Inspiration

Wenn „Heu“ Schnupfen macht

Von Anke Breitmaier

Pollen im Anflug

Die Sonne scheint, Regen ist kaum in Sicht. Des einen Freud ist des anderen Leid: Wer unter einer Pollenallergie leidet, hat bei trockenem Wetter schlechte Aussichten. Gerade dann wabert Blütenstaub durch die Lüfte, der „reizende“ Beschwerden verursachen kann.

Pollenallergiker wissen, was es bedeutet. Nase und Augen jucken höllisch, Niesanfälle häufen sich, im Hals kratzt es und das Atmen fällt schwer. Aber auch Menschen, die bisher nicht damit zu tun hatten, könnten Pollen jetzt zu spüren bekommen. Denn der letzte Winter war wieder viel zu warm, der Frühling sehr trocken, was dazu beiträgt, dass manche Pflanzen früher und stärker blühen.

Die Bezeichnung Heuschnupfen stammt übrigens aus Zeiten, in denen man glaubte, dass die Symptome ausschließlich von getrocknetem Gras, also Heu kommen. Erst später erkannte man, dass Pollen, die feinsten Körnchen des Blütenstaubs, die Auslöser sind.

Allergie oder was jetzt?

Pollenallergien treten meist im Frühjahr und Sommer auf. Aber schon im Dezember kann es losgehen, auch im Herbst ist noch Pollenflug möglich. Die typischen Beschwerden kommen dabei anfallsartig und klingen wieder ab, wenn man zum Beispiel nicht mehr draußen ist. Außerdem sieht das Sekret anders aus: Im Verlauf einer Erkältung sondert die Nase gelbgrünlichen Schleim ab. Beim allergischen Schnupfen ist er normalerweise wässrig klar.

Das sind die häufigsten Alleriebeschwerden:

Augen: jucken, gerötet, tränen

Nase: läuft, verstopft, niesen

Hals: kratzt und schmerzt

Atemwege: schlechte Atmung

Allgemein: müde, Konzentrationsschwierigkeiten, Schläfrigkeit am Tag

Acht Pollenarten verursachen 90 Prozent der Allergien

Hasel, Birke, Erle, Esche, Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia heißen die Übertäter, die am häufigsten eine allergische Reaktion auslösen. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe so, als würde es sich um Krankheitserreger handeln. Das kann von Schnupfen über Asthma bis hin zu Hautreaktionen und Magen-Darm-Beschwerden führen.

Bäume blühen im Juni nicht mehr, dafür kommen die Gräser

Wer auf Baumpollen allergisch reagiert, kann im Sommer aufatmen. Denn viele Baumarten hören dann auf zu blühen. Dafür geht es aber bei den Gräsern los. Ihr Pollenflug ist schon im Juni stark, im Juli haben sie Hochsaison. Dann ist die Luft auch durch eine hohe Konzentration an Beifußpollen belastet.

Aggressive Ambrosia

Außerdem beginnt dann auch die Ambrosia zu blühen. Die Pflanzenart wurde im 19. Jahrhundert mit Getreidelieferungen aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt. Durch den Klimawandel hat sie sich bei uns mittlerweile stark ausgebreitet.
Ihre Pollen gehören zu den stärksten Allergieauslösern. Im August und September produzieren die Ambrosia-Blüten bis zu einer Milliarde Pollen pro Pflanze. Und die können schon in sehr geringer Konzentration schwere Allergien und Asthma auslösen. Dafür genügen nur fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Bei Birkenpollen muss die Konzentration etwa zehnmal höher sein.

Allergie – und nun?

Je genauer Allergien festgestellt werden, umso besser können sie behandelt werden. Dabei gibt es drei wesentliche Bausteine, die auch kombiniert werden können.
Das Beste ist, man meidet die Allergieauslöser (Allergenkarenz) und geht Pollen möglichst konsequent aus dem Weg. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Beschwerden zu lindern. Antihistaminika etwa unterdrücken allergische Reaktionen, indem sie die Wirkung des Gewebshormons Histamin blockieren. Die einzige ursächliche Behandlung ist die Hyposensibilisierung. Dabei wird der Körper langsam an das Allergen gewöhnt, um das Immunsystem unempfindlich zu machen. Dies ist allerdings eine langwierige Behandlung und nicht für jeden geeignet.

In jedem Fall sollten Sie von einem Arzt klären lassen, ob Sie eine Allergie haben und welche es ist – nur dann kann man sie gut in den Griff bekommen!

 

Drei wichtige Informationen für Allergiker

1. Besser alkoholfrei:

Wein, Bier und Sekt enthalten den Naturstoff Histamin, der Symptome verstärken oder sogar auslösen kann. Studien belegen leider: Wer regelmäßig Wein trinkt, hat ein höheres Allergierisiko.

2. Allergisch gegen Ahorn?

Eine Ahornpollenallergie ist ziemlich selten. Wer sie hat, muss aber aufpassen. Denn die Symptome können auch durch Lebensmittel ausgelöst werden, beispielsweise solche, die Ahornsirup enthalten.

3. Allergie ist schlecht für die Schule:

Heuschnupfenbeschwerden beeinträchtigen bei etwa 15 bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen die Leistungsfähigkeit. Sie können sich schlechter konzentrieren, sind schneller müde und erschöpft.

Drei Tipps gegen Allergiebeschwerden

1. Richtig rausgehen:

Bei niedriger Luftfeuchtigkeit und anhaltender Wärme ist der Pollenflug meist stark. Nach einem Guss oder bei längerem Regen ist die Belastung geringer, Allergiker haben dann weniger Beschwerden.

2. Richtig lüften:

Nicht den ganzen Tag die Fenster auf Kipp stellen, sondern stoßlüften. Auf dem Land abends zwischen ab 19 Uhr, in der Stadt morgens bis 8 Uhr. Dann ist dort die Pollenkonzentration in der Luft niedrig.

3. Richtig waschen:

Pollen bleiben in den Haaren, aber auch an der Kleidung hängen. Darum sollte man sich nie im Schlafzimmer ausziehen. Außerdem vor dem Zubettgehen die Haare waschen, um zu verhindern, dass man Allergene nachts einatmet.