Inspiration

Russisches Schicksal in der Arktis

Isabelle Autissier umsegelte 1991 als erste Frau allein die Welt. Nach einem beinah tödlichen Unglück im Südpazifik beendete sie 1999 ihre Karriere als Einhandseglerin. Seitdem schreibt sie – beeindruckend und tiefgründig. „Herz auf Eis“, ihr Roman über ein Segeldrama, war sensationell.

Autissiers neues Buch ist wieder eine ergreifende Geschichte davon, wie grausam Menschen werden, die Angst haben. Er spielt im Norden Russlands zur Stalinzeit und in der Gegenwart. Juri, Professor für Vogelkunde, reist aus Amerika in seine Heimatstadt Murmansk, wo sein Vater im Sterben liegt. Vor 20 Jahren war Juri aus dem unwirtlichen Land und vor seinem brutalen Vater geflohen. Der bittet Juri nun, das Rätsel um seine Großmutter zu lösen: Die Wissenschaftlerin wurde 1950 im Zuge der stalinistischen Massendeportationen verhaftet und verschwand spurlos. Juri forscht nach und erfährt Unfassbares. Eindringlich beschreibt Autissier die unvorstellbare Grausamkeit der Gulags, die Atmosphäre aus Angst, Kälte, Hunger und Gewalt in diesen Straflagern. Dabei blickt sie furchtbar tief in menschliche Abgründe.

Anke Breitmaier

Isabelle Autissier | Klara vergessen | Mare | 25 Euro