Wie kann eine Familie so kaputt gehen?
Elia Kazans Enkelin Zoe zeigt „Jenseits von Eden“ neu auf Netflix

von Frank Horneff
Für viele beginnt „Jenseits von Eden“ mit James Dean. Elia Kazans Verfilmung von 1955 machte aus Steinbecks Roman das Porträt eines zornigen Sohnes, der um die Liebe seines Vaters ringt – und ließ weg, dass die Geschichte viel früher anfängt: bei zwei Halbbrüdern in Connecticut, bei einer Frau, Cathy Ames, und bei der Frage, wie eine Familie so kaputt gehen kann.
Das erzählt jetzt Kazans Enkelin auf Netflix. Und wie: Zoe Kazan setzt bei Adam Trask an (Christopher Abbott), der Cathy heiratet und mit ihr nach Kalifornien zieht, weil er sich ein Leben ausgemalt hat, das sie nie wollte. Bei seinem Bruder Charles (Mike Faist), der das Unheil kommen sieht. Und bei den Hamiltons, Steinbecks eigener Mutterlinie, die hier kein Nebenstrang mehr ist, sondern das Fundament: Das Unglück nicht als Schicksalsschlag, sondern als logische Folge.
Das ist keine ehrfürchtige Klassikerpflege, und das ist gut. Weite Landschaften, enge Regeln, eine patriarchalische Welt – und dann eine, die sie bricht: Florence Pugh als Cathy Ames. Das ist der Kern, und es ist ein Schauspiel, das man so schnell nicht vergisst. Steinbeck nennt seine Cathy unmissverständlich böse. Pugh spielt dabei mit dem Bösen. Nichts daran ist spektakulär; es ist viel mehr Beiläufigkeit, die in ihrem Spiel unter die Haut geht. Ein Blick, der nicht verletzt ist, sondern leer. Eine Freundlichkeit, die immer schon Kalkül war.
Und an diesem Punkt verschiebt die Serie die Wertung des Romans: Kazan lässt Cathy selbst erzählen, statt sie durch die Augen der Männer zu betrachten, und sie sucht die Gründe. Das macht sie verständlicher, aber nicht harmloser. Ob Steinbeck das mit seinem „Timshel“ mitgegangen wäre, bezweifelt, wer das Buch gelesen hat.
Trotzdem: Diese Serie lohnt! Nicht als Remake, sondern als Buchverfilmung mit Mut zur Lücke – und mit einer Hauptdarstellerin, die zeigt, was es heißt, wenn eine Frau ein Gefängnis spürt – und da heraus will.
















Gabo
rbb/Oliver Feist