Inspiration

Im zweiten Anlauf zu den Lilien

Darmstadts erster Neuzugang Magnus Warming

Foto: Jan Hübner

Von Stephan Köhnlein

Bereits im vergangenen Sommer war Magnus Warming ein Kandidat beim SV Darmstadt 98. Da entschied er sich noch für die erste italienische Liga. Ein Jahr später hat es nun geklappt. Mit seinen Stärken kann der erste Neuzugang ein wichtiger Spieler für die Lilien werden.

Magnus Warming; Foto: Jan Hübner

Magnus Warming will beim SV Darmstadt 98 vor allem eines: spielen. In der vergangenen Saison kam der 22 Jahre alte Däne beim italienischen Erstligisten FC Turin nur auf fünf Pflichtspieleinsätze. Bei den Lilien will der Offensivspieler nun wieder zu alter Stärke zurückfinden. Schließlich galt er noch vor einem Jahr als einer der interessantesten Nachwuchsspieler Dänemarks.

Warming wuchs in der dänischen Hafenstadt Nykøbing Falster auf. Seine Karriere begann er folgerichtig beim führenden lokalen Verein Nykøbing FC. Schnell zeigte sich sein Talent. Mit 15 Jahren unterschrieb er beim Spitzenklub Brøndby IF.

Deutscher Coach verhalf Warming zu Rekord

Warming beeindruckte von Anfang an mit seinen Offensivqualitäten, wie der dänische Fußball-Journalist Toke Møller Theilade in einem Gastbeitrag für das Online-Magazin Lilienblog schreibt. Vor allem seine Fähigkeiten im Dribbling wurden von den Trainern der Brøndby-Jugendakademie gepriesen.

Nur zwei Jahre nach seinem Wechsel wurde er zum bis dahin jüngsten Spieler in der Geschichte des Vereins, als er in der Superliga-Begegnung gegen Sønderjysk Elitesport zehn Minuten vor Schluss eingewechselt wurde.

Cheftrainer war der Deutsche Alexander Zorniger, früher Coach von RB Leipzig und beim VfB Stuttgart. Auch wenn er nach seinem Debüt kein Spiel mehr für Brøndby bestritt – unter Zorniger machte Warming einen großen Schritt nach vorn. Er erkannte, wie wichtig ein professioneller Lebenswandel und harte Arbeit auf dem Trainingsplatz sind, entwickelte sich so zu einem echten Profi.

Durchbruch und Abstieg im selben Jahr

Mit 18 ging er als Leihspieler zurück zu seinem Stammverein Nykøbing. In den zwölf Monaten dort bestritt er 23 Partien und erzielte fünf Tore. Deswegen holte in der Erstligist Lyngby Boldklub wieder zurück in die Superliga. Der Wechsel zu Lyngby entpuppte sich als gute Entscheidung. Der kleine Klub in der Nähe von Kopenhagen ist bekannt für seine Nachwuchsarbeit und das Vertrauen, das man dort in junge Spieler setzt. Davon profitierte auch Warming.

Zwar verbrachte er die ersten sechs Monate überwiegend auf der Bank, erzielte in dieser Zeit aber trotzdem zwei Treffer. Der Durchbruch gelang ihm in der folgenden Saison, in der er Stammspieler wurde. Dabei erzielte er vier Tore, darunter gegen den Spitzenklub FC Midtjylland und seinen Ex-Verein Brøndby. Bei Lyngby überzeugte er sowohl auf den Flügeln wie auch als zentraler Stürmer.

Seine guten Leistungen brachten ihn in die U21-Nationalmannschaft. Doch am Ende seiner zweiten Saison bei Lyngby stand der Abstieg, und es war schnell klar, dass Warming nicht wieder in die 2. Liga zurückgehen würde. Bereits da war der SV Darmstadt 98 an Warming dran, ebenso der norwegische Meister Bodø-Glimt. Doch Warming entschied sich für einen Wechsel zum FC Turin in die Serie A.

