„Die Musik begleitet mein Leben“
Chopin-Gesellschaft würdigt das Lebenswerk der Meisterpianistin Carmen Piazzini

Seit mehr als 70 Jahren lebt und wirkt die argentinische Meisterpianistin Carmen Piazzini in Darmstadt. Mit einfühlsamen Werkinterpretationen und einer Passion für den künstlerischen Nachwuchs hat sie sich weit über Südhessen hinaus einen Namen gemacht.
Anlass für die Chopin-Gesellschaft, deren Mitglied sie ist, die Künstlerin für ihr Lebenswerk zu ehren. Am Sonntag, 17. Mai 2026, ist sie ab 17 Uhr in Darmstadts würdigstem Konzertsaal, der Orangerie (Bessunger Straße 44), mit Werken der klassischen und romantischen Musikepoche zu erleben. Die Laudatio hält der langjährige Kultur-Chef des „Darmstädter Echo“, Johannes Breckner. Ihr Honorar wird die Künstlerin einem musikalischen Projekt zur Verfügung stellen.
Den ersten Teil des Benefizkonzerts bestreitet Carmen Piazzini solistisch mit den beiden Fantasien c-Moll KV 475 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und C-Dur op. 17 von Robert Schumann (1810-1856). Nach der Pause wird sie von den Streichern Peter Wolf (Cello) und Ingo de Haas (Geige) kammermusikalisch begleitet. Zu hören ist das Klaviertrio Es-Dur op. 100 D929 von Franz Schubert (1797-1828), ein Spätwerk des Komponisten, das als eines der schönsten Klaviertrios gilt.
Carmen Piazzinis künstlerisches Selbstverständnis entspringt einer tiefen inneren Beziehung zur Musik: „Die Musik ist meine Vertraute, sie begleitet mich durchs Leben und schenkt mir die Möglichkeit, den Menschen etwas Wesentliches weiterzugeben.“ Mit ihrer Wahlheimat Darmstadt verbindet sie – neben einem erfüllten, hier begründeten Familienleben – eine Episode ihrer frühen Jahre: „Während meines Studiums an der Akademie für Tonkunst erfuhr die Stadtverwaltung von meinen begrenzten finanziellen Verhältnissen und gewährte mir kostenfreien Zutritt zur Kantine der Straßenbahnschaffner.“ Diese Unterstützung habe ihr damals sehr geholfen, sagt sie dankbar rückblickend.
Carmen Piazzini entstammt einer bekannten Musikerfamilie in Buenos Aires. Konzerte, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, Schallplatten und CDs belegen ihre eindrucksvolle solistische Karriere, wobei ihr breitgefächertes Repertoire von der Klassik bis zur zeitgenössischen Moderne reicht. Unter mehr als 50 eingespielten CDs befinden sich Gesamtaufnahmen von Mozart (alle Klaviersonaten und Klavierkonzerte), Beethoven (alle Klavierkonzerte) und Haydn (alle Klaviersonaten). Der legendäre Pianist Wilhelm Kempff, ihr Förderer und musikalischer Leitstern, empfahl ihr das Klavierstudium in Darmstadt. Bei Prof. Hans Leygraf studierte sie zunächst an der Akademie für Tonkunst und legte später in Hannover das Konzertexamen ab.
Dem künstlerischen Nachwuchs widmete sie sich über viele Jahre hinweg als Professorin für Klavier an der Musikhochschule Karlsruhe, in Meisterkursen, die sie bis heute in Europa und Südamerika hält, und zuletzt als Leiterin der Klavierklasse an der Akademie für Tonkunst.
Vielfältige Ehrungen dokumentieren den erfolgreichen Weg der Künstlerin, darunter die zweimalige Auszeichnung der argentinischen Presse als beste Pianistin und der renommierte Tortonipreis. Auch ist die Gründung des Àlvarez- Klavierquartetts mit ihrem Namen verbunden. Leben und Wirken der Künstlerin hat Carlos Manzos in der Biografie „Del Teatro de la Òpera a Carmen Piazzini“ beschrieben, die auch in deutscher Übersetzung vorliegt.
Karten für dieses besondere Benefizkonzert gibt es für 30 Euro (Mitglieder 25, Studierende 15 Euro) online bei www.ztix.de und an der Abendkasse. Weitere Infos: www.chopin-gesellschaft.de.
Die Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V. wurde 1970 von dem polnischen Pianisten Maciej Lukaszcyk gegründet. Neben der Wahrung des Werks von Fryderyk Chopin zählt die Pflege der deutsch-polnischen Beziehungen zu den Zielen der Gesellschaft. Schwerpunkte bilden Konzertveranstaltungen, die Förderung des pianistischen Nachwuchses unter anderem in Meisterkursen und die Ausrichtung des Internationalen Chopin-Klavierwettbewerbs in Darmstadt. Die Gesellschaft ist Mitglied der Internationalen Föderation der Chopin-Gesellschaften, der mehr als 30 Gesellschaften weltweit angehören. 1989 wurde die Föderation in den Internationalen Musikrat (IMC) der UNESCO aufgenommen.
Programm
W. A. Mozart (1756-1791) Fantasie c-Moll KV 475
R. Schumann (1810-1856) Fantasie C-Dur op. 17
Pause
F. Schubert (1797-1828) Klaviertrio Es-Dur op. 100 D929 zusammen mit Peter Wolf (Cello) und Ingo de Haas (Violine):
Allegro | Andante con moto | Scherzo: Allegro moderato – Trio | Allegro moderato


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