Inspiration

Pop-up Radwege in Darmstadt

Warum sind Sie FÜR beziehungsweise GEGEN diesen Verkehrsversuch in Darmstadt?
Sabine Crook, 51 Jahre, Darmstadt, angestellt beim VCD Berlin und ehrenamtliche Vorsitzende des VCD Darmstadt-DieburgLeif Blum, 45 Jahre, Darmstadt, Corporate Counsel, Vorsitzender der FDP Darmstadt
Ende der 60iger Jahren riß man für den Cityring bestehende Häuser ab um die autogerechte Stadt zu bauen. 50 Jahre später wird es wieder zu eng in den Straßen, weil die Anzahl und auch die Größe der Autos stark gestiegen ist. Wir könnten nun wieder – wie damals - Häuser abreißen, um die Fahrbahnen zu verbreitern oder den vorhandenen Platz gerecht verteilen. Nämlich auch für Radler. Dazu werden nun an besonders gefährlichen Stellen im Stadtgebiet wie etwa dem Cityring, Steubenplatz oder Roßdörfer Platz Fahrspuren oder Parkstreifen in Radstreifen umgewandelt. Oft waren die für die heutigen Autos eh zu schmal. Vorerst nur mit gelber Farbe, um zu schauen, ob der Autoverkehr dennoch fließen kann. Ziel ist, es auch Kindern, Jugendlichen oder unsicheren Radlern zu ermöglichen, sicher durch Darmstadt zu fahren. Radfahrer nehmen wenig Platz ein. Jedes Auto braucht etwa 11 m² Fläche zum Parken, beim Fahren erhöht sich die Fläche wegen Sicherheitsabständen schnell um das zehnfache. Meist sitzt nur eine Person im Auto. Auf der gleichen Fläche können locker mehrere Fahrradfahrer radeln.
Jeder verletzte oder gar tote Radfahrer hat Angehörige, Kolleginnen, Freunde, die traumatisiert werden. Dies alles will ich nicht mehr akzeptieren, daher engagiere ich mich für sichere Radwege und eine Verbesserung der Radinfrastruktur. Die Sicherheit und das Leben von Radfahrenden muss gelegentliche Verzögerungen im Fluss von Kraftfahrzeugen wert sein.
Pop-up-Radwege sind mehr Schein als Sein. Was politisch toll klingt und genauso vermarktet wird, ist in Wahrheit ein Sicherheitsrisiko auf rechtlich unsicherer Grundlage. Sie stellen keine sichere Lösung für die Kreuzungsbereiche als Gefahrenstellen dar. Sie gaukeln eine Sicherheit vor, die es so nicht gibt.

Dazu müssten die Kreuzungen umgebaut und Ampelschaltungen geändert werden. Zudem unterliegt der Eingriff in den Straßenverkehr strengen rechtlichen Anforderungen und muss wohl begründet sein. Der ideologische Kulturkampf gegen das Auto reicht hierzu nicht aus.

Denn aus Sicht des Magistrats wünschenswerte, aber verkehrsfremde Erwägungen dürfen zur Begründung nicht herangezogen werden. Radwege dürfen nur dort angeordnet werden, wo Verkehrssicherheit, Verkehrsbelastung oder Verkehrsablauf konkret auf eine Gefahrenlage hinweisen. Eine solche Gefahrenlage hat der Magistrat nicht hinreichend dargelegt. Auch eine vorherige Messung der jeweiligen Verkehrsströme hat nicht stattgefunden