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Neu bei den Lilien

Nemanja Celic

Nemanja Celic

Wann es losging, kann Nemanja Celic nicht genau sagen. Aber am Ende ging alles ganz schnell mit seinem Wechsel von der WSG Tirol zum SV Darmstadt 98. „Meine Berater haben es sicher länger gewusst“, sagt der 22 Jahre alte, österreichische Defensivspieler. „Aber ich habe ihnen gesagt, ich will erst etwas wissen, wenn es konkret wird. Davor wollte ich den Kopf damit nicht voll haben und mich auf meinen Verein und meine Aufgaben konzentrieren.“

Eigentlich ist der österreichische U21-Nationalspieler mit serbischen Wurzeln gelernter Innenverteidiger. Doch die vergangene Saison spielte er quasi durchgängig auf der Position vor der Abwehr und bekam dafür viel Lob. „Ich bin zwar jung, aber auf dem Feld eher ein lauter Spieler“, sagt er von sich selbst. Und er habe ein Gespür, in welcher Phase sich seine Mannschaft gerade befinde. „Da setze ich dann auch mal ein Foul, um die Mannschaft wachzurütteln und zu zeigen: So geht das nicht.“
Neun gelbe Karten handelte er sich so vergangene Saison ein – auch wenn die eine oder andere auch für ein taktisches Foul gewesen sei, wie er schmunzelnd relativiert. Doch Celic sieht sich nicht nur als rustikalen Abräumer. Er verfüge auch über ein gutes Passspiel, Übersicht und könne das Spiel lesen, sagt er.

Geformt hat ihn auch der heutige Coach von Eintracht Frankfurt, Oliver Glasner. Der zog ihn beim LASK in Linz von der zweiten in die erste Mannschaft hoch, unter Glasner debütierte Celic in der ersten Liga. „Da habe ich gelernt, wie es ist, Profi zu sein und einen komplett durchstrukturieren Tag zu haben.“ In Deutschland ist sei alles jedoch noch viel professioneller. Die Liga habe mehr Aufmerksamkeit, ein höheres Niveau und sei deutlich größer. „In Österreich spielst Du viermal gegen die gleiche Mannschaft. Da kennst Du dann die Blutgruppe von jedem Gegenspieler“, scherzt er.


Klaus Gjasula

Klaus Gjasula

Im ersten Spiel für den SV Darmstadt 98 sorgte Klaus Gjasula schon vor dem Anpfiff für die erste Überraschung und verzichtete auf sein Markenzeichen: Fast acht Jahre lang war er mit einem Karbonhelm aufgelaufen, der ihm ein furchteinflößendes Aussehen verlieh. Nach einem Jochbeinbruch hatte er im Herbst 2013 einen Schutzhelm getragen, erhielt im ersten Spiel ohne Helm erneut einen Schlag auf den Kopf und trug seitdem den Schutz, da er sich damit sicherer fühlte.

Darmstadt soll für den 31 Jahre alten Defensivspieler ein Neuanfang sein, nachdem der albanische Nationalspieler im vergangenen Jahr beim Hamburger SV alles andere als glücklich gewesen war. Die Lilien bauen auf seine Mentalität und Lautstärke, wie Sportchef Carsten Wehlmann betonte: „Er ist ein Typ, den man gerne als Mitspieler an seiner Seite weiß und dem man ungern als Gegenspieler auf dem Platz begegnet.“

Gjasula hält den fragwürdigen Bundesliga-Rekord mit 17 gelben Karten in der Saison 2019/20. Dass der Neuzugang gleich im ersten Spiel bei den Lilien wieder Gelb sah, brachte seinen Coach Torsten Lieberknecht allerdings auf die Palme. Gjasula werde häufig in eine Schublade gesteckt und vorverurteilt, sagte Lieberknecht. Damit tute man ihm Unrecht.

Bleibt noch die Frage nach dem ungewöhnlichen Vornamen des gebürtigen Albaners, der in Freiburg aufgewachsen ist. Grund ist die Oma, die in den 80er Jahren großer Fan der ZDF-Kultserie „Schwarzwaldklinik“ war, in der Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann agierte. Sein älterer Bruder, ebenfalls Fußballer, heißt deswegen übrigens Jürgen.


