Inspiration

Samstag, 24. August 2019, ab 14 Uhr | Kulturzentrum Bessunger Knabenschule

Bessunger KinderWerkStadt feiert ihren 50

Als „Verein für nichtrepressive Erziehung“ wurde im Schloßkeller in Darmstadt im September 1969 ein Elternverein für Kinderbetreuung gegründet. Es waren die bewegten Jahre, die den „Mief (nicht nur) unter den Talaren“ wegwehten. 21 Mütter und Väter hatten sich zusammen getan, um bewusst ein Gegenmodell zu den traditionell konfessionellen und kommunalen Einrichtungen zu schaffen. Man wollte weg vom rigiden Verwahrungsmodell, weg von Erziehungsidealen der miefigen 50er und 60er Jahren, wo Kinder immer bedingungslos zu gehorchen hatten. Wo sie gefälligst brav und stumm am Tisch sitzen sollten, während die oft matronenhaften Kindergartentanten ihnen von hinten Reisbrei in den Mund stopften. Wo eben auf die Bedürfnisse der Kleinen wenig Rücksicht genommen wurde.

Hier im neugegründeten Verein wurde damals dann jedes Detail der Erziehungsarbeit von Eltern und Betreuern debattiert. Beteiligung bis zur Überforderung war angesagt. Selbst die Farbe des anzuschaffenden Kochlöffels wurde heiß diskutiert.
Inzwischen ist die KinderWerkStadt eine veränderte Einrichtung mit Eltern, deren Ziele und Bedürfnisse sich von jenen der Gründungsmitglieder unterscheiden. Die Strukturen sind klarer. Der Gedanke der Dienstleistung ist nicht mehr verwerflich. Auch die engagierten Eltern, die dem Verein beitreten, erwarten vom Verein Entlastung und Professionalität. Haben in den Anfangsjahren die Kinder ihre Regeln in Gruppen noch selbst entworfen, so sind heute feste Strukturen und Rituale für die pädagogische Arbeit wichtig.
Aus der kleinen Einrichtung wurde eine große. Beim Umzug in die freiwerdende Bessunger Knabenschule – der letzte Nutzer die Waldorfsschule zog nach Eberstadt – war der Verein der Nukleus, die Urzelle des heutigen Kulturvereins Bessunger Knabenschule, in dem unzählige Vereine und Initiativen arbeiten, Musikgruppen proben und auch Start-Ups erwachsen sind.

Der Verein „KinderWerkStadt“ ist aber bis heute mit seinen vier Standorten in der Knabenschule und zwei weitere in der Sandbergstraße der größte Verein im vielschichtigen „Konzert“ der Knabenschule.