Die Geschichte des Botanischen Garten

Ein wissenschaftliches Gartenkunstwerk

von Nikolaus Heiss

Die Geschichte des Botanischen Gartens in Darmstadt beginnt im Jahr 181. Zu dieser Zeit wurde der Schlossgraben des Darmstädter Schlosses mit dem Wasser des Darmbachs und dieser aus den Abwässern der benachbarten Altstadt gespeist, was in den Sommermonaten einen unerträglichen Gestank verbreitete. Johannes Hess, ein auch an der Botanik interessierter großherzoglicher Baurat, schlug deshalb eine Trockenlegung sowie die Gründung eines botanischen Gartens auf dem neu gewonnenen Gelände vor. Am 17. Juni 1814 stimmte der Großherzog den Plänen von Hess zu, dieses Datum kann als Gründungsdatum angesehen werden.

In der wissenschaftlich geplanten Anlage wurden in erster Linie einheimische Pflanzen – vorrangig krautige Vertreter – kultiviert. Mit der gärtnerischen Pflege war zunächst der Hofgärtner Johann August Schnittspahn betraut. Schon bald erwies sich die Anlage als völlig unzureichend, und so verlegte man sie 1829/30 in das Herrschaftliche Bosquett, den heutigen Herrngarten, wo der botanische Garten bis 1838 verblieb. Unter der gärtnerischen Leitung von Johann August Schnittspahn und seinem Sohn Gottfried entstand in Zusammenarbeit mit Hess eine neue Anlage, die im Jahr 1831 offiziell eröffnet wurde.

Im Jahr 1830 wurde Georg Friedrich Schnittspahn zum Garteninspektor ernannt. Er war der erste Direktor des Gartens und gleichzeitig Lehrer an der Höheren Gewerbeschule, dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität Darmstadt.

Nach einer erneuten Verlegung befand sich der Garten bis 1848 in der Gegend des heutigen Mercksplatzes. Danach bekam er bis 1863 eine neue Bleibe in der Gegend des Wilhelminenplatzes. Dort gab es zwei Gewächshäuser, die es erstmals erlaubten, Warmhauspflanzen zu kultivieren. Dieser Garten musste 1864/65 dem Bau des Neuen Palais weichen. Das neue, ein Hektar große Pachtgelände im Meiereipark an der Frankfurter Straße erwies sich schnell als zu klein, weshalb 1874 auf Staatskosten das vom Darmbach durchflossene Grundstück der Achensmühle, östlich des Woogs an der Roßdörfer Straße als endgültiger Standort erworben wurde.

Erster Direktor des neuen Gartens und Professor an der Technischen Hochschule auf dem Gebiet der Mikroskopie, der Zellen- und Gewebelehre war Leopold Dippel, dessen Interesse auch der Dendrologie (Gehölzkunde) galt. Im Laufe der Jahre trug er in Zusammenarbeit mit dem gärtnerischen Leiter Peter Schmidt eine heute noch bedeutsame Sammlung ausländischer Gehölze zusammen. Zum 1. April 1897 wurde der Garten der Technischen Hochschule Darmstadt angegliedert.

Nach Schmidts Tod im Jahr 1888 wurde Joseph Anton Purpus zum Garteninspektor ernannt. Durch ihn und seinen Bruder Carl Anton, einen berühmten Reisenden und Sammler, gelangte eine Vielzahl neuer Pflanzen in den Garten. Die Reihe der Garteninspektoren und -leiter setzte 1926 Friedrich Wilhelm Kesselring, ein bescheidener Mann mit umfassenden Pflanzenkenntnissen und tiefer Frömmigkeit, fort. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1947 übernahm der weit über Darmstadt hinaus bekannte Dendrologe Franz Börner das Amt. Von 1965 bis 1992 leitete Achim Ritter den Botanischen Garten. Seit 2022 leitet Simon Poppinga den Garten.

1902 entstand nach Plänen des Architekten Karl Hofmann ein Verwaltungsbau in heimatlicher Bauweise mit Zierfachwerk und Fächerrosetten. Im Garten baute man neben den Gewächshäusern ein heute noch genutztes, eingeschossiges Gärtnerhäuschen in traditionell-heimatlicher Bauweise. Der verputzte Mauerwerksbau hat ein steiles mit Biberschwanzziegeln eingedecktes Krüppelwalmdach. Das schöne, historische Garteneingangstor ziert noch heute den südlichen Zaun, ist aber nicht mehr der Eingang.

Der denkmalgeschützte Botanische Garten bildet mit einer Vielzahl von fremdländischen und einheimischen Pflanzenarten eingebettet in einen Park einen spannenden wissenschaftlichen und gleichzeitig romantischen Ort.