Inspiration

Sind wir dumpf-doofe Hinterwäldler?

Zum SPIEGEL-Artikel: „Die Sonne scheint“ von Marc Hujer und Jörg Schindler in Nr. 17, 23.04.2016. Das Magazin veröffentlichte einen despektierlichen Text über das Umfeld des Darmstädter „Lilien-Märchens“.

Ein Kommentar von Pippo Russo

Da wird aus dem bundesweit anerkannten Italo-Rock-Pop-Sänger, Alberto Collucci, Darmstadts italienischer Schnulzensänger. Aus der „First Class Honours“ Studien-Absolventin und anerkannten Künstlerin Jill Klohe wird eine Hobbymalerin. Und der Weltkonzern Merck will – angeblich – wenig mit dem Klub zu tun haben. Komisch, er hat die Rechte als „Merckstadion am Böllenfalltor“ erworben. Nur einige Passagen, die uns als hinterwäldlerisch und damit wohl dumpf-dumm darstellen.

Wohl damit sich Autor Marc Hujer (Paris-Darmstadt-New York) als weltgewandt kaprizieren kann. Wahrscheinlich hat er sich seine Studienzeit an der TU in dem provinziellen Darmstadt nie verziehen. Mit dem zweiten Autor, Jörg Schindler, gebürtiger Darmstädter, verbinden mich gemeinsame Redaktionszeiten bei der „Klappe“. Vor ihm hatte ich bis jetzt Hochachtung – auch wegen seines hervorragenden Buches: „Stadt, Land, Überfluss“. Ich muß wohl etwas angesäuert meine Meinung korrigieren.

Die Autoren (sie hören bestimmt nur große Künstler und gutieren keinen Schnulzensängern und Hobbymalern) haben die Darmstädter Fangemeinde tief beleidigt. (Rache ist Blutwurst).

Aber: Wenn man weiß, welch große Aussenwirkung der (Fußball)-Sport hat und welche Imagebildung damit für eine ganze Region einhergeht, kann man den Schaden erahnen. Unüberlegte Schreiber, die es für wichtig empfinden, zu erwähnen, dass sich „die Geschäftsstelle … nicht weit von der Stadiontoilette“ befindet. tse, tse, tse …

Tja, da funkelt einmal mehr die schlitzohrige Darmstädter Bodenständigkeit auf. Wir haben Humor. Denn jetzt bekommt der Begriff „Geschäftsstelle“ eben eine ganz neue Bedeutung.