Inspiration

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Neuauflage

© Constantin Television GmbH/picture alliance

Schon das Buch war zu seiner Zeit Ende der 1970er Jahre ein echter Schocker – und die Tonband-Protokolle der Gespräche mit Christiane F., aufgezeichnet für den Stern von den Journalisten Kai Hermann und Horst Rieck, bildeten 1981 die Grundlage für den Film, der noch mehr schockierte und Teenager-Generationen prägen sollte.

Durch die schonungslose Darstellungskraft von Schauspielerin Natja Brunckhorst, die mit 13 Jahren von Regisseur Uli Edel für die Verfilmung des Bestsellers über das Leben der drogensüchtigen Christiane Felscherinow aus der Berliner Gropiusstadt entdeckt wurde – und durch die Musik, die zum Legenden-Status des unvergessenen David Bowie beigetragen hat („Heroes“).

Jetzt bietet Amazon prime eine Neuauflage der Geschichte. Auch die Neufassung spielt in den 1970er-Jahren, nicht in der Gegenwart. Dass die Macher auf diesen Zeiten-Switch verzichtet haben, war sicher eine Herausforderung, macht die Serie aber besonders. Denn eine Clique junger Menschen ohne Handy richtet den Blick auf die sparsamen Kommunikationswege der damaligen Zeit und die sich darauf ergebenden Zwänge: Ständig war man irgendwie auf der Suche. Die Wege in die Abhängigkeit starten in den bunten Bildern im Westberliner Club „Sounds“ und münden schließlich in eine Dunkelheit zwischen Drogensucht, Prostitution, Leid und Tod.

Die Serie ist umstritten. Doch sie fesselt: Das liegt vor allem an den jungen Schauspielern wie Hauptdarstellerin Jana McKinnon als Christiane. McKinnon weiß mit ihrem Spiel zu packen – wie auch Lea Drinda (Babsi) Michelangelo Fortuzzi (Benno), Jeremias Meyer (Axel) und Bruno Alexander (Michi) glänzen. Und es sind Gesichter, die eingefleischten Serienjunkies nicht völlig unbekannt sind, wie das von Lena Urzendowsky (Stella), die bereits im Netflix-Erfolg „Dark” zu sehen war.

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“
Deutschland, 2020
8 Folgen (zwischen 45 und 60 Minuten) in einer Staffel
auf Amazon prime

Am Ende ist klar: Die Schock-Wirkung des Originals von 1981 entfacht die Amazon-Neuauflage nicht, trotz intensiver Bilder, toller Darsteller und guter Musik (Damian Rice’ Version von Sias „Chandelier“). Und, ja, die Drogensucht mag auf Kosten bunter Bilder samt groovigem Klangteppich verharmlosend rüberkommen. Doch das ist die Sucht wahrlich nicht und das zeigt diese Neuauflage auch – wenn man sich darauf ein- und Vergleiche sein lässt. Die Schicksale und die abschreckenden, ja widerlichen Momente bleiben im Kopf. Generationsübergreifend. Auch heute. Frank Horneff