Inspiration

„Wir schlafen im Liegen“

Margit Schulte-Tigges, Klaus Ziemann, Aart Veder, Sigrid Schütrumpf, Mathias Renneisen. © Michael Hudler

Sie sind alle gekommen: Herr Blühmel, Herr Dr. Vogler, Erwin Lindemann, Herr Pröll, Fräulein Dinkel, Familie Hoppenstedt, Herr Hallmackenreuter und natürlich auch die fette Schnecke, die Winselstute und die Jodelschnepfe.
Sie alle gehören zu Loriots beliebten Szenen aus dem Alltag und dem Eheleben, die im Staatstheater nach einer erfolgreichen ersten Spielzeit nun in die Verlängerung gehen.

Aart Veder, der Jahrzehnte zum festen Ensemble des Staatstheaters gehörte, sitzt ganz im Stile Loriots auf dem geschwungenen Sofa, krault dem Plüschmops am Ohr und kündigt elegant, klassisch und trocken die Sketche an.
In Szenen einer Ehe ist zu erleben, wie Berta das viereinhalb Minuten Ei zubereitet („Eine Hausfrau hat das im Gefühl“), oder Karl-Heinz seiner Frau erklärt, dass Trompeter auch mal praktisch in eine Geige blasen könnten. Auch die Wahl des passenden Anzugs für den Gatten, der etwas „voll in den Hüften, mit ziemlich kurzen Armen ist“, führen nur zu der Erkenntnis, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammen passen. Wenn es hingegen um den Kauf eines neuen Ehebettes geht, halten die Paare zusammen, ob verheiratet oder nicht, zumindest schlafen sie im Liegen. Die Wahl fällt nicht leicht, wenn Herr Hallmackenreuter, der Ehebettenfachverkäufer, die Halbzwirnware, die Stützsperre oder die Spannmuffenfederung in Leitmetall anpreist.

Die Zuschauer werden mit in das Institut für Erwachsenenbildung genommen, wo Frau Hoppenstedt  das zweite Futur vor Sonnenaufgang für ihren Jodeldiplomabschluss trällert. In der Benimmschule lernt Herr Pröll sich anständig vorzustellen und vier Gänge samt alkoholischer Getränke mit der korrekten Konversation zu überstehen, was nach dem vierten Durchgang nicht mehr ganz so korrekt gelingt.

Gespielt werden die Hoppenstedts, Blühmels und Jodelschnepfen von Margit Schulte-Tigges, Klaus Ziemann – beide waren ebenfalls jahrzehntelang im Ensemble des Staatstheaters, von Mathias Renneisen und Hans Weicker, der beim Anzugkauf oder als Erwin Lindemann mit seiner herrlich verschrobenen Art viel Freude macht. Harald Mehring, Dieter Matthes oder Arno Huppert, Mitglieder der Hessischen Spielgemeinschaft, füllen das Loriot-Ensemble gekonnt auf.
Michael Erhard überbrückt die Umbaupausen mit flink spielenden Fingern am Klavier. Begleitet wird er vom vierköpfigen Comedian Harmonists Chor, die passend zu den Szenen Lieder wie „Ich brauche keine Millionen“ oder „Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn“ anstimmen.
Am Ende schließlich zerstört der Schauspielstudent, der auf sein Vorsprechen wartet, mit wenigen tollpatschigen Handgriffen das Bühnenbild, nur, weil er ein schiefes Bild gerade rücken will.
Ein kurzweiliger Abend, an dem man viele alte Bekannte wie den Weinverkäufer von Pallhuber und Söhne, Herrn Direktor Melzer oder Herrn Blöhmann wiedertrifft und sich an den unvergleichlichen Wortschöpfungen wie der „Arosa schlitzverstärkt mit kurzem Arm“, den „gesäßfreundlichen Sitzfalte“ oder dem „Mokkatrüffelparfait mit Zirtonencremebällchen“ erfreut.

Staatstheater Darmstadt | Termine: 1.10., 23.10., 11.11., 14.12., 29.12. jeweils um 19.30 Uhr, 4.12. um 18 Uhr | Karten kosten zwischen 9 und 39 Euro | www.staatstheater-darmstadt.de