Threads of Life
Corina Gertz & Hannah Maria Schmutterer
Mit »Threaads of Life. Corina Gertz & Hannah Maria Schmutterer« präsentiert das Kunstforum der TU Darmstadt eine Ausstellung, die textile Praktiken, kulturelle Identität und Fragen der Sichtbarkeit ins Zentrum stellt. Der Titel versteht sich dabei als programmatisches Motiv: Threads of Life – Fäden des Lebens – verweist auf die vielfältigen Verbindungen zwischen Stoff, Körper, Geschichte und Erinnerung, die beide Künstlerinnen auf je eigene Weise sichtbar machen.
Die Fotografin Corina Gertz zeigt Arbeiten aus ihrer fortlaufenden Serie »Das abgewandte Porträt«, an der sie seit vielen Jahren weltweit arbeitet. In ihren Fotografien porträtiert sie Frauen in traditioneller Kleidung – jedoch stets aus der Rückenansicht. Das Gesicht bleibt verborgen, die Kleidung selbst wird zum Zeichen von Geschichte, Handwerk, Herkunft und gesellschaftlicher Zugehörigkeit. So entsteht eine stille, zugleich kraftvolle Auseinandersetzung mit Themen wie Diversität, Inklusion und den Werten einer demokratischen Gesellschaft.
Die Kleidungsstücke erzählen von vergangener Handwerkskunst, Herkunft, familiärem und gesellschaftlichen Stand und geben damit ein Stück weit auch etwas über die Identität der Trägerin preis, ohne dabei ihre persönliche Individualität in den Vordergrund zu rücken. Corina Gertz
Hannah Maria Schmutterer erweitert diesen Dialog mit Werken, die Textilkunst, Malerei, Poesie und Performance miteinander verweben. Ihre Arbeiten untersuchen, wie Weiblichkeit, Erinnerung und kulturelle Zuschreibungen in Stoffen eingeschrieben sind – und wie sich diese Bedeutungen durch künstlerische Praxis transformieren lassen. Durch das Nähen, Auftrennen und Neuverknüpfen von Materialien wie recycelten Trachten werden persönliche wie kollektive Lebensfäden – die »threads of life« – erfahrbar und neu verknüpft.
Mein Hauptmedium ist das Kleid. Kleider, wie sie in Märchen, in der Folklore, in Filmen, in der Popkultur, in der Literatur und in der Kunst erscheinen … Kleider sind symbolisch aufgeladene Objekte mit einer eigenen, unverwechselbaren Sprache und soziopolitischen Geschichte. Hannah Maria Schmutterer
Gemeinsam verweben Gertz und Schmutterer unterschiedliche Perspektiven auf Weiblichkeit, Erinnerung und kulturelle Identität zu einem vielschichtigen Bildgeflecht: »THREADS OF LIFE. Corina Gertz & Hannah Maria Schmutterer« wird so zu einem sinnlich-intellektuellen Resonanzraum, in dem Fotografie, Textil und Theorie zu einem Gewebe aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft verbunden sind.
Die Ausstellung wird von Julia Reichelt, M.A., Leiterin des Kunstforums der TU Darmstadt, kuratiert und von einem umfangreichen, interdisziplinären Rahmenprogramm flankiert. Geplant sind ein Artist Talk, eine Performance von Hannah Maria Schmutterer sowie die Fortsetzung der erfolgreich etablierten Science & Art Talks.
1.11.26 bis 28.2.27 | Kunstforum TU Darmstadt | Hochschulstraße 1 (Altes Hauptgebäude) | S1|03, 2. Obergeschoss, Raum 200 | Mi. bis So. 13 bis 18 Uhr | www.tu-darmstadt.de/kunstforum
Rahmenprogramm zur Ausstellung
So. 31.10.26 | 18 bis 21 Uhr | Vernissage zur Ausstellung
Do. 5.11.26 | 18 Uhr | Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Julia Reichelt
Sa. 5.12.26 | 18 Uhr | Woman in Fairy Tales – Reading Perfomance
Am Samstag, 5. Dezember 2026 findet um 18 Uhr die Reading-Performance von Hannah Maria Schmutterer »Women in Fairytales« statt. Acht Performerinnen lesen gemeinsam aus Schmutterers Originaltext »Women in Fairytales«. Film, Licht und Ton verdichten die Lesung zu einer Inszenierung zwischen Märchen, Erinnerung und weiblicher Rollenbildung.
