Inspiration

Mossautaler Seife

Was man nicht essen kann, sollte man nicht auf die Haut schmieren.

André und Nicole Velonjara vom Odenwälder Unternehmen „Mossautaler Seife”. Foto: Dirk Zengel

Vier Fragen an André Velonjara und seine Frau Nicole vom Odenwälder Unternehmen „Mossautaler Seife“, das Seifen und Cremes nachhaltig herstellt. Verwendet werden nur natürliche Rohstoffe und Zutaten, keine künstlichen Konservierungs-, Zusatz-, Farb- und Duftstoffe. Verpackungen sind aufs Nötigste reduziert und stammen aus nachwachsenden Rohstoffen.

Was ist für Sie „nachhaltige“ Körperpflege?

Es genügt unserem Verständnis nach nicht, nur auf die schlimmsten Inhaltsstoffe zu verzichten. Man muss den gesamten Produktions- und Verbrauchszyklus im Auge haben. Aus einem nicht nachhaltigen wird nicht dadurch ein nachhaltiges Produkt, dass man die Kunststoff- durch eine Papierverpackung ersetzt oder flüssigem Shampoo Verdickungsmittel zufügt, das Ganze mit viel Energieaufwand trocknet und dann als „nachhaltiges” festes Shampoo verkauft.
Braucht man so ein Produkt überhaupt? Das fragen wir uns immer zuerst. Darum bieten wir beispielsweise keine Body-Butter an. Die ist hinsichtlich des Pflegeaspekts wenig sinnvoll. Die Haut der meisten Menschen kommt mit großen Mengen reiner Fette schlecht zurecht. Braucht man sowas mal, kann man im Reformhaus Sheabutter oder Kokosfett kaufen, meist zu einem Bruchteil des Preises, den man berappen muss, wenn ein Hersteller „Body-Butter” auf das Glas geschrieben hat.

Bei unseren Produkten überlegen wir, welche Inhaltsstoffe für die gewünschte Wirkung oder Funktion sinnvoll und notwendig sind und wie der Herstellungsprozess umweltfreundlich gestaltet werden kann. Dann versuchen wir, die Anzahl der Inhaltsstoffe niedrig zu halten. Wir bevorzugen Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau und der Region, die wir möglichst in wiederverwendbaren Behältern kaufen. Unsere Seifen verpacken wir im Umweltpreis prämierten Wachspapier oder in Banderolen aus Recyclingpapier.

Auch größtmögliche Offenheit gehört für uns dazu. Das betrifft vor allem die Deklaration der Inhaltsstoffe, aus der jeder ohne Chemiestudium schlau werden können sollte.

Welche Inhaltsstoffe sind besonders kritisch?

Auf unserer Negativ-Hitliste stehen zum Beispiel ganz weit oben künstliche Tenside und Emulgatoren. Sie machen die Haut durchlässiger (unter Umständen auch für Schadstoffe), können sie reizen und sind schwer abbaubar. Ebenso viele der in Kosmetikprodukten üblichen künstlichen Konservierungsstoffe, etwa Parabene sind kritisch. Sie stehen auch im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und lagern sich in Körperzellen ein. Und künstliche Duft- und Farbstoffe werden oft aus Erdöl gewonnen und sind schon deshalb problematisch. Wie erdölbasierte Fette enthalten sie sehr bedenkliche Inhaltsstoffe.
Die Liste ließe sich fortsetzen, z. B. mit in Deos eingesetzten Aluminiumsalzen oder chemischen UV-Filtern. Viele Kosmetikhersteller haben erkannt, dass Verbraucher sensibilisiert sind. Das hat bisher nicht dazu geführt, dass betreffende Rohstoffgruppen nicht mehr eingesetzt werden. Man ersetzt nur die gerade besonders unbeliebten Rohstoffe, oft durch genauso bedenkliche derselben Stoffgruppe, aber mit anderem Namen. Auf der Verpackung steht dann groß „ohne Parabene”. Dass das stattdessen oft verwendete „Methylisothiazolinon“ genauso schlecht ist, wird einfach nicht erwähnt.

Woran erkennt man gute Naturkosmetik?

Um die Unbedenklichkeit von Inhaltsstoffen zu beurteilen, ist die Frage „Könnte ich das auch essen?” ein guter Anhaltspunkt. Natürlich kann man Natron, der für die Verseifung verwendet wird, nicht essen. Das gilt auch für viele ätherische Öle. Abgesehen davon enthält gute Naturkosmetik sehr oft einen großen Anteil grundsätzlich auch für Nahrungsmittel geeigneter Rohstoffe.

Darauf sollte man achten:

• wenige Inhaltsstoffe, die allgemeinverständlich angeben werden
• ressourcensparende, umweltverträgliche Verpackung (Naturkosmetik in der Erdöl-Plastikflasche geht gar nicht, ebenso ein 250-g-Glastiegel für 50 g Creme)
• Wenn mit Ausschlüssen geworben wird, sollten sie nachvollziehbar formuliert sein: „keine künstlichen Konservierungsstoffe” ist besser als „keine Parabene”
• sich nicht von Siegeln blenden lassen, lieber einen kritischen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen, oder beim Hersteller nachfragen