Lasse Sobiech

Lasse Sobiech

Lasse Sobiech kam vom 1. FC Köln zu den Lilien. Ausgebildet wurde er bei Borussia Dortmund, seinem Herzensverein, bei dem er schon als Kind auf der Südkurve stand. Bundesliga-Erfahrung sammelte er unter anderem beim Hamburger SV. Zuletzt war er an den FC Zürich ausgeliehen. Als Wandervogel sieht sich der 31-Jahre alte Innenverteidiger jedoch nicht. „Ich bin kein rastloser Mensch, der jedes Jahr den Verein wechseln will“, sagt er.

Bei Köln hatte er für vier Jahre unterschrieben, wurde jedoch nach gutem Start von einer Verletzung gestoppt und kam danach nicht mehr richtig ins Team zurück. Eine Leihe nach Belgien endete mit dem Saisonabbruch wegen Corona. In Zürich kugelte er sich die Schulter aus, musste operiert werden. Schließlich teilte man ihm in Köln mit, dass man nicht mehr mit ihm plane. So kam es zu dem Kontakt mit Darmstadt.

„Wir hatten eine große Videokonferenz mit fünf oder sechs Teilnehmern. Das war durchweg sympathisch, nichts vorgeträumt, das war einfach echt. Torsten Lieberknecht hatte mir mit seiner Leidenschaft schon als Braunschweig-Trainer imponiert, die er auch auf die Mannschaft übertragen hat. So haben mich die handelnden Personen davon überzeugt, dass das hier eine gute Sache werden kann.“

Bei seinem Wechsel nach Darmstadt war er rund ein halbes Jahr ohne Spielpraxis, was deutlich zu sehen war. Und dann warfen ihn muskuläre Probleme abermals zurück. Dass er bei den Lilien zunächst nur für ein Jahr unterschrieben habe, hänge mit den Wechselmodalitäten zusammen. „Das heißt aber nicht, dass ich schnell wieder wegwill – ganz im Gegenteil“, sagt er. Zuerst gelte es ihn, in eine körperliche Verfassung kommen, um der Mannschaft richtig zu helfen. „Dann sehe ich mich schon als Spieler, der hier Verantwortung übernehmen und vorneweg gehen will“, sagt er.


Luca Pfeiffer

Luca Pfeiffer

Luca Pfeiffer ist keiner, der sich in Phrasen flüchtet. Ganz offen spricht die Leihgabe vom FC Midtjylland über seine Schwierigkeiten zuletzt. „Ich hatte ein schweres Jahr in Dänemark“, sagt der 24 Jahre alte und 1,96 Meter große Angreifer. Im vergangenen Herbst war er für eine Ablösesumme von rund 1,5 Millionen Euro von den Würzburger Kickers zum Champions-League-Teilnehmer gewechselt. „Es ist nicht so leicht, sich in einem Land direkt zurechtzufinden, in dem man die Sprache nicht spricht“, sagt er. Hinzu seien die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gekommen. So habe er beschlossen, wieder zurück nach Deutschland zu gehen.
Pfeiffers Karriere verlief bislang nicht immer geradlinig. Aufgewachsen ist er in Gommersdorf, einem 650-Seelen-Örtchen im Nordosten Baden-Württembergs. Dort fiel er den Talentspähern von 1899 Hoffenheim auf, die ihn in die U17-Mannschaft lotsten. „Das damals in Hoffenheim war nie so meine Welt“, sagt er rückblickend. „Ich war von zu Hause weg, habe bei einer Gastfamilie gewohnt und relativ schnell gemerkt, dass das nicht das ist, wo ich mich am wohlsten fühle.“

So entschied er sich zur Rückkehr, schloss sich dem Oberligisten TSV Hollenbach an. „Ich habe mir gesagt, ich konzentriere mich auf meine Schulbildung, mache ein ordentliches Abitur“, sagt er. „Aber dann habe in meinem ersten Jahr bei den Senioren gleich 18 Tore für Hollenbach geschossen. Da habe ich mir auch gedacht: Es wäre doch schade, wenn ich es nicht noch mal versuchen würde.“

Weitere Stationen waren die Stuttgarter Kickers, der VfL Osnabrück und die Würzburger Kickers. „Ich bin einen Schritt zurück und zwei Schritte nach vorne gegangen“, sagt er rückblickend auf seine bisherige Karriere. Vom Champions-League-Teilnehmer zu einem deutschen Zweitligisten könnte auch so ein Weg sein.