Inspiration

Wir sind alle sehr traurig | Bye, bye Dieter

Dieter Bock mit seinem Enkel Paul, Foto: privat

Ein guter Freund Dieter Bock ist nach langer Krankheit gestorben.

Die letzten Jahre hat er tatkräftig bei uns im VORHANG AUF Verlag mitgearbeitet. Es waren zwar nur wenige Stunden, in denen er vor allem bei dem Verteiler-Team unseres Magazins mitarbeitete, aber es war auch immer wieder eine wunderbare Möglichkeit, sich ab und zu intensiv auszutauschen. Mich selbst schmerzt am meisten, dass wir nicht mehr dazu gekommen sind, den oft aufgeschobenen Abend beim Grohe zu erleben.

Kennengelernt haben wir Dieter Ende der Achtziger als engagierten Erzieher der Kindereinrichtung in der Bessunger Knabenschule. Die hieß damals “Verein für nichtrepressive Erziehung” und überzeugte durch ihr besonderes und familiäres Konzept.
Wie oft saßen die Erzieher, die Kinder und die Eltern beim Frühstück zusammen, bis die Eltern zur Arbeit mußten. Eine funkitionstüchtige, friedliche Großfamilie. Dieter bildete mit seinem Freund und Kollegen Uli Jensen ein legendäres Erzieher-Team, das vorbildlich das nichtrepressive Erziehen der Kinder lebte. Natürlich gab es für “die Kurzen” klare Grenzen und Pflichten, die erfüllt werden mußten. Aber auch viele Freiheiten, die die Kinder zu selbständigen jungen Menschen heranwachsen ließen. Unsere eigenen und die vielen Kinder, die mittlerweile selbst erwachsen sind, sind der beste Beweis für den Erfolg des Erziehungsstils.
Ich erinnere mich noch wie heute an den erstern Besuch in der KW 1 (der Kinderwerkstatt 1 – es gibt noch eine zweite Abteilung) bei Uli und Dieter. Wie erschrocken wir waren, als uns im Gang eine komplette, für die Kinder jederzeit nutzbare Werkbank mit allen großen Werkzeugen, wie sie auch Erwachsene benutzen, auffiel. Dieter stand in seiner unnachahmlichen Art vollkommen entspannt dabei und erklärte aus felsenfester Überzeugung: “Ja, die Kinder hantieren damit, hämmern, schrauben, sägen, raspeln und tun sich nicht weh! Es gab und gibt keine nennenswerten Verletzungen!”
Wir waren baff, bei den Kindern in der KW handelt es sich schließlich um Kindergartenwichte zwischen drei und sechs Jahren. Und Dieter und Uli hatten Recht. In den vielen Jahren, in denen unsere Kinder im Verein gut aufgehoben waren, erst Krabbelstube, dann Kindergarten, dann Hort, gab es keinerlei ernsthafte Verletzung. Tja, man muss den Kindern nur was zutrauen!

Später, als sein Team-Partner Uli leider viel zu früh verstorben war, nach seinen Jahrzehnten als Erzieher, wurde er zum Bühnenbildner im VORHANG AUF Theater. Entwarf pfiffig und baute handwerklich versiert die Kulissen mehrerer Stücke. Die schönste war wohl die für das erste Stück des Theaters “Die Wirtin”.
Auch entwarf und baute er die flächenerweiternde Vorbühne im halbNeun-Theater. Sie war für die größeren Produktionen notwendig. Jürgen Keller, Betreiber des halbNeun, lobt sie heute noch und nutzt sie, wenn große Bands viel Raum auf der Bühne des Kleinkunsttheaters brauchen.Nachdem das Projekt VORHANG AUF Theater 2004 sein Ende fand, vertiefte sich Dieter in das Theaterwesen, ließ sich zum Maskenbildner ausbilden, arbeitete für das Chawwerusch-Tournee-Theater, die Büchnerbühne in Riedstadt, die Komödie Tap und war ansonsten auch handwerklich an verschiedenen Projekten beteiligt.

In den vergangenen Jahren haben wir uns einige Male lange und intensiv über die Menschen und die richtige Einstellung zum Leben unterhalten. Dieter zeichnete sich in solchen Gesprächen immer als emotionaler aber auch streitbarer Verfechter für Selbstbestimmtung, Aufgeklärtsein und vor allem Hilfsbereitschaft aus.

Ein ganz lieber Mensch ist von uns gegangen. Wir sind dankbar, dass wir ihn kennen lernen durften und ein Stück Lebensweg mit ihm gehen konnten.

Giuseppe Pippo Russo
mit Sandra Russo
und dem ganzen VORHANG AUF Team