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Was Markus Anfang mit Norbert Meier gemeinsam hat

Der frühere Kölner Trainer übernimmt die Lilien zur neuen Saison

Markus Anfang (* 12. Juni 1974 in Köln) begann das Fußball-spielen beim TSV Bayer Dormagen und dem KSV Heimersdorf in Köln. Sein Vater Dieter war mehrere Jahre sein Jugendtrainer. Seine Karriere als Profi startete Anfang 1995 bei Fortuna Düsseldorf, bevor er über den FC Schalke 04 zum FC Tirol Innsbruck wechselte. Dort wurde er von 2000 bis 2002 drei Mal in Folge österreichischer Meister. 2002 ging er zum 1. FC Kaiserslautern, wo er mit dem heutigen Lilien-Coach Dimitrios Grammozis zusammenspielte. Sportlich konnte Anfang die Erwartungen dort allerdings nicht erfüllen, weshalb sein Vertrag nach zwei Jahren gelöst wurde. Es folgten die Stationen Energie Cottbus, MSV Duisburg, Fortuna Düsseldorf, FC Wacker Innsbruck und Regionalligist Eintracht Trier. Seine Trainerkarriere startete Anfang zur Saison 2010/11 beim Niederrheinligisten SC Kapellen-Erft. Später ging er als Nachwuchstrainer zu Bayer Leverkusen. Am 29. August 2016 wurde Anfang Trainer des damaligen Drittligisten Holstein Kiel, danach folgte das Engagement in Köln, wo er trotz Tabellenführung beurlaubt wurde. Zum Saisonende stieg Köln trotzdem auf.

Der frühere Bundesliga-Profi gilt als akribischer Arbeiter und soll die Entwicklung bei den Lilien mit jungen Spielern vorantreiben. Er trainierte in der 2. Liga neben Köln auch Holstein Kiel. Von dort kennt er Carsten Wehlmann, den heutigen Sportlichen Leiter des SV Darmstadt 98, der eine treibende Kraft hinter dem Transfer war.

Seine letzte Begegnung mit dem SV Darmstadt 98 hat Markus Anfang in schlechter Erinnerung: Am 26. April 2019 unterlag er mit dem 1. FC Köln als Zweitliga-Tabellenführer zu Hause 1:2 gegen die Lilien. Der hart erkämpfte, aber etwas glückliche Sieg gegen drückend überlegene Kölner bescherte Darmstadt den vorzeitigen Klassenerhalt. Anfang wurde einen Tag darauf beurlaubt. Rund ein Jahr später unterzeichnete Anfang nun einen Vertrag bei den Lilien.
„Im Spaß könnte man sagen: Er möchte das wieder gut machen!“, sagt Darmstadts Sportchef Carsten Wehlmann. Aber natürlich sei diese Begebenheit „reiner Zufall“ und „ein gefundenes Fressen für die Medien“. Wehlmann räumt jedoch auch ein: „Aber er hatte das natürlich im Hinterkopf bei den Gesprächen.“
Wahrscheinlich nicht im Hinterkopf hatten die Lilien-Verantwortlichen, dass sie schon einmal einen Trainer verpflichtet haben, der eine seiner bittersten Stunde gegen den SV Darmstadt 98 erlebt hatte: Norbert Meier. Der war Cheftrainer von Arminia Bielefeld, das im Frühjahr 2014 in der Zweitliga-Relegation einen 3:1-Auswärtserfolg noch verspielte und nach dem 2:4 gegen die Lilien abstieg. Zwei Jahre später wurde Meier Chefcoach der Lilien. Doch nach fünf Monaten musste er gehen. Es passte einfach nicht – vor allem sportlich, aber wohl auch bei der Chemie mit der Mannschaft.

Ein moderner Trainertyp

Während Meier für die alte Trainer-Schule steht, verkörpert der 45 Jahre alte Anfang einen modernen Trainertyp. Und anders als bei Meier, weiß man in Darmstadt nun wesentlich genauer, wie der neue Coach arbeitet. Denn auch wenn Wehlmann betont, dass Anfang der gemeinsame Wunschkandidat der Lilien-Verantwortlichen gewesen sei, so spielte der Sportliche Leiter bei der Verpflichtung eine entscheidende Rolle.
Schließlich hatte Wehlmann als Chefscout von 2016 bis 2018 bei Holstein Kiel erfolgreich mit Anfang zusammengearbeitet. Dem Coach gelang auf seiner ersten Cheftrainerposition bei einem höherklassigen Verein der Aufstieg in die Zweite Liga. Dort verpasste Kiel am Ende erst in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg den Durchmarsch in die Bundesliga.

