Inspiration

Rappo und Matze – die beiden Neuen für die Abwehr

Im Porträt

Nicolai Rapp und Matthias Bader stießen in der Winterpause zu den Lilien

Nicolai Rapp (*13.12.1996 in Heidelberg) wurde in der Jugendabteilung der TSG Hoffenheim ausgebildet. In der Zweiten Liga war er für die SpVgg Greuther Fürth und den FC Erzgebirge Aue am Ball, bevor er im Januar 2019 in Berlin unterschrieb. In der vergangenen Saison lief er in vier Pflichtspielen für die Köpernicker auf. Beim 1:2 der Berliner in der Rückrunden-Begegnung mit den Lilien musste er rot-gesperrt pausieren. Nach dem Aufstieg von Union in die Bundesliga kam er dort in der Hinrunde nur einmal im Pokal zum Einsatz. Rapp kann als Verteidiger und im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. In seiner Karriere absolvierte er drei Junioren-Länderspiele. Bei den Lilien trägt er die Rückennummer 23. Er ist bis Saisonende ausgeliehen.

Sportlich müssen sie sich noch beweisen, doch ihre Spitznamen haben die beiden Winterneuzugänge des SV Darmstadt 98 bereits: Nicolai Rapp ist Rappo und Matthias Bader ist Matze. Die beiden Abwehrspieler verstärken die Lilien seit der Winterpause. Gemeinsam erhoffen sie sich, ihre zuletzt etwas ins Stocken geratene Karriere wieder in Schwung zu bekommen. Doch die Perspektiven sind unterschiedlich.

Gleich zwei Mal haben die Lilien in der Winterpause in der Abwehr nachgebessert – und das nicht ganz freiwillig. Nach dem Kreuzbandriss von Mathias Wittek im November suchte man einen weiteren Innenverteidiger, den man früh in Nicolai Rapp fand. Nach dem Abgang von Mandela Egbo zu Red Bull New York brauchte man neben Routinier Patrick Herrmann einen zweiten Rechtsverteidiger und holte Matthias Bader.

Die Ausleihe Rapps von Bundesligist Union Berlin bis zum Saisonende wurde noch vor Weihnachten perfekt gemacht. “Ich hatte mehrere Angebote in der 2. Liga“, sagt er. Die Gespräche mit den Verantwortlichen seien sehr gut gewesen. Außerdem habe er die Kulisse am Böllenfalltor erlebt. „Und danach wusste ich, dass ich das hier gerne machen würde.“

„Erstmal enttäuscht“ – Rapp zunächst auf der Bank

Der 23-Jährige bestritt die komplette Vorbereitung mit der Mannschaft. Auf seiner Stammposition als Innenverteidiger kam er jedoch zunächst nicht an Immanuel Höhn und Dario Dumic vorbei, die eine starke Vorrunde gespielt hatten.

Beim ersten Spiel gegen Kiel saß er nur auf der Bank. „Ich glaube, jeder, der nicht spielt, ist erstmal enttäuscht und will auf dem Platz stehen“, sagt er. „Ich versuche weiter Gas zu geben, meine Chancen zu nutzen, der Mannschaft zu helfen und wenn ich gefragt bin, da zu sein.“

Die Chance kam dann im zweiten Spiel gegen Osnabrück. Da debütierte er als Einwechselspieler auf der ungewohnten Rechtsverteidiger-Position, wo er nach eigener Aussage in der 2. Liga erst einmal 30 Minuten gespielt hatte. „Aber defensiv kann ich eigentlich alles spielen“, sagt er. So kam er beim 1:0 über Sandhausen nach seiner Einwechslung dann auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz.

Wohnen abseits vom Trubel der Stadt

Auch wenn nicht klar ist, wie es mit Rapp nach dem Ende der Leihe im Sommer weitergeht, hat er in der Nähe von Darmstadt bereits eine Wohnung bezogen. „Ein bisschen außerhalb. Ein bisschen auf dem Dorf“, sagt er. Nach Heidelberg habe er nicht pendeln wollen. „Ich bevorzuge es, dort zu wohnen, wo ich auch arbeite“, sagt er.

Matthias Bader (*17 Juni 1997 in Pforzheim) wurde in der Jugend des Karlsruher SC ausgebildet und unterschrieb dort im Oktober 2014 einen Profivertrag. Zur Saison 2016/17 rückte er in den Profikader des damaligen Zweitligisten auf, etablierte sich als Rechtsverteidiger, stieg jedoch zum Saisonende ab. Nach einem Jahr als Stammspieler in der 3. Liga wechselte er zur Saison 2018/19 eine Liga höher zum 1. FC Köln. Für die Rheinländer bestritt er nur vier Ligaspiele, stieg mit der Mannschaft aber auf. Sein bislang einziges Bundesliga-Spiel bestritt er in der aktuellen Saison bei der 0:4-Niederlage gegen den FC Bayern München. Fünf Partien absolvierte er die 2. Mannschaft Kölns. Ende Januar wechselte er zu den Lilien, wo er einen bis 2022 gültigen Vertrag erhielt. Er trägt die Rückennummer 26.

