Hotel ZNP

Lesung und Gespräch mit Autorin Izabela Tadra | Moderation: Dr. Andrzej Kaluza

Hotel ZNP ist düster, obsessiv, fesselnd und minutiös ausgearbeitet, gleichermaßen fantasievoll wie streng. Eine Liebesgeschichte ohne Liebe, eine schillernde Satire auf die polnische Familie, eine traurige Reflexion über das menschliche Herz, eine bittersüße Romanze über verlorene Chancen. Ganz ohne die Verlockung modischer Sozialkommentare … Der Roman von Izabela Tadra wurde 2025 mit dem neuen deutsch-polnischen Literaturstipendium JOSEPHA ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des renommierten polnischen Gdingener Literaturpreises.

Izabela Tadra

Geboren 1985 in Jednorożec. Polnische Schriftstellerin, Journalistin und Drehbuchautorin. Ihr Debütroman Hotel ZNP erschien 2024 im Warschauer Verlag filtry. Adaptiert für das Theater wurde das Stück im Teatr Nowy in Łódź uraufgeführt. Für den Roman wurde Izabela Tadra mit dem erstmals vergebenen deutsch-polnischen Literaturstipendium JOSEPHA ausgezeichnet. Sie lebt in Warschau und arbeitet dort in der PR-Branche.

Andreas Volk

Geboren 1971 in Idar-Oberstein, lebt seit zwanzig Jahren als Literaturübersetzer in Warschau und widmet sich neben Übersetzungen zeitgenössischer Prosa und Lyrik sowie kulturwissenschaftlicher Texte vor allem der Übersetzung von Theaterstücken. 2013 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Vereinigung der polnischen Bühnenautoren ZAIKS und 2022 mit dem Karl-Dedecius-Preis ausgezeichnet.

Izabela Tadra | Hotel ZNP | Aus dem Polnischen von Andreas Volk | Edition.fotoTAPETA Berlin | 2025 | 180 Seiten | 20 Euro | ISBN 978-3-949262-55-5

Mo. 7.9.26 | 19 Uhr | Deutsches Polen-Institut | Residenzschloss | Karl-Dedecius-Saal | Darmstadt | Eintritt frei | www.deutsches-polen-institut.de

Das Schweigen ist ein mächtiger Zauberer

Agnieszka Lessmann liest aus ihrem autobiografischen Roman „Aga“ | Moderation: Dr. Andrzej Kaluza (Deutsches Polen-Institut)

Im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen 2026. Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und dem Deutschen Polen-Institut.

Zwei Mal schon hat sie mit ihren Eltern die Kontinente gewechselt und den Namen gleich dazu. Nun zieht die fünfjährige Aga ins »Land der Mörder«, so hat sie es aufgeschnappt. Angekommen in einem Haus der jüdischen Gemeinde, macht sich das kleine Mädchen auf die Suche nach ihnen. Erik Ode, der Kommissar, den sie im Fernsehen kennenlernt, hilft ihr dabei.

Nach der antisemitischen Hetze der kommunistischen Partei Polens (PVAP) im Jahr 1968, die ihre Eltern zwang, die Heimat zu verlassen, kommt Aga über Israel in die Bundesrepublik. Es ist etwas Merkwürdiges mit dem Haus, in dem sie nun wohnt. Es steht neben einer Kaserne, auf deren Tennisplatz amerikanische Soldaten ihre Freizeit verbringen, und dem Garten eines ehemaligen Klosters, in dem Hippies Bäume pflanzen. Dazwischen wuchern die kindlichen Fantasien. Das Verschwiegene bricht sich schließlich Bahn in einem tatsächlichen Mord. Schritt für Schritt beginnt Aga, die leeren Stellen in den Erinnerungen zu füllen. Dafür aber muss sie erst ihren richtigen Namen wiederfinden. Mit der Hauptfigur reifen ihre Sprache und ihr Verständnis.

Ein Roman über das Schweigen nach der Shoah, und eine Geschichte darüber, was nötig ist, um es zu überwinden. Und auch eine Liebesgeschichte.

Agnieszka Lessmann, aufgewachsen in Polen, Israel und Deutschland, lebt als freie Schriftstellerin in Köln. Sie ist Autorin von acht Hörspielen und wurde für den Prix Europa und mehrfach für den Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert. Im Jahr 2020 erschien unter dem Titel »Fluchtzustand« ihr erster Lyrikband im Elif Verlag. Ihre Gedichte und Erzählungen wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Ihre Arbeit wurde mit zahlreichen Stipendien gefördert, zuletzt im April 2025 mit einem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds.

Agnieszka Lessmann | Aga | Berlin 2026 | ca. 242 Seiten | ISBN 978-3-946392-60-6 | 24 Euro (UVP)

Mi. 16.9.26 | 19 Uhr | Literaturhaus Darmstadt | Kasinostraße 3 | Eintritt 10 Euro (VVK) | Abendkasse 12 Euro | vorhang-auf.com | www.deutsches-polen-institut.de

Elsas Welt: Auf den Spuren meiner Großmutter

Eine Familiengeschichte aus Lodz | Lesung und Gespräch mit Andreas Kossert | Moderation: Peter Oliver Loew

Der Historiker Andreas Kossert erzählt die Geschichte seiner deutschen Familie aus Lodz. In seinem bislang persönlichsten Buch folgt Bestsellerautor Andreas Kossert den Spuren seiner Großmutter Elsa ins polnische Lodz – in eine Stadt, die für seine deutschen Vorfahren einst das „Gelobte Land“ war.

Kossert erzählt die Geschichte seiner Familie vom Aufbruch der Kolonisten im 18. Jahrhundert über den rasanten Aufstieg zur Textilmetropole bis zu Elsas Alltag unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg in erdrückender Nähe von Terror und Vernichtung. Nach Kriegsende erlebte sie Vertreibung, Lagerhaft und am Ende den Verlust ihrer Heimat.

Am Beispiel seiner Großmutter zeichnet der Autor ein intimes Familienporträt. Wie nebenbei entsteht vor unseren Augen ein großes Panorama der Geschichte Mitteleuropas, erzählt mit großer Wucht und Sensibilität. Elsas Leben zwischen Hoffnung und Verlust jenseits nationaler Eindeutigkeiten steht beispielhaft für das große europäische Drama von Nationalismus und Krieg – und könnte damit kaum aktueller sein.

Andreas Kossert, geboren 1970, studierte Geschichte, Slawistik und Politik. Der promovierte Historiker arbeitete am Deutschen Historischen Institut in Warschau und lebt seit 2010 als Historiker und Autor in Berlin. Auf seine historischen Darstellungen Masurens (2001) und Ostpreußens (2005) erhielt er begeisterte Reaktionen. Für seine Arbeit wurden ihm der Georg Dehio-Buchpreis 2008, der NDR Kultur Sachbuchpreis 2020 und der Preis für »Das politische Buch« 2021 der Friedrich-Ebert-Stiftung verliehen.

Andreas Kossert | Elsas Welt: Auf den Spuren meiner Großmutter. Eine Familiengeschichte aus Lodz | Berlin 2026 | ISBN 978-3-88680-973-8

Mo. 28.9.26 | 19 Uhr | Deutsches Polen-Institut | Residenzschloss 1 | Darmstadt | Eintritt frei