Inspiration

„Sind dem Teufel von der Schippe gesprungen“

Foto: Herbert Krämer

Wie für den gesamten Verein war es auch für Rüdiger Fritsch kein einfaches Jahr. Im Winter musste er schweren Herzens Trainer Torsten Frings entlassen und die ganze Rückrunde über zweigleisig, also auch für die dritte Liga planen. Im Interview spricht der Präsident über die abgelaufene Saison, blickt aber auch in die Zukunft.

PK: Herr Fritsch, wie viele Steine sind Ihnen nach dem Siegtreffer von Tobias Kempe gegen Aue vom Herzen gefallen?

RF: Viele. Wir sind auf der Felge über die Ziellinie gefahren. Dass das so kommen wird, haben wir spätestens seit Rückrundenbeginn gewusst und daher sehr konzentriert, professionell und gezielt darauf hin gearbeitet.

PK: Man hatte das Gefühl, trotz dem Bewusstsein der prekären Situation ist man beim SV Darmstadt ruhig geblieben und hat sich voll auf die Arbeit konzentriert. Hat das letztendlich den Ausschlag für den Klassenerhalt gegeben?

RF: Es war zumindest ein wichtiger Baustein der „Mission Klassenerhalt“. Wilder Aktionismus und populistische Maßnahmen sind nicht unser Ding. Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren unter schwierigen Bedingungen stetig weiterentwickelt. Damit meine ich nicht Tabellenplätze, sondern harte Fakten, wie etwa wirtschaftliche Stabilität, Optimierung der Infrastruktur hinsichtlich Trainingsplätze und Nachwuchsleistungszentrum.

PK: Hatten Sie schon etwas Zeit, eine Analyse der Saison vorzunehmen und sind Sie auf Gründe gestoßen, warum es sportlich lange Zeit nicht gut gelaufen ist?

RF: Wir sind erst einige Tage nach Saisonschluss. Die Analyse läuft und wir werden sicherlich Schlüsse ziehen. Dies aber ausschließlich mit Blick nach vorne.

PK: Was kann man aus der Saison lernen?

RF: Aus dieser Saison kann man sicherlich lernen, dass wir hier in Darmstadt weiter gut beraten sind, mit Respekt, Demut und Konzentration die jeweiligen Aufgaben anzugehen. Hieraus sollte ich dann immer eine realistische Erwartungshaltung ableiten.

PK: Sind die Lilien finanziell in der Lage, den erfolgreichen Kader aus der Rückrunde mit den Leihspielern Brégerie und Ji zusammenzuhalten oder wird es größere Veränderungen geben?

RF: Die sportliche Bewertung einzelner Spieler und damit die Kaderzusammenstellung obliegt den sportlich Verantwortlichen. Die finanziellen Möglichkeiten sind für 2. Liga-Verhältnisse wettbewerbsfähig.

PK: Kann man in den nächsten Jahren auch auf Nachwuchstalente hoffen, die den Sprung aus dem eigenen NLZ in den Profikader schaffen? Ist das vielleicht ein Weg, um auch in Zukunft mit finanziell stärkeren Vereinen mitzuhalten?

RF: Die Nachwuchsarbeit ist langwierig, die Entwicklung von Talenten zum wirklichen Profifußballer steiniger als manch Einer glaubt. Ganz nebenbei befindet man sich in Bezug auf die Entwicklung von jungen Spielern mittlerweile ebenfalls im nationalen und sogar internationalen Wettbewerb. Die Liste von Jugendspielern, die bei uns angefangen haben und dann zu vermeintlich „besseren“ Vereinen gewechselt sind, ist lang.

PK: Zum Abschluss: Mit welchen Zielen gehen die Lilien und auch Sie persönlich in die kommende Zweitligasaison?

RF:Wir sind diese Saison dem Teufel von der Schippe gesprungen. Man hat gesehen, wie schnell es schwierig werden kann, wie sportlich „eng“ die 2. Liga ist. Vor diesem Hintergrund kann es in der nächsten Saison zunächst nur darum gehen, sich im Profifußball weiter zu etablieren und peu à peu die nächsten Entwicklungsstufen einzuleiten und umzusetzen.

PK: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Phil Klüh.

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