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Platte will in der Rückrunde wieder angreifen

Bilder: Herbert Krämer

Das verriet Darmstadts Stürmer nach seiner Hüftoperation im Interview mit Vorhang Auf-Autorin Selina Eckstein. Außerdem erzählte Felix Platte von der Behandlung nach der Operation und wie er sich in seiner Freizeit abgelenkt hatte.

Selina Eckstein (SE): Felix, du wurdest Ende Juli aufgrund einer degenerativen Veränderung im Bereich des Hüftgelenks operiert. Als du erfahren hast, dass du deshalb auf unbestimmte Zeit ausfällst, was ging dir da durch den Kopf?

Felix Platte (FP): Für mich ist eine Welt zusammengebrochen und es war erschütternd. Schließlich hatte ich gehofft, dass es nun meine Saison in Darmstadt wird und ich den Durchbruch schaffe.

SE: Wie ging es weiter nachdem du die Prognose erhalten hattest?

FP: Ich war bei verschiedenen Ärzten, um mir mehrere Meinungen einzuholen und habe dann einen OP-Termin ausgemacht. Danach ging es relativ zügig in den OP-Saal.

SE: Hattest es bestimmte Gründe, warum die OP in München durchgeführt wurde?

FP: Ich war bei drei Hüftspezialisten und einer von ihnen hatte sich die Schulter gebrochen, weshalb er mich nicht operieren konnte. Er hat mich nach München weiter empfohlen an einen Spezialisten, der auch schon viele andere Fußballer und Sportler an der Hüfte operiert hatte. Als ich dort war, um mir alles anzuhören, habe ich mich gut aufgehoben gefühlt.

SE: Die OP war also notwendig, um weiter Fußball spielen zu können?

FP: Ich hätte vielleicht weiter spielen können, aber ich hätte nicht gewusst, wie lange. Der Zeitpunkt war so schon eng, dass ich die Operation gerade noch so machen konnte, ohne einen Schaden davon zu tragen.

SE: Und eine künstliche Hüfte will man mit 20 Jahren auch noch nicht haben.

FP: Ich weiß auch gar nicht, ob ich damit in der Bundesliga noch Fußball hätte spielen können (lacht). Von daher war es schon die richtige Entscheidung

SE: Und wie ging es nach der Operation weiter?

FP: Zunächst wurde die linke Seite operiert und ich musste vier bis fünf Wochen mit Krücken laufen. Zu dieser Zeit war ich in meiner Heimat bei einem Physiotherapeuten in Behandlung. Für die Beine konnte ich nichts machen, deshalb habe ich nur meinen Oberkörper und den Bauch an Geräten trainiert. Das habe ich so lange gemacht bis die rechte Seite operiert wurde.

SE: Nach der zweiten Operation stand dann bestimmt wieder Physiotherapie auf dem Programm, oder?

FP: Genau. Bei der rechten Seite war es zum Glück noch nicht so schlimm wie auf der linken. Deshalb musste ich dann nur noch zehn Tage mit Krücken gehen. Nun bin ich hier in Darmstadt und kann meine Reha fortführen.

SE: Wie sieht dein Programm in der Reha aus?

FP: Verschiedene Übungen zur Stabilisation. Momentan bin ich schon so weit, dass ich auch Laufen gehen kann. Ansonsten trainiere ich an Geräten und werde behandelt.

SE: Also klappt das Joggen auch wieder?felix-platte_eintracht-frankfurt_april2016

FP: Ganz genau. Am Anfang war ich noch auf einem Gerät, das die Schwerelosigkeit simuliert, damit man nicht mit hundert Prozent des Körpergewichts läuft. Dank diesem Gerät konnte ich relativ schnell wieder laufen und meine Muskel aufbauen, wodurch ich die Funktionsfähigkeit zurück gewonnen habe. Jetzt bin ich wieder so weit, dass ich mit hundert Prozent des Körpergewichts joggen kann.

SE: Wie hat sich das Laufen auf dem Gerät angefühlt?

FP: Zuerst mal komisch. Ein bisschen so, wie wenn man auf dem Mond spazieren geht, würde ich behaupten (lacht). Das muss man auf jeden Fall mal ausprobiert haben.

SE: Nun bist du hier in der Reha, aber du kannst noch nicht mittrainieren, oder?

FP: Das ist richtig. Ich kann jedoch schon mal wieder mit der Mannschaft nach einem Spiel joggen gehen. Bald steht auf dem Plan, dass ich wieder etwas mit dem Ball arbeiten kann, mal bei Pass-
übungen im Training dabei bin.

SE: Wie sind die Prognosen, wann du wieder fit sein wirst?

FP: Mein Ziel ist es im Trainingslager wieder bestmöglich ins Mannschaftstraining einzusteigen und bis dahin muss man Schritt für Schritt schauen. Vielleicht kann ich ja vorher schon in irgendeinem Teil des Trainings mitmachen. Ich bin optimistisch, dann in der Rückrunde wieder angreifen zu können.

SE: Auf der Stürmerposition herrscht ein großer Konkurrenzkampf. Wie siehst du deine Perspektive?

felix-platte2_eintracht-frankfurt_april2016FP: An erster Stelle ist es für mich wichtig, dass ich fit werde. Ich muss wieder bei Null anfangen und abwarten, wie meine Chancen dann stehen.

SE: Aber du bist ab und zu schon bei der Mannschaft und verfolgst die Spiele im Stadion, oder?

FP: Ich versuche jedes Spiel im Stadion zu schauen. Sei es Zuhause oder auswärts. Am Anfang war es mit Krücken noch nicht ganz so leicht die Treppen hoch zu kommen. Bei Heimspielen war es kein Problem, weil ich bei der Mannschaft sitze. Aber auswärts muss man schon mehr Zeit einplanen. Allerdings war ich nicht bei allen Auswärtsspielen, schließlich kann ich durch die Verletzung kein Auto fahren und muss immer schauen, wer mich zum Spiel mitnehmen kann.

SE: Wenn du nicht im Stadion warst, was hast du während der Auszeit in deiner Freizeit gemacht?

FP: Ich habe versucht mich sportlich zu betätigen und abzulenken. Ich war viel schwimmen, was gelenkschonend ist und habe andere Sportarten ausprobiert. Gerade in der Zeit mit den Krücken, als ich nicht viel machen konnte, war es aber schon sehr langweilig. Da blieben mir nur zum Beispiel die Playstation oder Übungen wie Liegestütze, bei denen die Beine und Hüfte nicht so belastet werden.

SE: Also hast du dann an der Playstation Fußball gespielt?

FP: Genau, da habe ich geübt. Meistens mit den Lilien, wenn ich hier in Darmstadt bin und online gegen andere Freunde aus der Heimat spiele. Aber ich spiele nicht mit mir selbst.

SE: Warum nicht?

FP: Ich teste mich mal kurz aus und dann reicht es auch schon wieder, weil ich die Schnauze von mir voll habe (lacht).

SE: Abschließend würde ich gerne von dir wissen, wie du die Perspektiven von Darmstadt 98 in dieser Saison siehst? Ist der Klassenerhalt wieder möglich?felix-platte_ingolstadt_april2016

FP: Ja, ich bin auf jeden Fall zuversichtlich. Natürlich wird es noch schwieriger als in der vergangenen Saison, aber sind auf einem guten Weg uns zu einer Mannschaft zu finden. Das könnte wieder was werden. Und ab der Rückrunde hoffentlich mit mir, denn es kribbelt schon wieder in mir und die Zeit ohne Ball hat definitiv gereicht. Ich freue mich schon darauf, wieder spielen zu können.