Inspiration

„Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen!“

Lilien-Abwehrspieler Fabian Holland über Rückschläge und wie er sich nach Verletzungen stets zurückgekämpft hat.

Von Berlin wechselte Fabian Holland 2014 von Hertha BSC nach Darmstadt zu den Lilien. Zunächst als Leihgabe, inzwischen hat er einen Vertrag beim SV 98. Selina Eckstein hat den Abwehrspieler für VORHANG AUF vor dem Spiel in seiner alten Heimat befragt.

Selina Eckstein (SE): Fabian, du hast seit deiner Jugend in Berlin gespielt und Darmstadt ist nun dein erster Vereinswechsel gewesen. Wie hat dein Umfeld reagiert, als du gesagt hast, dass du zu den Lilien wechselst?

Fabian Holland (FH): Es waren sich alle einig, dass es für mich der richtige Schritt ist. Ich hatte hier in Darmstadt viel bessere Aussichten, als in Berlin und deswegen war das auch in Ordnung. Es haben sich auch alle für mich gefreut.

SE: Also hat sich keiner quer gestellt?

FH: Nein. Da es ja nun meine erste auswärtige Station in meiner Fußballkarriere ist und ich sehr lange in Berlin gespielt habe, ist es ganz normal, dass man irgendwann wechselt. Zu diesem Zeitpunkt war es einfach der richtige Schritt.

SE: Mit welchem Gefühl fährst du nun wieder nach Berlin?

Fabian Holland und Marco SailerFH: Mit einem guten Gefühl. Ich hatte dort eine gute Zeit und fühle mich hier nun auch sehr wohl. Ich bin zwar immer noch großer Hertha-Fan, aber ich spiele jetzt für Darmstadt und die Punkte können wir im Abstiegskampf gut gebrauchen.

SE: Welche Bedeutung hat für dich die Partie in Berlin?

FH: Es ist schön, mal wieder dort im Stadion zu sein und alte Bekannte zu sehen. Für die Mannschaft wird es ein Spiel, wie jedes andere. Wir werden die Punkte dort brauchen, denn es wird bis zum Ende spannend bleiben. Wir sind ja in jedem Spiel der krasse Außenseiter, da ist jede Partie etwas Besonderes.

SE: Meinst du, es könnte bis dahin auch schon entschieden sein, ob ihr die Klasse haltet?

FH: Es wäre natürlich schön, aber es ist schwierig zu sagen. Wir werden alles geben in den nächsten Spielen, um unsere Punkte zu holen. Weiter so zu spielen, wie wir in den vergangenen Partien gespielt haben, um etwas Zählbares mitzunehmen. Gerne auch einen Sieg. Die ganze Liga wird spannend sein bis zum Schluss. Es kann gut möglich sein, dass bis zum letzten Spieltag noch alles offen ist

SE: Wie groß sind deine Hoffnungen in Berlin zur ersten Elf zu gehören?

FH: Hoffnungen hat man immer, aber es ist natürlich nicht sicher. Im Fußball geht es ja immer schnell, deswegen ist es wichtig dran zu bleiben und Gas zu geben im Training. Ich denke, der Trainer sieht das auch, aber man weiß ja nie, ob es für die Startelf reicht.

SE: Werden Freunde und Familie im Stadion sein?

FH: Ja, meine Familie wird sich das Spiel ansehen und mit Sicherheit auch ein paar Freunde.

SE: Wie lange dürft ihr dann bei eurer Familie bleiben, wenn ihr den Joker zieht?

FH: Jeder Spieler bekommt vom Trainer einen Joker in jeder Saison und darf nach einem Auswärtsspiel seiner Wahl noch einen Tag in der jeweiligen Stadt bleiben und das Auslaufen individuell absolvieren.

SE: Von der Startelf bis zum Tribünenplatz hast du nicht nur in Berlin, sondern auch in Darmstadt schon alles erlebt. Wie gehst du mit Situationen um, in denen du nicht spielst?

FH: Es ist nicht einfach, als Fußballer will man immer spielen und nicht auf der Bank sitzen. Aber ich denke es ist wichtig, dass man trotzdem Gas gibt und weiterhin auf einem guten Level ist. Damit man bei hundert Prozent ist, sobald man gebraucht wird. Und das kann schneller gehen, als man denkt.

SE: Du musstest während deiner laufenden Karriere schon zweimal operiert werden (Herzrhythmus- und Durchblutungsstörungen, Anm. d. Red.). Hast du deshalb schon gelernt, mit Verletzungen umzugehen?

FH: Das kann schon sein, dadurch, dass ich schon ein bisschen was hinter mit habe. Mal lernt alles mehr zu schätzen. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Fußballer, wenn man verletzt ist und nicht spielen darf und zuschauen muss. Ich hoffe, dass mir so etwas wie damals nicht nochmal passiert.

SE: Hättest du Angst, dass eine weitere schlimmere Verletzung dein Karriere-Aus bedeuten könnte?

FH: Nein, daran denke ich nicht. Man würde es nicht verhindern können, aber Gedanken machen ich mir darüber nicht.

SE: Wer hat dich in der Zeit nach deinen Operationen unterstützt?

FH: Natürlich meine Familie, die jeden Tag im Krankenhaus war. Mein Berater hat mir auch sehr weiter geholfen und natürlich sind auch meine Freunde für mich da gewesen. Das war schon eine große Unterstützung, die ich in dieser Zeit auch gebraucht habe.

SE: Wie ist es heute? Schließlich ist dein gesamtes Umfeld in Berlin geblieben.

FH: Meine Freundin pendelt zurzeit, weil sie in Berlin studiert. Das ist nicht so einfach für sie, aber sie versucht so oft wie möglich hier zu sein. Meine Eltern kommen auch ab und zu mal, aber ich bin auf jeden Fall nicht alleine. Denn ich unternehme auch manchmal etwas mit den Mannschaftskollegen und verbringe nicht den ganzen Tag zuhause.

SE: Kannst du anderen etwas mitgeben, die, wie du, ähnliche Rückschläge erlebt haben?

FH: Es ist ganz wichtig, dass man immer positiv denkt, dran bleibt und versucht weiter zu machen. Für mich war klar, wenn es möglich ist weiter zu spielen, dann mache ich das auch. Auch wenn man eine schwere Verletzung hat, sollte man trotzdem versuchen nach vorne zu schauen. Man muss immer einmal mehr aufstehen, als man fällt.
SE: Vielen Dank für das Gespräch, Fabian, und viel Erfolg im Saisonendspurt.