Inspiration

Schuld, Einsamkeit und Nähe

Der Debütroman des niederländischen Regisseurs ist verstörend schön, manchmal auch schön verstörend. Die beklemmende Geschichte lässt einen kaum los.

Auf einer namenlosen Insel zwischen Schottland und Norwegen lebt der neunjährige Mikael mit seinen Eltern, nur einen Nachbarn gibt es. Bei einem Strandausflug ertrinkt Vater Birk. Geschockt läuft der Junge heim, der Mutter erzählt er nichts vom Unfall. Weggeschwommen sei der Vater, sagt er. Die Suche verläuft ergebnislos, die Mutter hofft, dass der Vater wieder auftaucht, Mikael zieht sich in seine Gedankenwelt zurück. Schuldgefühle quälen ihn, aber je länger er schweigt, umso ungreifbarer wird die Wahrheit. In der düsteren Abgeschiedenheit wird das zu einem jahrelangen Schweigespiel, in dem die Mutter den Sohn mehr und mehr bedrängt. Robben schreibt poetisch, aber sehr aufwühlend. Das macht den Reiz aus: Beim Lesen schwankt man zwischen Faszination und Abscheu.

Jaap Robben | Ars vivendi | 20 Euro