Ebenfalls vor die Tore von Darmstadt zieht es den zweiten Winterneuzugang Matthias Bader. „Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich direkt im Grünen bin“, sagt der 22-Jährige. „Ich komme vom Dorf. Ich brauche keine 17 Chinesen und 12 Italiener ums Eck. Ein guter reicht mir völlig.“ Auch für seinen Hund, einen Labrador, sei es natürlich besser, wenn man mehr Platz habe.

Wiedersehen mit Marvin Mehlem

Bader hat eine schwierige Zeit hinter sich. Mit Marvin Mehlem hatte er beim Karlsruher SC seine Profi-Laufbahn begonnen. Der Wechsel zum 1. FC Köln vor eineinhalb Jahren sollte der nächste Karriereschritt sein. Doch es kam anders. Erst warf ihn eine Hüftverletzung zurück, doch auch danach konnte er sich nicht durchsetzen.

Die Gründe? „Sportlich war ich gefühlt zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt er. Aber das solle keine Ausrede sein. Vielleicht hätte er noch ein bisschen verbissener kämpfen können. „Vielleicht habe ich mich manchmal etwas hängen lassen. Aber ich habe auch Gas gegeben, und es hat keiner gesehen. Es war wohl eine Kombination aus beidem.“

„Unbedingt weg aus Köln“

Bei den Lilien war er schon im Sommer ein Thema gewesen, da ließ sich der Wechsel jedoch nicht umsetzen. Doch als Egbo den Verein dann relativ überraschend verließ, kam Fahrt in die Sache. „Ich wollte unbedingt aus Köln weg. Ich möchte so hoch wie möglich spielen“, sagt Bader.
Den Kölnern danke er, dass sie ihm keine Steine in den Weg gelegt hätten. „Und ich freue mich, dass ich hier ein Verein gefunden habe, der mir so ein Vertrauen entgegenbringt, obwohl ich eineinhalb Jahre ziemlich weg vom Fenster war.“

„Darmstadt ist ein Club, in dem man sich richtig gut entwickeln kann“

Anders als Rapp unterschrieb Bader einen längerfristigen Vertrag über zweieinhalb Jahre. Und anders als Bader stand er gleich in der Startelf. Dabei profitierte er auch von der Schwäche des bis dahin als Rechtsverteidiger gesetzten Patrick Herrmann. Ohnehin spricht das Alter klar für Bader. Der Vertrag des 31 Jahre alten Herrmann läuft zudem zum Saisonende aus.

Trotzdem bleibt der Verteidiger bescheiden. „Ich möchte mich natürlich hier durchsetzen und am liebsten zum unangefochtenen Stammspieler aufsteigen“, sagt er. „Darmstadt ist ein Club, in dem man sich richtig gut entwickeln kann. Ein gestandener Zweitligist mit erfahrenen Spielern, an denen man sich hochziehen kann.“

Locke, Platschi oder Fatzke? Diese Lilien-Spieler steckt hinter diesen blumigen Spitznamen:

Marcel Schuhen:   Schuh (Trainer Dimi spricht auch gerne von Schuhi)
Carl Klaus:   nicht bekannt
Florian Stritzel:   Strille
Igor Berezovskyi:   nicht bekannt
Dario Dumic:   nicht bekannt
Immanuel Höhn:   Höhni
Nicolai Rapp:   Rappo
Mathias Wittek:   Matze
Patric Pfeiffer:   Pat
Fabian Holland:   Fabi
Sebastian Hertner:   Basti oder Hertner
Matthias Bader:   Matze
Patrick Herrmann:   Hermi
Victor Pálsson:Vic
Yannick Stark:   Locke oder Schnorres
Seung-ho Paik:   Paik
Tobias Kempe:   Tobi
Fabian Schnellhardt:   Schnelle oder Schnelli
Marcel Heller:   Helle
Marvin Mehlem:   Marv; Yannick Stark nennt ihn liebevoll Fatzke
Leon Müller:   nicht bekannt
Mathias Honsak:   Honsi
Tim Skarke:   nicht bekannt
Braydon Manu:   teilweise Bray
Erich Berko:   Eric
Johannes Wurtz:   Jo oder selten Wurtzi
Serdar Dursun:   nicht bekannt
Ognjen Ozegovic:   Oggy
Felix Platte:   Platte; teilweise Dzyuba oder auch mal Platschi