Die Performance findet in deutscher und englischer Sprache statt.
Mi 16.12.26 | 18 Uhr | Öffentliche Führung mit Nicole Lechler
Do. 14.1.27 | 18 Uhr | Öffentliche Führung mit Torsten Bruns
Mi. 20.1.27 | 12 Uhr | Kurzführung in der Mittagspause mit Nicole Lechler
Do. 21.1.27 | 18 Uhr | Science & Art Talk
Am Donnerstag, 21. Januar 2027 18 Uhr findet der nächste Science & Art Talk des TU Kunstforums statt. Unter dem Titel »THREATS OF MATTER – die Wissenschaft hinter den Fäden des Lebens« diskutieren miteinander Prof. Markus Biesalski , (Fachbereich Chemie, Fachgebiet Makromolekulare Chemie und Papierchemie), Prof. Alexandra Karentzos (Fachbereich Humanwissenschaften Arbeitsbereich Mode und Ästhetik) und Prof. Markus Prechtl (Leitung der Arbeitsgruppe Fachdidaktik des Fachbereichs Chemie an der TU Darmstadt). Moderation: Dr. Patrick Honecker, CCO und Mitglied des erweiterten Präsidiums der TU Darmstadt
Sa. 6.2.27 | 10 bis 18 Uhr | Meine bunten Lebensfäden – Kreativer Biografieworkshop
Am Samstag, 6. Februar 2027 findet von 10 bis 18 Uhr ein Schreibworkshop mit Dr. Vanessa Geuen (Leiterin des SchreibCenters der TU Darmstadt) statt. Ort: Altes Hauptgebäude der TU Darmstadt, Raum 21
In diesem Workshop erproben wir, wie Text- und Bildsprache zum Spielraum für Ideen, Gefühle und neue Perspektiven auf das eigene Leben werden kann. Wir erkunden, wie wir unsere Lebensgeschichte(n) auf neue, kreative Weise erzählen können. Dabei verbinden wir Elemente des kreativen Schreibens mit der Erstellung von autobiografischen Collagen zu einem Gewebe, aus dem schließlich multimediale autobiografische Märchen und Erzählungen entwickelt werden können. Dabei geht es nicht um die lückenlose Erzählung eines Lebens, sondern um das spielerische Verknüpfen von Erinnerungen, Bildern und Emotionen. Mit abwechslungsreichen Methoden und Schreibexperimenten entdecken wir unsere eigene kreative Handschrift. Der Tag bietet Raum zum Ausprobieren, Reflektieren und Austauschen in einer offenen, wertschätzenden Atmosphäre.
Mi. 10.2.27 | 12 Uhr | Kuratorenführung in der Mittagspause mit Julia Reichelt
Fr. 12.2.27 | 18 Uhr | Vortag von Hannah Maria Schmutterer – Das poetische Kleid
Sa. 13.2.27 | 10 bis 14 Uhr | Wunderliche Kostüme – Künstlerische Workshop mit Hannah Maria Schmutterer
Mi. 17.2.27 | 12 Uhr | Kurzführung in der Mittagspause mit Torsten Bruns
Sa. 20.2.27 | 14 bis 17 Uhr | Workshop Pflanzentinten selber herstellen
In diesem Workshop werden wir aus Pflanzenteilen wie Wurzeln, Blättern, Blüten unsere eigenen Tinten herstellen. Lerne Grundtechniken, wie man aus einer Pflanze viele verschiedene Farben gewinnen und wie man die dafür benötigten natürlichen Ressourcen finden kann. Nach dem Kurs hast Du das Handwerkszeug um vielerlei nachhaltig produzierte Tinten zu schaffen! Die Materialien werden gestellt. Spezielle Pinsel und Papiere dürfen gerne mitgebracht werden. Die Kursgebühr für Studierende beträgt 40 Euro. Für Mitarbeitende der TU Darmstadt und Externe sind es 60 Euro pro Person.
