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Seung-ho Paik: In der Heimat bereits ein Star

Gude!
Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende – und zum Abschluss gibt es noch mal ein attraktives Programm für die Anhänger des SV Darmstadt 98. In drei Heimspielen gastieren die Spitzenteams aus Hamburg, Stuttgart und Bielefeld am Böllenfalltor, und das einzige Spiel auf einem fremden Platz bei Wehen Wiesbaden wird wegen der vielen erwarteten Lilien-Fans auch eher ein Heimspiel werden.
Allen Lilien-Fans von dieser Stelle eine nicht zu stressige Adventszeit, ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich erfolgreiches neues Jahr – persönlich wie sportlich!
Weitere Infos rund um die Lilien, tagesaktuell und journalistisch fundiert, gibt es im Internet bei lilienblog.de, dem Online-Magazin zum SV Darmstadt 98.

Der 22-Jährige setzt die südkoreanische Tradition bei den Lilien fort

Bum-kun Cha, Dong-won Ji und nun also Seung-ho Paik. Der 22 Jahre alte Südkoreaner hat erfolgreiche Vorgänger beim SV Darmstadt 98 – und selbst wahrscheinlich die beste Ausbildung der drei Spieler: Sechs Jahre lang wurde er im Nachwuchs des FC Barcelona geformt. Nun will er in Deutschland den nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen.

Manche seiner Fans reisen über 11.000 Kilometer weit, um ihn zu sehen. So gut wie jede Partie ist ein Reporter da, der für die Medien in der Heimat berichtet. Und nach Schlusspfiff geht der Spieler zur kleinen Community mit der Fahne seines Vaterlandes, gibt Autogramme und wechselt ein paar Worte mit seinen Landsleuten. Für viele Südkoreaner ist Seung-ho Paik bereits ein Superstar.

„Das ist unglaublich, dass die Leute bis nach Deutschland kommen, nur um mich zu sehen“, sagt der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler des SV Darmstadt 98. „Ich kann das nicht wirklich erklären. Aber es ist eine große Ehre für mich. Und wenn ich die koreanische Flagge sehe, ist das für mich auch eine große Motivation. Das ist mir sehr wichtig.“

„Messi ist wirklich sehr gut“

Zum Ende der Sommertransferperiode kam Paik (der übrigens „Peck“ ausgesprochen wird, wie er selbst sagt) vom spanischen Zweitligisten FC Girona ans Böllenfalltor. Bei den Lilien unterschrieb er einen Vertrag bis zum Sommer 2022. Seither stand er (bis Redaktionsschluss) bei jedem Liga-Spiel in der Startformation, im Pokal gegen Karlsruhe kam er als Einwechselspieler zum Einsatz.

Paik ist ein feiner Techniker mit einem guten Schuss, zugleich zweikampfstark. Manchmal agiert er vielleicht noch etwas zu zurückhaltend – auf wie abseits des Platzes. Ein Beispiel: Wenn man mit Paik spricht, ist er ruhig, freundlich und entschuldigt sich dafür, dass sein Englisch nicht gut sei. Dabei ist es durchaus passabel, besser als das mancher Journalisten. Trotzdem greift er gerne auf die Übersetzungshilfe von Ersatzkeeper Carl Klaus zurück, der wie Paik mehrere Jahre in Spanien gespielt hat.

Der Fußball in Deutschland sei körperlicher, sagt Paik. In Spanien werde das Spiel länger aufgebaut, es gebe mehr Ballkontakte. Und es werde mehr Wert darauf gelegt, dass das Spiel schön aussehe. „Hier ist das aggressiver und schneller“. (siehe Kurzinterview)

Drei Fragen an Seung-ho Paik, SV Darmstadt 98

?  Seit Anfang September spielst Du in Deutschland. Wie ist bislang Dein Eindruck von der deutschen Zweiten Liga – gerade im Vergleich zu Spanien?

Seung-ho Paik: Der Fußball hier ist körperlicher. Es geht mehr zwischen Abwehr und Angriff hin und her. In Spanien wird das Spiel länger aufgebaut, es gibt mehr Ballkontakte, es soll schön aussehen. Hier ist das aggressiver und schneller.

? Hast Du schon ein bisschen was von Deutschland gesehen – außer bei den Auswärtsspielen?

Seung-ho Paik: Ich war in Frankfurt. Da gibt es nämlich viele koreanische Restaurants. Da bin ich mit meiner Mutter hin. Aber sonst leider noch nichts.

? Deine Mutter war hier?

