100 Jahre Museum in Dieburg
Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr im Museum Schloss Fechenbach beginnen mit den Blaufärbertagen
Dieburg feiert dieses Jahr ein ganz besonderes kulturelles Jubiläum: 100 Jahre Museumsgeschichte. Denn der Ursprung des Museums Schloss Fechenbach reicht zurück ins Jahr 1926, als bei Bauarbeiten in der Minnefelder Seestraße ein außergewöhnlicher archäologischer Fund entdeckt wurde. Es handelte sich um ein steinernes Kultbild des römischen Lichtgottes Mithras, das bis heute als einer der bedeutendsten Funde dieses Kultes weltweit gilt. Der Fund sorgte weit über die Region für Aufsehen und führte dazu, dass die Stadt Dieburg erstmals größere Bestände römerzeitlicher Objekte in ihren Besitz übernahm – und die Idee eines eigenen Heimatmuseums entstand.

Schon kurz nach der Entdeckung des Mithras-Steines wurden die Funde wissenschaftlich aufgearbeitet, die Römisch-Germanische Kommission initiierte eine eigene Schriftenreihe, der Archäologe Friedrich Behn veröffentlichte eine grundlegende Monographie über das Dieburger Mithras-Heiligtum. Nach der Restaurierung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum wurden die Fundstücke ab Mai 1927 zunächst provisorisch in einem Raum im Dieburger Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert. Allerdings hatte schon die Ausgrabung selbst zahlreiche Besucher angezogen – und gilt daher heute als eigentlicher Gründungsmoment des Museums. In den folgenden Jahren entwickelte sich aus dieser ersten Präsentation ein städtisches Heimatmuseum, das nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich in Schloss Fechenbach Dieburg seine dauerhafte Heimat fand.
Das ursprüngliche Heimatmuseum Dieburg hatte seinen Sammlungsschwerpunkt in Objekten aus der Römerzeit, dem Mittelalter und der Neuzeit. Erst mit der Gründung des Kreismuseums Dieburg 1951 wurde eine Abteilung der Vor- und Frühgeschichte mit Funden aus Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit aus dem Gebiet des Kreises Dieburg gezeigt – ebenfalls ein Jubiläum, schließlich liegt diese Erweiterung dieses Jahr stolze 75 Jahre zurück. Ab 1966 wurde der Begriff „Kreis- und Stadtmuseum“ vermehrt verwendet; oft auch in der Variante „Stadt- und Kreismuseum“. Erhebliche bauliche Veränderungen wie der Abriss der landwirtschaftlichen Gebäude hinter dem Schloss 1971, führten im Laufe der Jahre zu einer spürbaren Verringerung der Lagerräume.
Moderner Anbau 2007
Im Jahr 1986 konnte dann schließlich ein neues Ausstellungskonzept mit modernen Vitrinen umgesetzt werden – die Ausstattung blieb im Großen und Ganzen bis zum Auszug aus dem Schloss Fechenbach im Jahr 2001 erhalten. Die Neukonzeption wurde bis zur Eröffnung unter dem neuen Namen „Museum Schloss Fechenbach“ mit dem modernen Anbau im Jahr 2007 erarbeitet und umgesetzt. Sie bildet noch heute den Kernbestand der Dauerausstellung mit den Vorgaben für museumspädagogische Angebote und die Auswahl an Sonderausstellungen aus den Bereichen Archäologie, Kunst und Stadtgeschichte.
Insgesamt blickt das Museum Schloss Fechenbach Dieburg damit auf eine Entwicklung zurück, die in ihrem Ursprung eng mit dem außergewöhnlichen archäologischen Ereignis des Mithras-Fundes verbunden ist – und zugleich die regionale Geschichte in einen größeren historischen Zusammenhang stellt. Dieser wird auch im Jubiläumsjahr 2026 deutlich: Eine Sonderausstellung von September bis November widmet sich der Fundgeschichte des Dieburger Mithras-Heiligtums sowie der Verbreitung des Mithraskultes im Rhein-Main-Neckar-Raum und ordnet die lokalen Funde in die provinzialrömische Geschichte ein. Traditionelle Blaufärbertage
Den Auftakt der Jubiläums-Feierlichkeiten bilden die traditionsreichen Blaufärbertage im Museum Schloss Fechenbach, die sich über Jahrzehnte hinweg als fester Bestandteil des Jahresprogramms etabliert haben – und seit 1987 die traditionelle Technik des Blaudrucks anschaulich vermitteln. Ihre Grundlage bildet eine historische Blaufärberwerkstatt aus Fränkisch-Crumbach, die bereits in den 1960er Jahren in den Besitz des Museums gelangte und seitdem kontinuierlich in die Vermittlungsarbeit einbezogen wird. Am Sonntag, 24. Mai 2026, haben Besucher von 13 bis 16.30 Uhr die Möglichkeit, die Arbeitsschritte des Druckens und Färbens aus nächster Nähe zu erleben, eigene Blaudrucke herzustellen und einen kleinen Stoffmarkt zu besuchen. Ergänzend dazu besteht in der Zeit vom 11. bis 23. Mai die Möglichkeit, Workshops für Gruppen zu buchen, in denen die Technik des Blaudrucks ausprobiert werden kann.

Färben im Museumskeller beim Blaufärbertag im Jahr 1993
Weitere Termine im Jubiläumsjahr
- 22. Mai, 18 Uhr: Vortrag zu den Synagogenbauten in Dieburg und zur Geschichte der jüdischen Gemeinde;
- 24. Mai,13-16.30 Uhr: Blaufärbertag mit Stoffmarkt;
- 29. Mai, 18 Uhr: Führung durch den Schlossgarten Dieburg mit Einblicken in seine historische Vergangenheit;
- 30. Mai, 11-13 Uhr: Schafschur im Steingarten des Museums;
- 6. Juni, 11-17 Uhr: Steinzeittag mit Vorführungen und Mitmachaktionen zur frühen Menschheitsgeschichte;
- 10. Juni bis 12. Juli: Sonderausstellung von Studierenden des Mediencampus der h_da „(K)eine Verbindung –Medienkünstlerische Experimente für ein neues Miteinander“;
- 28. August, 18 Uhr: Rundgang im Fechenbachpark;
- September bis November: Sonderausstellung „100 Jahre Museum in Dieburg“ zur Fundgeschichte des Dieburger Mithras-Heiligtums und zur Verbreitung des Mithras-Kultes;
- 23. Oktober, 19 Uhr: Festakt zur 100-Jahr-Feier des Museums;
- 30. Oktober, 18 Uhr: „Schlossgeister“-Führung
- November: Stadtrundgang „Jüdisches Leben in Dieburg“ (Termin wird noch beakannt gegeben);
- 13. Dezember, 11–16 Uhr: Kunsthandwerkermarkt im Advent.
Weitere Infos zu den Veranstaltungen im Jubiläumsjahr sowie die Möglichkeit für Anmeldungen gibt es im Museum Schloss Fechenbach, Eulengasse 8, Telefon 06071 2002-460 sowie per Mail an info@museum-schloss-fechenbach.de.


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