Entgegenkommen beim Gehalt

Köln zahlte für Anfang eine Ablösesumme, ein ordentliches Gehalt und nach der Freistellung eine dicke Abfindung. Dass man nun Anfang in Darmstadt verpflichten konnte, lag wohl auch an der Corona-Krise. Anfang habe für sein Engagement Abstriche beim Gehalt gemacht, ließ Wehlmann durchblicken.  Die Verpflichtung sei unter wirtschaftlichen Aspekten vernünftig. „Da ist Markus uns auch noch ein Stück entgegengekommen“, sagte er. „Das muss man lobend erwähnen.“ Anfang sei von Beginn an „Feuer und Flamme“ für die neue Aufgabe gewesen.
„Ich finde die Herausforderung in Darmstadt extrem spannend und freue mich sehr auf meine neue Aufgabe“, wird Anfang in der Mitteilung des Vereins zur Vertragsunterzeichnung zitiert. „Die Chemie zwischen den Verantwortlichen bei den Lilien und mir hat von Beginn an gestimmt, das war letztendlich ausschlaggebend für meine Entscheidung.“

Anfang bekam, was Grammozis verwehrt wurde

Wehlmann spricht von einem „sehr guten Verhältnis“, das er in Kiel mit Anfang entwickelt habe. „Markus ist ein sehr akribischer Arbeiter. Er ist auch sehr fordernd. Sicherlich hat man auch mal harte Diskussionen geführt. Aber auch das war immer sehr positiv.“ Bei der Entscheidung für die Verpflichtung sei es darum gegangen, die Entwicklung in Darmstadt mit jungen Spielern und einer variablen, aktiven Spielidee weiterzuführen.
Auf die Frage, wieso Anfang nun den Zweijahresvertrag erhält, den man Grammozis nicht geben wollte, gibt es keine wirklich erhellende Antwort: Man habe Grammozis versprochen, sich frühzeitig in der neuen Saison zusammenzusetzen, um über eine weitere Verlängerung zu sprechen, sagt Wehlmann. Doch Grammozis habe dem Verein klar zu verstehen gegeben, dass er eine neue Herausforderung suche. Von Vereinsseite sei man sei aber immer gesprächsbereit gewesen.

Hoffen auf mehr Kontinuität

Aus Sicht des Vereins ist zu hoffen, dass sich die Liaison mit Anfang als haltbarerer erweist, als die mit seinen Vorgängern. Seit dem ersten Abgang von Dirk Schuster im Sommer 2016 hielt sich keiner deutlich länger als ein Jahr auf dem Trainerstuhl (siehe Kasten). Von Vorteil ist es für die Lilien, dass sie nun bereits für die kommende Saison planen können. Mit Blick auf die auslaufenden Verträge von 13 Spielern sei es eine „bessere Situation“, wenn man den künftigen Trainer dabeihabe, um Gespräche zu führen und Entscheidungen zu treffen, sagt Wehlmann.
Zunächst hofft Wehlmann aber, dass man die Saison mit Grammozis bis Ende Juni zu Ende spielen kann und Anfang dann zum 1. Juli die Mannschaft übernimmt. Sollte die Saison bis dahin nicht beendet sein, müsse man eine neue Lösung suchen. Anfang wird bis zu seiner Medienvorstellung nach Ende der aktuellen Saison nicht für Interviews oder Zitate zur Verfügung stehen, heißt es vom Verein. Die volle Konzentration solle der restlichen Spielzeit gelten. Wann immer die auch tatsächlich ausgetragen wird …

Die Lilien-Trainer in den vergangenen Jahren

23.03.2010 – 02.09.2012 Kosta Runjaic

05.09.2012 – 17.12.2012 Jürgen Seeberger

28.12.2012 – 30.06.2016 Dirk Schuster

01.07.2016 – 05.12.2016 Norbert Meier

05.12.2016 – 21.12.2016 Ramon Berndroht

27.12.2016 – 09.12.2017 Torsten Frings

11.12.2017 – 18.02.2019 Dirk Schuster

18.02.2019 – 23.02.2019 Kai Peter Schmitz

23.02.2019 – 30.06.2020 (voraussichtlich) Dimitrios Grammozis