von Sergej Gößner | Theater der Stadt Aalen

Da ist so eine Erinnerung, die weit zurückliegt. Er hat sie über die Jahre ab und an erzählt und dazwischen lag Zeit. Viel Zeit, in der er sich verändert hat… Ein Sommerabend, eine Hausparty und Flaschendrehen mit Zungenkuss. Und danach zu zweit im Zimmer und alle denken, da war was. Mit Anfassen, Lust und ekstatischer Vorfreude – aber so war es nicht. Wie kann eine Gesellschaft Menschen unabhängig vom Geschlecht vor Übergriffen schützen? Wie lässt sich gegen patriarchale Vorurteile vorgehen, die Täter*innen in die Karten spielen und Freund*innen und Angehörige von Geschädigten verunsichern? Sergej Gößners „ich sehe was / was du nicht siehst“ bietet vielfältige Perspektiven auf ein Thema, das allzu oft aus Scham verschwiegen wird.
Di. 24.3.26 | 19.30 Uhr | Einführung 19 Uhr | Parktheater Bensheim | Georg-Stolle-Platz 3 | Tickets 15 Euro | https://parktheater-bensheim.reservix.de
Fr. 27.3.26 | Voyager Golden Record
von Nikolai Gemel, Margarete Albinger und Rahel Künzi | Freies Kollektiv
Ist da draußen jemand? Und falls nicht, weshalb? Wer bin ich? Wer sind wir? Und wenn ja, warum?
Im Jahr 1977 schickte die Raumfahrtbehörde NASA zwei Raumsonden ins Weltall: Die Voyager Mission wird geboren. Auf beiden Sonden befindet sich eine vergoldete Schallplatte mit Informationen über die Menschheit zur Verständigung mit möglichem außerirdischen Leben. Mit Bildern, Grafiken, Grußbotschaften, Musik und Geräuschen erzählt die Voyager Golden Record von uns Menschen, wer wir sind, wer wir waren, wer wir mal gewesen sein werden. Der Kontakt zu den Raumsonden wird nicht mehr lange bestehen. Um im letzten Moment, bevor es endgültig vorbei ist, noch etwas hinterherzuschicken, erzählt diese Inszenierung ein persönliches Programm zu den Themen, die auf der Voyager Golden Record fehlen: Dem Theater und der Liebe.
Fr. 27.3.26 | 19.30 Uhr | Einführung 19 Uhr | Parktheater Bensheim | Georg-Stolle-Platz 5 | Tickets 15 Euro | https://parktheater-bensheim.reservix.de




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