Inspiration

Teilen & tauschen statt kaufen & konsumieren

Ein Beitrag von Anke Breitmaier

Schränke voller ungetragener Kleidung, Regale mit ausgelesenen Büchern und den Keller voller nur selten gebrauchter Werkzeuge – die meisten von uns haben einfach viel zu viel von allem. Die ungenutzen oder ausgebrauchten Dinge müssen aber nicht weggeschmissen werden. Wie wäre es mal mit teilen oder tauschen? Möglichkeiten gibt es da viele.

Geht es Ihnen auch so: Von Zeit zu Zeit bekommt man einen Koller und macht Inventur im eigenen Haushalt. Dann wird der Kleiderschrank mal einer Inspektion unterzogen – und schon stellt sich heraus, dass 80 Prozent der darin enthaltenen Hosen, Pullis, T-Shirts und Blusen nur noch ein hängendes Dasein fristen. Und bei einem kritischen Blick in andere Haushaltsbereiche stellt sich dann doch heraus, dass es unendlich viele Gegenstände gibt, die man einmal und dann nie wieder braucht. Oder die jahrelang auf ihren Einsatz warten und im Laufe der Zeit einfach vergessen werden. Schade drum. Und schlecht für die Umwelt. Denn lässt sich der überflüssige Besitz nicht flüssig machen durch Verkauf, landet etliches Hab und Gut im Müll. Schließlich können wir ja doch nicht alle Anschaffungen unser Leben lang mitschleifen.

Bitte nicht wegwerfen!

Aber ein Großteil der Dinge, die bei uns ausgedient haben, sind noch nicht reif für die Müllhalde, wo sie einen erklecklichen Beitrag zur Umweltverschmutzung leisten. Vom Buch über den Toaster bis zur Bohrmaschine sind viele Gebrauchsgegenstände noch „gut“ und erfüllen ihren Zweck, auch wenn wir sie nicht mehr brauchen. Aber wohin damit? Eine Idee ist, die Sachen zu spenden. Ob über die Altkleidercontainer, auf dem Flohmarkt oder als Sachspende an eine gemeinnützige Organisation wie die Caritas – es gibt viele Möglichkeiten, unnötigen Besitzbalast klimafreundlich und verantwortungsvoll loszuwerden.

Was brauche ich eigentlich?

Aber wir können auch schon etwas früher anfangen, nachhaltiger zu werden. Etwa indem wir unser Kaufverhalten mal kritisch hinterfragen. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, in der alles immer verfügbar und käuflich ist. Geht etwas kaputt oder gefällt uns nicht mehr, ist sofort für Ersatz gesorgt. Und die Werbung schürt das Konsumbegehren – mit immer wieder neuen Produkten wird der Markt geflutet und wir zum Kauf verführt. Sofern wir das zulassen: Sinnvoll ist es, sich vor jedem Kauf zu fragen, wofür man diese Anschaffung benötigt und ob man sie wirklich braucht. Vieles von dem, auf das wir ein Auge werfen, ist genauer betrachtet unnötig. Oder lässt sich anders beschaffen.

Weniger von mehreren nutzen lassen!

Anstatt immer mehr anzuhäufen, sollten wir alle uns etwas entlasten – und mehr Dinge mit anderen Menschen teilen oder sie tauschen gegen anderes. Aber auch hier stellt sich für viele die einfache Frage: Wie geht das und wo geht das? Eigentlich ganz einfach. Man muss nur mal irgendwo anfangen. Im Folgenden sind Anlaufstellen genannt.

Die Schenk-Tauschkiste – verschenken, tauschen, reparieren

Nicht wegwerfen, sondern stattdessen verschenken, tauschen oder reparieren – das ist das Motto der Schenk-Tauschkiste, einer gemeinsamen Initiative des EAD Darmstadt (Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen) Darmstadt und des ZAW (Zweckverband Abfall- und Wertstoffeinsammlung) für den Landkreis Darmstadt-Dieburg. Auf der Internetplattform kann man kostenlos noch brauchbare Dinge verschenken, gegen andere Sachen tauschen oder einfach spenden.

ead.schenk-tauschkiste.de

Heinerleih – der Leihladen im Martinsviertel

Bewusster mit Gebrauchsgegenständen umgeben und sie tauschen oder gemeinsam nutzen, anstatt sie immer neu zu kaufen – dieser Trend setzt sich langsam aber sicher durch. Seit letztem Jahr etwa gibt es einen Laden dazu von der „Heinerleih“-Initiative. Jeder kann hier zum Beispiel Werkzeuge, Garten- und Elektrogeräte, Multimedia, Sportequipment, Campingausstattung oder Festbedarfsartikel abgeben, die er oder sie nur selten braucht. Andere können sich dann kostenlos ausleihen, was sie brauchen.

Das Angebot ist eine ressourcenschonende Alternative zum klassischen Konsum. Damit soll nicht nur die Umwelt geschont, sondern es sollen auch Menschen zusammengebracht werden.

Online gibt es einen Leihkatalog, in dem man die benötigten Dinge aussucht. Während der Öffnungszeiten kann man diese im Heinerleih-Laden abholen, hinterlegt einen Pfandbetrag und nimmt die ausgewählten Gebrauchsgegenstände für zwei Wochen mit. Bei der Rückgabe gibtʼs dann den Pfand zurück.

www.heinerleih.de

Repair-Café

Das Darmstädter Repair-Café – defekte Dinge wieder instandsetzen

Den kaputten Toaster, das zerrissene Kleid, der platte Fahrradreifen oder die Lampe mit Wackelkontakt – wer Alltagsgegenstände hat, die nicht mehr funktionieren, kann sie in ein Repair-Café bringen. Dort werden die Sachen in netter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen gemeinsam mit Tüftlern, die sich damit auskennen, repariert. Ziel der Initiative ist es, die Nutzungsdauer der Gegenstände zu verlängern und dadurch Müll zu vermeiden und Ressourcen zu sparen. Wann und wo ein Repair-Café stattfindet und welche Gegenstände dort ausgebessert werden können, erfährt man auf der Website.

www.repaircafes-darmstadt.de

Heinertalent – der Tauschring für Talente

Schon 1997 wurde der Tauschring Heinertalent-Experiment mit 16 Mitgliedern gegründet. Gedacht war er als organisierte Nachbarschaftshilfe: Der Tauschring funktioniert nach dem Prinzip, die besonderen Fähigkeiten eines Einzelnen zum Nutzen aller einzusetzen und im Gegenzug von den Fähigkeiten der Anderen zu profitieren.

www.heinertalent.de