Inspiration

Training aus der Drohnen-Perspektive

von Stephan Köhnlein

Wenn Trainer Markus Anfang an den Einsatz von Video-Material in seiner Zeit als Spieler zurückdenkt, muss er schmunzeln: „Zu meiner Zeit gab es da nur die VHS-Kassette, die man mitnehmen und selber zurechtspulen musste“, sagt der 46-Jährige, der unter anderem für Fortuna Düsseldorf, den 1. FC Kaiserslautern und Schalke 04 am Ball war.

Heute gibt es da ganz andere Möglichkeiten. So kommt seit dieser Saison beim SV Darmstadt 98 eine Drohne zum Einsatz, die die taktischen Übungen aufnimmt. „Die Drohne ist für uns Trainer ein Hilfsmittel, um den Jungs zu zeigen, welche Möglichkeiten wir haben. Sie bietet uns Bilder aus einer anderen Perspektive“, sagt Anfang. Man könne den Spielern auch einzelne Szenen zuschneiden und zuschicken, um ihm bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen.

Max Kohl ist der Herr der Drohne. Der 30 Jahre alte Sportwissenschaftler ist seit einigen Jahren Jugendtrainer bei den Lilien. Seit vergangener Saison ist er zudem in der Trainingsdokumentation und Videoanalyse tätig. Und mit dem Amtsantritt von Trainer Markus Anfang kam eine neue Aufgabe dazu.

Wie ein Autoführerschein mit Meteorologie und Luftfahrtrecht

„Markus Anfang ist in den ersten Gesprächen schnell auf die Drohne gekommen, die er schon in Köln verwendet hatte“, sagt Kohl. „Da hat man jemanden gebraucht, der sich darum kümmert. Und da das Begleiten der Einheiten per Video ohnehin schon mein Aufgabengebiet war, durfte ich den Drohnenführerschein machen.“ Der sei so ähnlich wie ein Autoführerschein – aber noch etwas umfangreicher, weil auch Meteorologie und Luftfahrtrecht dazukämen.

Kohl spricht sich vor den Einheiten mit den Trainern ab, was sie gerne gefilmt hätten und worauf sie den Schwerpunkt legen wollen. „Und dann versuche ich, die Wünsche bestmöglich umzusetzen, damit der Coach dann das entsprechende Bildmaterial hat. Ich füge die Videodateien zusammen und tagge sie. Der Trainer hat dann nicht den ganzen Film, sondern nur bestimmte Szenen.“

Bei der Drohne handelt es sich um ein handelsübliches Modell, das etwa 1.000 Euro kostet. Die Akku-Laufzeit ist etwas besser als üblich, mehr als 25 bis 30 Minuten Flugzeit sind aber noch nicht drin. Auch deswegen muss man sich auf bestimmte Trainingspassagen beschränken.

Abschießen oder zum Wake-Boarden mitnehmen?

Sicherheit wird beim Drohneneinsatz großgeschrieben. „Ich muss die Drohne vorher auf Funktionsfähigkeit prüfen“, sagt Kohl. Auch darf er nicht bei jedem Wetter fliegen. „Bei Regen und Nebel geht das gar nicht. Die meisten Drohnen sind nicht wasserdicht.“

Zu 100 Prozent könne man einen Absturz nie ausschließen, aber es gebe zahlreiche Sicherheitsmechanismen. „Ich habe die Drohne immer im Blick, sie hat zudem eine Hindernis-Erkennung, weicht Bäumen und Zäunen aus, sie hat einen 360 Grad Sensor und eine Rückkehrfunktion, wenn der Akku eine kritische Marke unterschreitet.“

Die Spieler haben sich schnell an die Beobachtung von oben gewöhnt. „Die Jungs flachsen manchmal, dass sie sie mal abschießen. Aber selbst da gibt es Ausweichfunktionen“, sagt Kohl. Manche Spieler seien aber auch sehr interessiert, haben schon selbst überlegt, sich eine zuzulegen: „Tobi Kempe wollte sie zum Beispiel fürs Wake-Boarden mal mitnehmen.“