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„Ein schönes Gefühl, in der Tabelle vor der Eintracht zu stehen!“

Foto: Herbert Krämer | kraemerfoto.de

Lilien-Stürmer Jan Rosenthal über seinen ehemaligen Verein Eintracht Frankfurt und das anstehende Hessen-Derby Ende April.

Von der Frankfurter Eintracht wechselte Jan Rosenthal im vergangenen Jahr nach Darmstadt. Zunächst als Leihgabe, inzwischen hat er einen Vertrag mit dem SV 98. Selina Eckstein hat den Stürmer für VORHANG AUF vor dem Derby gegen Eintracht Frankfurt befragt.

Selina Eckstein (SE): Hallo Jan, Ende April spielst Du mit dem SV 98 gegen deinen ehemaligen Verein Eintracht Frankfurt. Könnte das Derby eine Entscheidung im Abstiegskampf bringen?

Jan Rosenthal (JR): Es ist eines der letzten Spiele gegen einen direkten Konkurrenten. Das ist sicher eines der wichtigsten Spiele, die wir noch vor uns haben.

SE: Bist Du gegen Deinen ehemaligen Verein besonders motiviert?

JR: Das wäre ich, durchaus, nur kann ich leider durch die Verletzung nicht mitwirken Ich würde ja viele Bekannte wiedertreffen, wie schon im Hinspiel. Ich war damals besonders angespannt und motiviert. Der Sieg war Balsam für meine Seele. (Jan kam in Frankfurt mit vielen Mannschaftskollegen nicht zurecht, Anm.d.Red.).

SE: Dass man es den alten Kollegen zeigen konnte?

JR: Wichtiger war mir: Ich konnte beweisen, dass ich mit meiner Art, Fußball zu spielen, eben doch Erfolg haben kann. Das ist ein schönes Gefühl, in der Tabelle vor der Eintracht zu stehen.

SE: Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Foto: Herbert Krämer | kraemerfoto.de
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JR: Ja, besonders zu Johannes Flum, aber auch zu Basti Oczipka.

SE: Welche Bedeutung hat die Partie für dich persönlich?

JR: Wie schon im Hinspiel sind wir ja nur der kleine Bruder in Hessen. Aber wir haben den Vorteil, dass wir zuhause spielen und die Frankfurter ihre Fans nicht mitbringen dürfen. Wir sind im Hinspiel als Sieger vom Platz gegangen und möchten das gerne wiederholen. Aber deswegen wird es wohl noch schwerer.

SE: Könnte der angesprochene Fan-Ausschluss für euch von Vorteil sein?

JR: Klar, der Eintracht wird die Stimmung und die Hilfe der Fans fehlen, wenn sie hinten liegen sollten. Am Böllenfalltor haben wir immer eine gute Unterstützung, ganz sicher auch bei diesem besonderen Spiel.

SE: Was hältst du vom Fan-Ausschluss?

JR: Ich weiß nicht, ob das so zielgerichtet ist. Die Mannschaft kann schließlich wenig für die Ausschreitungen einiger weniger. Die Fans, die dafür nichts können und das Spiel gerne gesehen hätten, können auch nicht ins Stadion gehen. Das ist schade und sicherlich werden viele Frankfurter versuchen, an Heimkarten zu kommen.

SE: Kann man dann überhaupt noch von einem richtigen Derby sprechen?

JR: Die Rivalität bei uns Spielern ist nicht so ausgeprägt, weil wir uns ja erst seit einem Jahr direkt gegenüber stehen. Das ist nicht so, wie bei Barcelona gegen Real Madrid. Aber wir wissen natürlich schon, dass wir unseren Fans mit einem Sieg viel Freude bereiten können.

SE: Wie war für Dich die Zeit in Frankfurt? Kannst du auch etwas Positives mitnehmen, auch, wenn es nicht immer einfach war?

Foto: Herbert Krämer | kraemerfoto.de
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JR: Wenn man durch Krisen gegangen ist, nimmt man die wichtigen Dinge positiv mit. Ich wurde an meine Grenze geführt und dadurch habe ich gemerkt, dass ich mich manchmal nicht so verhalten sollte wie bisher. Das muss man sich eingestehen, dass man selbst auch Fehler gemacht hat, wodurch man aber auch schlauer für die Zukunft ist.

SE: Ist es für dich auch ein Lernprozess damit umzugehen, wenn es für dich mal nicht so läuft, wie etwa durch deine Verletzung?

JR: Immer wieder. Jemand, der den Fußball zu 100 Prozent lebt und seinen Tagesablauf darauf abstimmt, wird durch eine Verletzung schnell mal aus der Bahn geworfen. Den Rhythmus muss man wieder finden und das scheiß Gefühl, das man hat, wenn man verletzt ist, ist nicht gerade hilfreich bei der Heilung.

SE: Wie schafft man es in der Zeit positiv zu denken?

JR: Die Qualität, die einen vorher fit gehalten hat, ins Gedächtnis rufen, um wieder fit zu werden. Konsequent in der Reha arbeiten, sich jeden Tag vernünftig ernähren und warten, bis der Fortschritt eintritt. Das braucht aber auch seine Zeit.

SE: Hast du in dieser Zeit Kontakt zu deinen Mitspielern?

JR: Das ist immer unterschiedlich. Wir haben hier durch die Rahmenbedingungen, noch kein Reha-Zentrum am Verein. Ich versuche aber schon so oft wie möglich und bei der Mannschaft zu sein.

SE: Warst du auch beim Heimspiel gegen Augsburg vorher in der Kabine? War die Stimmung, nach dem Tod von Jonathan Heimes, anders als sonst?

JR: Ich war in der Kabine, aber ich kann nicht beurteilen, ob die Stimmung anders war. Kurz vor einem Spiel ist man angespannt und konzentriert. Jeder ist fokussiert, weil man unbedingt seine Leistung abrufen will. Ich bin entspannt hingegangen, weil ich nicht gespielt habe. Dadurch habe ich die Anspannung viel extremer wahrgenommen.

SE: Welche Gedanken sind dir, während der Schweigeminute, durch den Kopf gegangen?

JR: Die Schweigeminute war von unserem Respekt getragen. Johnny war ein junger Mensch, der es absolut verdient hat, dass wir ihm gedenken.

SE: Wie hast du ihn persönlich wahrgenommen und kennengelernt?

JR: Ich habe leider keine längere und intensivere Unterhaltung mit ihm geführt, weil wir uns immer nur kurz nach dem Training oder bei Heimspielen gesehen haben.

SE: Konntest du für dich selbst trotzdem etwas mitnehmen?

JR: Eine ganze Menge. Sein Motto gibt jedem Menschen Interpretationsspielraum. Und er hat das auch gelebt. Ich denke, jeder hat seine Kämpfe, die er führen muss.
SE: Vielen Dank für das Gespräch, Jan, und weiterhin viel Erfolg im Abstiegskampf.