Ein großer Spaß mit Wirkungstreffern
Leander Haußmann bringt „Viel Lärm um Nichts“ nach Darmstadt
Wenn einer das Komödienfach beherrscht, dann Leander Haußmann. Mit „Sonnenallee“ und „Herr Lehmann“ wurde er zum Chronisten der Wendezeit, von 1995 bis 2000 war er jüngster Intendant am renommierten Bochumer Schauspielhaus. Seine Kraft merkt man seinem „Viel Lärm um Nichts“ am Staatstheater Darmstadt in jeder Minute an.
Denn zu erleben ist eine unterhaltsame Shakespeare-Inszenierung, die dem Ensemble sichtbar Luft zum Überzeichnen lässt. Pure Spielfreude, die ankommt – und an der Bühne (Max Lindner), Kostüme (Leo Lesego) und Fechtchoreografie (Annette Bauer) ihren Anteil haben. Das Fechten dürfte vor allem in den ersten Reihen Eindruck hinterlassen.
Das Ensemble ist bestens aufgelegt. Samia Dauenhauer führt als Beatrice jedes Wortgefecht mit dem Degen und ist mit der Zunge mindestens so scharf wie mit der Klinge – dazu ihr Würgen beim Wort „Liebe“, ein Wirkungstreffer, der sitzt. Sebastian Schulze gibt den Benedikt als stolzen Gockel, der auf Händen läuft und für sie auf einem Spielzeugklavier klimpert. Emily Klinge stattet Hero mit angenehm eigenem Selbstbewusstsein aus: kein braves Opferlamm, sondern eine, die weiß, was sie will. Schön auch, wie Laura Eichten als Margarethe und Jörg Zirnstein als Leonato dem Geflecht aus Intrigen und Eifersucht ein Gesicht geben. Zirnstein trägt die väterliche Autorität berlinernd, perlenkettenbehängt und weißhaarig mit einer Lässigkeit, die diesem Theaterabend besonders guttut. Auch der Rest der Truppe hat sicht- wie hörbar Freude am Spiel.
Etwas mehr als drei Stunden mit Pause, die wie im Flug vergehen. Wer die Gelegenheit hat: hingehen! Nächste Termine am 25. Oktober sowie am 14. und 21. November
im Kleinen Haus, Staatstheater Darmstadt (klick für Termine und Tickets).








Corina Gertz. DE 05, 2010 aus der Serie »Das abgewandte Porträt« © Corina Gertz / VG-Bild-Kunst, Bonn, 2026 & Rechts: Hannah Maria Schmutterer, The Fairy (Detail), 2026 © Hannah Maria Schmutterer