Tatort – Showtime

So.12.4.26 | 20.15 Uhr | Das Erste/WDR | Tatortteam Köln

Die Kölner Ermittler Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) sind in ihrem neuesten Fall dort, wo man die Welt eigentlich noch in Ordnung wähnt: in der bunten Wohlfühl-Kulisse einer beliebten Kindersendung, zwar ohne Maus und Elefant, dafür aber mit einem Tapir.

Die seit Generationen beliebte TV-Show, „Sachen und Lachen“, die für viele Zuschauerinnen und Zuschauer Kindheitserinnerungen wachruft, wird so zum Schauplatz eines Verbrechens.

Als Kameramann „Happy“ tot im Kofferraum seines ausgebrannten Autos gefunden wird, bricht die heile Fernsehwelt auseinander. Ballauf und Schenk betreten ein Terrain, das weniger von kriminalistischer Routine als von zwischenmenschlichen Abgründen geprägt ist.

Was diesen „Tatort“ besonders macht, ist sein feines Gespür für die Diskrepanz zwischen öffentlicher Fassade und privater Realität. Hinter den fröhlichen Kulissen, zwischen bunten Requisiten und pädagogisch wertvollen Botschaften, offenbart sich ein Klima, das von Eitelkeiten, Machtansprüchen und unterschwelligen Konflikten durchzogen ist. Gerade die Figur des gefeierten Moderators Frank Anders (Max Giermann) wird dabei zum Dreh- und Angelpunkt: Nach außen der charmante Kinderfreund, im Studio jedoch ein dominanter Taktgeber, dessen Umgangston Fragen aufwirft.
Ballauf und Schenk agieren in diesem Umfeld angenehm unaufgeregt. Gerade ihre bekannt bodenständige Art bildet einen wohltuenden Kontrast zur aufgeladenen Studio-Scheinwelt.

„Showtime“ ist kein lauter, spektakulärer Krimi, sondern ein leiserer, genauer Blick hinter die Fassaden einer fragwürdigen Showszene, die gerade jüngst mit erschreckenden Details Masken fallen ließ. Dieser Tatort lebt von seinen Figuren (und zeigt besonders, was in Max Giermann steckt), von einer guten Idee und von der Erkenntnis, dass selbst dort, wo Kinderlachen produziert wird, die Wirklichkeit Schattenseiten hat.