Seung-ho Paik: Sie wohnt hier mit mir zusammen und kommt auch ins Stadion. Und meine Schwester arbeitet in Paris. Sie kommt auch hierher zu den Spielen, wenn sie es zeitlich schafft.

Ausgebildet wurde Paik beim FC Barcelona, wohin er bereits im Alter von 13 Jahren wechselte. „Barcelona ist wirklich ein sehr großer Verein, wo ich sehr viel gelernt habe“, sagt er rückblickend. „Ich habe auch mit der ersten Mannschaft gesprochen und trainiert, auch mit Lionel Messi. Das hat mir sehr geholfen.“ Wie denn der mehrfache Weltfußballer so gewesen sei? „Messi ist wirklich sehr gut“, sagt Paik lachend.

Für den Sprung in die erste Mannschaft von Barca reichte es jedoch nicht. Nach sechs Jahren schloss er sich dem FC Girona an. Dort kam er zuerst für die damalige Reservemannschaft CF Peralada zum Einsatz. Vergangene Saison bestritt er dann insgesamt sechs Pflichtspiele für Girona in der Primera División und im Pokal. Am Ende stiegen die Katalanen jedoch ab.

In der Tradition von Cha und Ji

Wenn man die Journalisten aus seiner Heimat fragt, wieso ein Spieler so populär ist, wird immer wieder auf die Zeit bei Barcelona verwiesen. Ein Südkoreaner bei einem Weltverein – das sei schon etwas Besonderes. Zudem komme er auch bei vielen weiblichen Fans in Südkorea sehr gut an, weil er gut aussehe, räumt eine südkoreanische Reporterin leicht errötend ein.

Sportlich sorgte Paik zudem bei der U20-Weltmeisterschaft 2017 in seinem Heimatland für Aufsehen. Er absolvierte vier Spiele, in denen er zwei Treffer erzielte. Im Juni gab er sein Debüt in der A-Nationalmannschaft seines Landes, kommt seitdem regelmäßig dort zum Einsatz.

Bei den Lilien setzt Paik die Tradition der erfolgreichen Südkoreaner fort. In der Rückrunde der Saison 2017/18 trug Dong-won Ji als Leihspieler maßgeblich zum Zweitliga-Klassenerhalt bei. Und dann war da ja noch Bum-kun Cha. Der absolvierte 1978 nur ein Spiel für die Lilien, reiste dann zurück in die Heimat und wurde dort zum Wehrdienst eingezogen. Später sorgte Cha dann bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen in der Bundesliga für Furore. Nach seiner erfolgreichen Karriere wurde er zu Asiens Fußballer des Jahrhunderts gekürt.

Tipps von einer Legende

Die südkoreanische Fußball-Legende war auch zu Paiks Debüt in Darmstadt zu Gast und gab dem Spieler ein paar Tipps. „Er hat mir gesagt, dass der Rasen hier ganz anders ist als in Spanien“, sagt Paik. „Und dass ihm die Lilien sehr viel geholfen haben, dass er sich hier in Deutschland später so gut zurechtgefunden hat.“

Den Wehrdienst hat Paik übrigens wie Cha damals noch nicht abgeleistet. Aber Gefahr, dass ihm ein ähnliches Schicksal droht, sieht er nicht. Schon jetzt hat er mehr Spiele als sein berühmter Landsmann für die Lilien absolviert. Und den Wehrdienst könnte er sogar ganz umgehen: „Wenn wir nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen, wird mir die Wehrpflicht erlassen“, verrät er schmunzelnd.

Zur Person

Seung-ho Paik

Seung-ho Paik (koreanisch 백승호) wurde am 17. März 1997 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geboren. Er spielte in der Jugend der Suwon Samsung Bluewings und wechselte 2010 in die Jugendabteilung des FC Barcelona nach Spanien. Nach sechs Jahren ging er am 21. Juli 2017 zum FC Girona und spielte zuerst für CF Peralada, die damalige Reservemannschaft von Girona, in der 3. Liga. Sein erstes Spiel für die erste Mannschaft von Girona machte er am 10. Januar 2019 in der Copa del Rey, dem spanischen Pokal. Am 27. Januar 2019 absolvierte er sein erstes Spiel in der Primera División bei einer 0:2-Heimniederlage gegen den FC Barcelona. Am 31. August wechselte er zum SV Darmstadt 98. Paik debütierte am 11. Juni 2019 für die A-Nationalmannschaft seines Landes bei einem Freundschaftsspiel gegen den Iran.