Inspiration

Reise in den Kindheitsdschungel

Friedemann Karig

Friedemann Karig hat einen bemerkenswerten Namen (wer heißt schon Friedemann?), ein gutes Alter (geboren 1982) und schon ein spannendes Buch über Polyamorie geschrieben („Wie wir lieben“). Jetzt hat er sein literarisches Debüt verfasst – einen vielschichtigen Freundschafts- und Reiseroman.

Der eine verschwindet, der andere erzählt: Karig schickt einen namenlosen Erzähler nach Kambodscha, um seinen besten Freund Felix zu suchen. Der hat sich seit vier Wochen von seiner überstürzt angetretenen Rucksackreise nach Asien nicht mehr gemeldet, seine Mutter bittet den Erzähler, den Verschwundenen vor Ort zu suchen. Seit sie Kinder sind, verbindet die beiden Männer eine enge Beziehung. Sie sind mehr aneinander gefesselt als zusammengeschweißt. Denn auch wenn sie sich verblüffend ähnlich sehen, durch dick und dünn gehen und der gefühlsübermächtigen Pubertät Paroli bieten, hat ihre Verbindung etwas Toxisches. Felix dominiert durch seine Unberechenbarkeit und seinen Zynismus die Beziehung. Als der Erzähler in Lea seine erste große Liebe findet, wird das Verhältnis der Freunde schwierig. Eher widerwillig begibt sich der Erzähler auf die Suche nach Felix. Reisen ist nicht sein Ding, es widerstrebt ihm, Fremde anzusprechen, das Ungewisse bereit ihm Unbehagen. Die Suche führt ihn in Backpacker-Paradiese und zu Möchtegernaussteigern in einem vom Massentourismus noch nicht überrannten Land. Es wird eine Fahrt in die Vergangenheit: Er lässt Szenen der Freundschaft zu Felix Revue passieren und spürt verdrängten Erlebnissen nach. Karig verbindet die Erzählstränge zu einer fesselnden Geschichte über eine besondere Männerfreundschaft, eine traumatische Vergangenheit und eine bedrückende Gegenwart vor der Kulisse einer urtümlich schönen Landschaft.

Friedemann Karig |Dschungel | Ullstein | 22 Euro