Eingeschüchtert in Italien

Im Nachhinein war der Wechsel nach Italien wohl nicht die beste Entscheidung. Gerade 53 Minuten kam er in vier Liga-Spielen zum Einsatz. Dem dänischen Medium Bold.dk sagte er, es sei eine große Herausforderung gewesen, sich an den italienischen Fußball anzupassen. „Es war eine völlig neue Sprache, die ich nicht verstanden habe, und ich musste eine neue Taktik lernen“.

Auch habe es ihn ein wenig eingeschüchtert, mit 21 Jahren allein nach Italien zu gehen. „Das hat mich auch auf dem Spielfeld beeinflusst. Ich wurde introvertiert, habe mich ein wenig versteckt. Ich war nicht aggressiv.”

Warming gilt in Darmstadt als Ersatz für den zu Union Berlin abgewanderten Tim Skarke. Der Däne ist ein technisch versierter Spieler, der am besten auf den Flügeln spielt. Mit seiner Geschwindigkeit kann er vielen Gegenspielern in Sprintduellen davonlaufen. In der Saison 2020/2021 lag er mit gemessenen 34,5 Stundenkilometern auf Rang 16 der schnellsten Spieler in der dänischen Superliga.

Zudem hat er einen Blick für das Tor. Sein Strafraumspiel ist gut, und er weiß, wo er freie Räume findet, wie Experte Møller Theilade erklärt. Auch im Abschluss hat er seine Qualitäten, insbesondere sein rechter Fuß kann eine tödliche Waffe sein. Kein Zweifel besteht daran, dass Warming zuerst offensiv denkt. In Lyngby gingen weniger als 25 Prozent seiner Pässe zurück. Seine Passquote lag bei über 72 Prozent.

Was Warming an Darmstadt imponiert hat

Obwohl Warming in der vergangenen Saison bei Turin nicht oft zum Einsatz kam, hat er vor allem mit Blick auf die Entscheidungen im Spiel einiges gelernt. In Dänemark hatte er die Tendenz, sich im Dribbeln zu verzetteln. „Ich bin viel besser in der Taktik geworden und im Zusammenspiel mit den anderen”, sagte er. „Ich habe mich am meisten darauf fokussiert, wie ich spiele und wann ich dribbele.” Der italienische Fußball sei wesentlich stärker taktisch geprägt als der dänische, wo es immer nur nach vorne gehe. „Es ist alles viel kompakter in Italien und es gibt weniger freie Räume.”

Dass Darmstadt nach dem gescheiterten Wechsel im Vorjahr an ihm drangeblieben sei, habe ihm imponiert, sagt Warming. Gespräche mit Sportchef Carsten Wehlmann und Trainer Torsten Lieberknecht hätten schließlich den Ausschlag gegeben, dass er sich zunächst für eine Saison ausliehen ließ. Zudem besitzen die Lilien eine Kaufoption.

Wegen der fehlenden Spielpraxis wird Warming wahrscheinlich etwas Zeit benötigen, um in Darmstadt anzukommen und wieder seine alte Geschwindigkeit und vor allem sein Selbstvertrauen zu finden. Doch wenn Warming diese Defizite aufholt, hat er das Potenzial, ein wirklich wichtiger Spieler für die Lilien zu werden, glaubt nicht nur Warming-Kenner Møller Theilade.

Zur Person
Magnus Warming
kam am 8. Juni 2000 in Nykøbing Falster zur Welt. Im Alter von 15 Jahren wechselte er vom Nykøbing FC zu Brøndby IF. Am 21. Mai 2017 gab er für die erste Mannschaft in der Superliga Meisterrunde gegen Sønderjysk Elitesport sein Debüt. Damit wurde er im Alter von 16 Jahren und 348 Tagen zum damals jüngsten Spieler der Vereinsgeschichte in einem Ligaspiel. In der Winterpause 2019/20 wurde er an seinen Jugendverein Nykøbing FC verliehen. Nach der Saison wechselte er zum Erstligisten Lyngby BK. Zur Spielzeit 2021/22 ging er zum italienischen Erstligisten FC Turin. Bei diesen war er sowohl für die U19-Mannschaft als auch für die erste Mannschaft eingeplant. Im Sommer 2022 wurde er an den SV Darmstadt 98 verliehen. Warming absolvierte von 2017 bis 2021 insgesamt sieben Partien für diverse dänische Jugendnationalmannschaften.