Vita Corina Gertz

Corina Gertz
Corina Gertz lebt in Düsseldorf und arbeitet weltweit. Ihre fotografische Praxis entwickelte sich aus einem Studium des Mode- und Kostümdesigns und richtet seit vielen Jahren den Blick auf Kleidung als Ausdruck kultureller Identität. Mit ihrer Werkserie »Das abgewandte Porträt« erforscht Gertz die Schnittstellen zwischen textiler Handwerkskunst, ethnischer Herkunft und sozialer Identität. Ihre Fotografien zeigen Frauen in traditioneller Kleidung von hinten – ein bewusstes Gegenbild zu den allgegenwärtigen, frontalen Porträts unserer Zeit. Kleidung wird dabei zum Träger von Geschichten, Symbolen und Zugehörigkeiten, ohne die persönliche Individualität in den Vordergrund zu stellen.
Gertz setzt damit ein künstlerisches Zeichen gegen Uniformität und für Diversität, Erinnerung und Respekt. Ihre Arbeit verbindet dokumentarische Genauigkeit mit ästhetischer Klarheit und konzeptueller Tiefe.
Für ihr Schaffen wurde Corina Gertz mehrfach ausgezeichnet und international ausgestellt – unter anderem im MARTA Herford, im Museum Kunst der Westküste auf Föhr, im Lianzhou Photo Museum und Shanghai Art Museum (China) sowie im Victoria & Albert Museum in London (Vereinigtes Königreich). 2025 ist sie für den MeitarAward for Excellence in Photography in Tel Aviv (Israel) nominiert. 2025 sind ihre Werke im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz Teil des europäischen Kunst- und Skulpturenpfads Purple Path und in der Ausstellung Zwiegespräche im Deutschen Textilmuseum Krefeld vertreten.
Ihre Arbeiten fügen sich in internationale kuratorische Diskurse zu Gender, Textilkultur und globaler Repräsentation ein – und machen deutlich, wie Mode, Fotografie und kulturelle Identität untrennbar miteinander verwoben sind.
Vita Hannah Maria Schmutterer

Hannah Maria Schmutterer
Hannah Maria Schmutterer ist Künstlerin, deren Praxis Kleidermachen mit Malerei, Poesie und Performance verbindet. Aktuell promoviert sie an der Technischen Universität Darmstadt am Fachgebiet Mode und Ästhetik des Fachbereichs Humanwissenschaften, wo sie sich mit dem Konzept des »poetischen Kleids« und der ästhetischen Sprache von Kleidung als Form feministischer Reflexion und Widerständigkeit befasst. Ausgebildet in Bildender Kunst und Modedesign, erforscht sie die ästhetische Form und materielle Beschaffenheit von Weiblichkeit – und wie Vorstellungen von Frau-Sein durch Märchen, Mythen und Populärkultur geprägt und romantisiert wurden.
Ein zentrales Motiv ihres Schaffens ist das Kleid als Träger von Erinnerung und Identität. Schmutterer behandelt Kleidung zugleich als Gefäß und Erzählmedium – als einen Ort, an dem persönliche wie kollektive Geschichten eingeschrieben und neu interpretiert werden. Ihre jüngeren Projekte umfassen eine wachsende Serie skulpturaler Textilarbeiten und ortsspezifischer Installationen, die die poetische und politische Dimension des Kleidungsstücks im Raum neu denken.
2025 initiierte sie das kollaborative Ausstellungs- und Publikationsprojekt Dress Poetics, das Künstler*innen vereint, die an der Schnittstelle von Text, Stoff und Körper arbeiten.
Ihre jüngsten Arbeiten umfassen mehrdeutig-figurative, quiltartige Textilbilder, in denen Abstraktion und Erinnerung zu erzählerischem Potenzial verschmelzen. Schmutterer studierte am Royal College of Art (RCA) in London (Vereinigtes Königreich) und an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Ihre Werke wurden national und international gezeigt, unter anderem im Kunstverein München, bei Glasshouse Berlin, Wet Green (Auckland, Neuseeland), Acme (London, Vereinigtes Königreich) und The Jam Handy (Detroit, Vereinigte Staaten von Amerika).
World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026
Die Ausstellung »THREADS OF LIFE. Corina Gertz & Hannah Maria Schmutterer« knüpft inhaltlich eng an das Leitmotiv der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 – »Design for Democracy. Atmospheres for a better life« an. Beide künstlerischen Positionen reflektieren auf unterschiedliche, aber miteinander verwobene Weise, wie ästhetische Gestaltung zu einem vertieften Verständnis von Demokratie, Vielfalt und kultureller Identität beitragen kann.
