Inspiration

„Wir wollen die Spieler mitnehmen“

Foto: Florian Ulrich

Drei Fragen an den neuen Lilien-Coach Markus Anfang

Herr Anfang, Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, dass Sie die Mannschaft nicht in ein starres Korsett zwängen und bei der Taktik einbeziehen wollen. Wieviel Mitsprache haben die Spieler bei Ihnen?

Markus Anfang: Wir versuchen, viele Varianten ins System zu bringen. Die grundsätzliche Idee kommt von uns, ebenso wie die Raumbesetzung. Also ob wir zum Beispiel mit Dreier- oder Viererkette, Vierer- oder Fünfermittelfeld und ein oder zwei Stürmern spielen. Dann ist die Frage, welchen Spieler man in welchen Raum bekommt. Und da reden wir mit dem Spieler, wie er den Raum ausfüllen will und ob er sich darin wohlfühlt. Wir wollen die Spieler mitnehmen. Aber die Jungs bekommen natürlich klare Leitlinien. Wir sagen ihnen, was wir von ihnen erwarten.

Was sind Sie für ein Trainertyp? Autoritär? Demokratisch? Kumpel?

Markus Anfang: Ich glaube, als Trainer musst Du von allem etwas sein. Ich mag es, mit den Jungs zu flachsen. Die können auch mal über mich lachen. Ich kann auch über mich lachen. Aber wenn es um die Sache geht, entscheide ich. Und das haben die Spieler zu akzeptieren. Es kann sein, dass ein Spieler das mal nicht versteht und sich ärgert. Dann sage ich ihm: „Jetzt schimpf mal richtig auf den Trainer. Ich kann das total verstehen, dass es dir so geht. Lass es einfach mal raus. Sag, dass der Trainer ein Arsch ist. Aber dann gehst du raus und gibst wieder alles für die Mannschaft.“

Sie haben als Spieler viele Trainer erlebt. Die Standardantwort ist: Ich habe von jedem etwas mitgenommen. Aber gab es nicht doch einen, der Sie besonders geprägt hat?

Markus Anfang: Mein erster Trainer war Alex Ristic. Der war schon sehr speziell. Das war ein sehr autoritärer Trainer, eine andere Generation. Ich habe viel mitgenommen von Kurt Jara und Jogi Löw, die das auch zwischenmenschlich sehr gut gemacht haben. Das Fokussiert-Sein war bei Eric Gerets sehr ausgeprägt. Aber ich würde nie versuchen, einen Trainer zu kopieren. Der größte Lerneffekt war, wie ich als Spieler meine Trainer empfunden habe. Würde ich mit meinem Spieler heute so umgehen wie damals meine Trainer mit mir? Das, was ich als nicht gut empfunden habe, möchte ich meinem Spieler auch nicht geben. Das hat viel mit Menschlichkeit zu tun.