Inspiration

KOMPASS

Polizeipräsidium Südhessen

Ende 2017 wurde durch das hessische Ministerium des Inneren und für Sport die Sicherheitsinitiative KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel (KOMPASS) entwickelt.

In der Anfangsphase wurde das Projekt KOMPASS in vier Modellkommunen (Hanau, Maintal, Schwalbach und Höchst) erprobt und nach erfolgreicher Bewertung, durch die Justus-Liebig-Universität Gießen allen 422 hessischen Kommunen angeboten.

Kriminalprävention versteht sich als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist eine gut vernetzte und strategische Vorgehensweise erforderlich. KOMPASS zielt auf eine nachhaltig ausgerichtete Verzahnung und noch engere Zusammenarbeit zwischen Polizei, Kommune und Bürgerinnen und Bürgern ab. Voraussetzung dafür ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gemeinsam mit der Polizei soll das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger gestärkt werden. Um Sicherheitsthemen gezielt anzugehen, werden die Sicherheitspartner und die gesellschaftlichen Akteure an einen Tisch geholt. So können individuelle Lösungen für Probleme vor Ort entwickelt werden.

Ein sicheres Gefühl

Denn auch wenn die Zahlen in der polizeilichen Kriminalstatistik vielerorts gesunken sind und die Aufklärungsquoten steigen, fühlen sich manche Menschen nicht überall in ihrer Kommune sicher.

Ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitsinitiative KOMPASS sind daher die Bürgerbefragungen. Hier geht es insbesondere darum das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger abzufragen und das Dunkelfeld zu erhellen.

In manchen Kommunen, wie in Darmstadt, wird eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. Andere Kommunen führen die Befragung selbstständig mit einem zur Verfügung gestellten Fragebogen und Auswertetool durch.

Angstorte

Die dadurch in Erfahrung gebrachten „Angstorte“ mit den dort geschilderten Problemen werden anschließend einer Ortsbegehung unterzogen. Polizei und Kommune machen sich gemeinsam ein eigenes Bild dieser Örtlichkeiten und besprechen erste Lösungsvorschläge direkt vor Ort. Auch die Kenntnisse der städtebaulichen Kriminalprävention fließen von polizeilicher Seite ein.

Ein in Zusammenarbeit erstellter Maßnahmenkatalog soll zukünftig als Leitlinie fungieren. Kurz-, mittel- und langfristig umsetzbare Maßnahmen werden so nach und nach angegangen.

Aktueller Sachstand zu KOMPASS in Südhessen

Innenminister Peter Beuth (links) übergibt den KOMPASS an den damaligen Ordnungs-Dezernenten Rafael Reißer. Rechts daneben Leiter des städtischen Bürger- und Ordnungsamtes Darmstadt, Roland Ohlemüller und Bernhard Lammel, Präsident des Polizeipräsidiums Südhessen. Foto: Lea Stenger

In Südhessen wurden bisher 18 Kommunen (Stand Ende August ’21) begrüßt, weitere sieben befinden sich im Bewerberstatus, um alsbald aufgenommen zu werden. Sechs weitere Kommunen haben bereits ihr Interesse bekundet.

Nachdem eine Kommune alle Stationen der Prozessstruktur erfolgreich durchlaufen hat, wird ihr als Zeichen der Anerkennung für die intensiven Präventionsbemühungen und bei erfolgreicher Umsetzung von drei neuen Präventionsmaßnahmen oder Projekten das KOMPASS-Sicherheitssiegel verliehen. Angesichts der anzustrebenden Nachhaltigkeit bleibt die Sicherheitspartnerschaft KOMPASS darüber hinaus auch für die nächsten Jahre bestehen.

Die Kommunen Bensheim und Weiterstadt haben als erste alle Voraussetzungen zur Beantragung des Sicherheitssiegels erfüllt. Dieses wird ihnen im September durch Herrn Innenminister Peter Beuth verliehen.

Der Stand der einzelnen Kommunen im KOMPASS-Prozess ist ganz unterschiedlich. Manche stehen noch ganz am Anfang und haben sich gerade beworben, Andere haben gerade mit der Bürgerbefragung begonnen. Dort, wo schon erste Ergebnisse auswertet wurden, sind bereits Maßnahmen umgesetzt.

Graffiti-Aktion in Weiterstadt Foto: Polizeipräsidium Südhessen

Diese können ganz unterschiedlicher Art sein, von großen Investitionen, wie zum Beispiel der Einrichtung einer Videoschutzanlage in Darmstadt, bis hin zur Erarbeitung eines neuen Müllkonzepts oder eine Graffiti-Aktion in Weiterstadt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Incivilities wie Müll, ungepflegte oder verwahrloste Flächen, Vandalismus und Graffiti, aber auch schlecht beleuchtete Orte, das Unsicherheitsgefühl der Menschen verstärken. Oft führt das dazu, dass der Bürger solche Orte meidet. Dieses Meideverhalten führt automatisch zu einer mangelnden Sozialkontrolle und kann dadurch der Nährboden zur Entstehung von Kriminalität werden. Daher ist es wichtig, Incivilities zeitnah und konsequent zu beseitigen.

KOMPASS-Beraterin des Polizeipräsidiums Südhessen:
Stefanie von Hammel, kompass.ppsh@polizei.hessen.de