Inspiration

Hüne Isherwood baut auf kleine Schritte

Der schwedische Verteidiger hat eine harte Zeit hinter sich

Von Stephan Köhnlein

Mit der Unterschrift beim SV Darmstadt 98 zu Jahresbeginn erfüllte sich für Thomas Isherwood ein Herzenswunsch. Als A-Jugendlicher war der schwedische Innenverteidiger in den Nachwuchs von Bayern München gewechselt. Zwei Jahre spielte er dort in der Jugend, dann noch ein Jahr in der zweiten Mannschaft, ehe es über ein Intermezzo bei Bradford City in England zurück nach Schweden ging. „Ich war sehr glücklich, denn es war mein größter Traum, nach Deutschland zurückzukehren“, sagt er im Rückblick auf seinen Wechsel ans Böllenfalltor.

Doch das Glücksgefühl hielt nur kurz. Nach zwei Wochen in Darmstadt riss er sich im Training das Syndesmoseband. Wochenlang fiel er aus, wurde erst zum Saisonende wieder fit. Für mehr als einen Kurzeinsatz reichte es nicht mehr. Den Urlaub in der Sommerpause arbeitete der 23 Jahre alte, ehemalige U21-Nationalspieler mit einem Physiotherapeuten durch, um komplett fit in die neue Saison zu gehen. Doch dann zog er sich in der Vorbereitung eine Muskelverletzung zu.

Dieser Rückschlag habe ihn noch etwas härter getroffen als die erste Verletzung. „Ich hatte mich gut gefühlt“, sagt er. „Aber so ist das Leben. Als Profifußballer musst du mental stark sein, positiv bleiben und dann gehst du aus solchen Phasen gestärkt hervor.“ Kraft hätten ihm in dieser Zeit drei Dinge gegeben: die Verantwortlichen in Darmstadt, die ihn immer wieder gepusht und aufgemuntert hätten, dazu seine Familie (Isherwood kam mit Frau und seinem eineinhalb Jahre alten Sohn nach Darmstadt) sowie seine Fähigkeit, sich selbst zu motivieren.

Hoher Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung

Insgesamt herrscht in der Innenverteidigung der Lilien große Konkurrenz: Die beiden Neuzugänge Lasse Sobiech und Jannik Müller, Patric Pfeiffer, Shootingstar Clemens Riedel und eben Isherwood konkurrieren um die in der Regel zwei Plätze in der Startformation.

Den Wettbewerb in der Abwehr empfindet er positiv: „Wenn ich sehe, dass mein Mannschaftskamerad gut ist, motiviert das mich, noch besser zu werden“, sagt er. „Wenn sich alle in der Mannschaft so pushen, dann profitiert das Team davon.“

Sein Ziel sei es, jeden Tag besser zu werden und einen Level zu haben, um seine Chance zu nutzen, wenn sie komme. Mit mehr Spielzeit werde er noch besser werden. Zuletzt profitierte Isherwood auch vom Ausfall Sobiechs, kam so zu mehr Einsätzen und machte seine Sache gut.

Was Thomas Isherwood mit Rocky zu tun hat

Mit seiner Größe von 1,95 Metern und seinen blonden Stoppelhaaren ist Isherwood ein richtiger Abwehrkanten. In Schweden hatte ihm eine Zeitung mal den Spitznamen „Drago“ verpasst – in Anlehnung an den russischen Boxer Ivan Drago aus dem Film „Rocky IV“.

„Du musst immer kleine Schritte machen“, sagt der Hüne. Das gilt auch für seine Karriere. „Natürlich hast du große Träume, wenn du jung bist“, sagt er. Aber auch als Fußballer müsse man realistisch sein. „Bei Bayern in der Jugend habe ich gesehen, dass es dort ein wirklich großer Schritt bis in die erste Mannschaft ist.“ Deswegen sei er wieder nach Schweden gegangen. „Und jetzt bin ich zurück in Deutschland. Ich setze mir meine Ziele von Jahr zu Jahr.“