Inspiration

Theaterwut

Stefan Benz Foto: Guido Schiek

Theaterkritiker im Mord(s)getümmel. Die Zweite!

Stefan Benz legt mit “Theaterwut” den zweiten Band seiner mitreißenden, komödiantischen Theater-Intrigen-Krimi-Trilogie vor. Ein sachdienliches Urteil von Giuseppe Pippo Russo.

Der letzte Roman, der mich wirklich gefesselt hat war “Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier. Das ist schon ein paar Tage her. Daran fühlte ich mich beim Lesen der traumhaften Stellen von “Theaterwut” erinnert.
Was heißt beim Lesen? Verschlungen hab´ ich die Geschichte. Denn es ist auch ein Feuerwerk an Sprache und das oft in fast aberwitzigen Tempo.
“Theaterwut” ist der zweite Band einer Trilogie über die erstaunlichen Geschehnisse um den langsam verlotternden Theaterkritiker und selbst saufenden Weinlädchenbetreiber Julius Beck. (Der erste Band “Theaterdurst” (Juli 2019) war schon begeisternd).

Beck gerät wieder mitten in einen spannenden Krimi im sumpfigen Theater- und Lokalpolitmillieu.
Die rasante Story fährt von einer Katastrophe zur nächsten Unglaublichkeit. Dabei hat es Satzschöpfungen für die Ewigkeit: “Ein grauer Schlips würgte seine Gurgel derart, … (es) sah aus, als wäre er schon seit Jahren Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium und müsse sich dort täglich bei Saumagenbüffets und Klöße-Wettessen verausgaben.” oder “Oben angekommen, betrachtete Beck den Clochard im Spiegel und fand nun auch, es sei besser, aufrecht zu sterben.”
Es gibt ´ne Menge Tote, es gibt Intrigen, es gibt die Karikatur eines weinseligen Theaterkritikers und ganz nebenbei liefert “Theaterwut” eine schonungslose und nicht ganz unernst gemeinte Analyse von “Möchtegern-Moderner-Stadtkulturpolitik” frei Haus.
Stefan Benz, im bürgerlichem Beruf Redakteur beim “Darmstädter Echo”, spielt in den schönsten Stellen dieses herrlichen zweiten Bandes auch wieder mit satirischen Bezügen zu Darmstadt. Ein Beispiel gefällig? Bitteschön: “Dazu lief die Vereinshymne “Victoria, Dein Sonnenschein in meinem Herz ist immer da”, die ein italienischer Pizzabäcker vor vierzig Jahren eingesungen hatte.”

Man sollte dieses Buch “Theaterwut” gleich im Doppelpack – nach dem ersten Teil “Theaterdurst” – lesen und an die Liebsten verschenken.

Verlag: tredition GmbH, Hamburg, Paperback, 11,99 Euro