Corina Gertz’ fotografische Serie »Das abgewandte Porträt« ist ein kraftvolles visuelles Plädoyer für Vielfalt, Erinnerung und Respekt – zentrale Werte einer demokratischen Gesellschaft. Durch die fotografische Auseinandersetzung mit traditioneller Kleidung und textilen Handwerkstechniken ethnischer Herkunft setzt Gertz ein bewusstes Zeichen gegen Uniformität und kulturelle Homogenisierung. Ihre Fotografien feiern kulturelle Identität als Fundament demokratischer Gestaltung: Sie machen sichtbar, was häufig übersehen oder marginalisiert wird, und schaffen Atmosphären des Innehaltens, der Empathie und der Wertschätzung kultureller Differenz.
Hannah Maria Schmutterers textile, malerische und poetische Arbeiten erweitern diesen Diskurs um eine körperlich-räumliche und erzählerische Dimension. Ihre Werke begreifen Kleidung als ein Medium kollektiver Erinnerung und als Instrument feministischer Selbstbestimmung. Indem sie Stoffe vernäht, auftrennt und überarbeitet, reflektiert Schmutterer, wie Identität und Geschlecht kulturell konstruiert – und zugleich durch künstlerische Handlung neu entworfen – werden können. In ihren Installationen und Textilbildern wird das Kleid zum Ort gesellschaftlicher Aushandlung: ein »poetisches Archiv«, das Erfahrungen von Nähe, Verletzlichkeit und Solidarität sichtbar macht.
Gemeinsam zeigen Gertz und Schmutterer, dass Gestaltung weit über Form und Funktion hinausgeht. Design für Demokratie bedeutet hier, Räume zu schaffen, in denen Diversität wahrgenommen, Erinnerung bewahrt und neue Narrative erprobt werden können. Ihre Arbeiten führen vor Augen, wie Kunst und Gestaltung soziale Atmosphären prägen – Atmosphären, in denen sich Menschen gesehen, respektiert und verbunden fühlen.
So leistet »THREADS OF LIFE. Corina Gertz & Hannah Maria Schmutterer« einen künstlerischen Beitrag zum Leitmotiv der World Design Capital 2026: Es verweist auf die transformative Kraft ästhetischer Praktiken, die demokratische Werte nicht nur darstellen, sondern sinnlich erfahrbar machen – als gelebte, gestaltete und geteilte Kultur.
Allgemeine Informationen über das Kunstforum der TU Darmstadt
Seit seiner Gründung im Februar 2016 hat sich das Kunstforum der TU Darmstadt unter der Leitung von Julia Reichelt mit seinen innovativen und überraschenden Ausstellungsideen einen überregionalen Ruf geschaffen. Die künstlerische Ausrichtung des Ausstellungshauses der TU Darmstadt mit seinen drei Schwerpunkten erweist sich als tragfähig und fruchtbar: Gesellschaftlich relevante Themenausstellungen, Präsentationen aktueller Kunstschaffender und Ausstellungen mit Bezug zur Technischen Universität Darmstadt sowie zur Stadt bieten einen anregenden Zugang zur zeitgenössischen Kunst.
Zur Kunst gehört unabdingbar auch die Kunstvermittlung, so wurden in der Vergangenheit zahlreiche interdisziplinäre und generationsübergreifende Veranstaltungen und Führungen für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert und durchgeführt. Neue Schnittstellen zwischen Kunst, Kultur und Wissenschaft wurden geschaffen. Im Kunstforum der TU Darmstadt geht es stets um einen neuen, frischen Blick auf die aktuelle Kunst und um überraschende, interdisziplinäre Vernetzungen. Das Kunstforum der TU Darmstadt hat aktuell seinen Ausgangspunkt in der Ausstellungshalle im Alten Hauptgebäude von 1895 (Hochschulstraße 1) bespielt darüber hinaus mit weitläufigen Outdoor-Ausstellungen auch weitere Orte im städtischen Aussenraum mit künstlerischen Aktivitäten, so zum Beispiel den Friedensplatz oder das Darmstädter Schloss. Das Kunstforum bietet ein Forum und ist ein Forum.
Die Technische Universität Darmstadt ist mehr als Wissenschaft, sie versteht sich als Mittelpunkt der Wissenschaftsstadt Darmstadt und trägt mit ihrem Kunstforum auch zur ästhetischen Bildung ihrer Studierenden und Beschäftigten sowie der Stadtgesellschaft bei.














