Inspiration

Hier wachsen Pflanzen und Integration

Eröffnung am 15. April

Am 15. April wird an der Rheinstraße 34 in Nieder-Ramstadt der Mühltaler Gartenmarkt eröffnet, der künftig KundInnen in Mühltal und Umgebung mit Blumen, Stauden, Gehölzen und anderen schönen Dingen für Garten und Balkon versorgen will. Der gläserne Bau an der Rheinstraße sieht aus wie ein großes Gewächshaus. In der Tat soll hier in Zukunft Vieles wachsen und gedeihen: Nicht nur Pflanzen, sondern auch Inklusion. Im Mühltaler Gartenmarkt werden Mitarbeitende mit und ohne Behinderung tätig sein.

Arbeiten in der Gärtnerei Auf einer Verkaufsfläche von 3.000 Quadratmetern einschließlich des Außengeländes wird der Gartenmarkt das klassische Sortiment bieten: Pflanzen für Zimmer und Balkon, Terrasse, Beet und Garten, Stauden, Zier- und Obstgehölze, Kräuter und Wasserpflanzen. Darüber hinaus sieht Marktleiterin Claudia Rothhaar ein kleines Sortiment von Citrus- und Olivenpflanzen vor, außerdem wird es eine Boutique mit Dekorationsartikeln und Papeterie sowie ein Floristik-Angebot geben, also Blumensträuße, die nach individuellen Wünschen gebunden oder fertig zu haben sind. Zusätzlich ist ein kleiner Bereich mit regionaler Feinkost vorgesehen: Marmeladen, Chutneys, Essig und Öl von kleinen Händlern aus der Umgebung. „Hier bin ich bei mehreren Klein-Anbietern auf großes Interesse gestoßen“, sagt Claudia Rothhaar, „die auch ausdrücklich das Konzept des Integrationsbetriebs unterstützen wollen.“

Bevorzugt: Regionalität

Die Gärtnerei auf dem NRD-Gelände in Nieder-Ramstadt, die ein Teil der Mühltal-Werkstätten ist, wird als Zulieferbetrieb für den Gartenmarkt tätig sein und mit der Eröffnung des Gartenmarktes den Direktverkauf einstellen. Die beliebten Sommersträuße und jahreszeitliche Gestecke aus der NRD-Gärtnerei werden also künftig an der Rheinstraße angeboten werden, nach Möglichkeit auch zu den günstigen Preisen, die KundInnen bisher gewohnt waren. Aus der Tagesstätte der Mühltal-Werkstatt, wo schwer- und mehrfach behinderte Menschen tätig sind, werden beliebte Produkte wie Seifen, Hundekekse und Postkarten das Sortiment bereichern.

Mühltaler GartenmarktUlla Knößelsdorfer, Fachgärtnerin Baumschule, und Madeleine Schad, Fachgärtnerin für Zimmer- Beet- und Balkonpflanzen, haben ein gehobenes Sortiment zusammengestellt und beziehen die Ware überwiegend von Baumschulen aus Norddeutschland und Händlern vom Niederrhein, die ihrerseits bei deutschen Gärtnereibetrieben einkaufen. „Das ist uns ein wichtiges Anliegen“, erklärt Claudia Rothhaar, „Regionalität zieht sich durch den gesamten Fachmarkt und erstreckt sich auch auf die Einrichtung des Fachmarktes: Die Möbel kommen von Schreinern aus Aschaffenburg, Bad König und vom Niederrhein.“

Neues und Besonderes

Aus dem Baumschulbereich wird der Mühltaler Gartenmarkt mit einigen Besonderheiten und Neuheiten aufwarten: So gibt es neben einem großen Rosensortiment und einer Auswahl an Fächerahorn den kleinen Apfelbaum Apistar, dessen fünfeckige Äpfel an Sterne erinnern. Der Baum, dessen Vorfahren bereits in der Römerzeit wuchsen, wird zwei bis drei Meter hoch und bringt im Oktober (spätestens im 2. Jahr) wohlschmeckende und dekorative Äpfel hervor. Neu ist auch die Züchtung Rhododendron „Bloombux“, eine immergrüne, schnittverträgliche und kompakte Alternative zum Buchsbaum mit reicher Blütenpracht.

Apistar, fünfkantige Apfel OrichideenBei der Auswahl der Einrichtung hat Claudia Rothhaar auf Funktionalität und Atmosphäre gleichermaßen geachtet. Es wird eine kleine Sitzecke und einen Bereich für Beratung geben; die Boutique mit Accessoires gibt durch schöne Dekoration zugleich Geschenk- und Einrichtungstipps, die sich zunächst mit romantischer Anmutung auf den Muttertag ausrichten.

Integrationsbetrieb – was ist das?

Integrationsbetriebe setzen das politische Ziel um, Menschen mit Beeinträchtigung (wieder) in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren, die erwerbsfähig sind, eine anerkannte Schwerbehinderung haben und beim Arbeitsamt gemeldet sind. Integrationsbetriebe sprechen also eine andere Zielgruppe an als Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Letztere gelten als nicht erwerbsfähig auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, haben in der Werkstatt kürzere Arbeitszeiten, Anspruch auf Betreuung und auf Begleitmaßnahmen wie Bildungs- und Sportangebote.

Integrationsbetriebe haben einen erwerbswirtschaftlichen Zweck, werden von ihren Besitzern in eigener Verantwortung geführt und die Mitarbeitenden werden nach Tarif bezahlt. In Deutschland gibt es derzeit insgesamt rund 800 Integrationsbetriebe, in Hessen sind es etwa 50.

Im Mühltaler Gartenmarkt werden rund 21 Mitarbeitende tätig sein, darunter vier Gärtner mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten und neun Menschen mit Beeinträchtigung. „Diese können, je nach Beeinträchtigung, nicht die volle Leistung erbringen und es erfordert unter Umständen auch mehr Aufwand, sie anzuleiten“, erklärt Hendrik Eggers, Geschäftsführer der NRD Betrieb GmbH, „deshalb erhalten wir vom Landeswohlfahrtsverband Hessen einen kleinen Zuschuss, dessen Höhe vom Einzelfall abhängt.“

Ein Integrationsbetrieb muss wie jeder andere Wirtschaftsbetrieb für Umsatz sorgen, um seine Existenz zu sichern. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, die die NRD Betrieb GmbH hat anfertigen lassen, spricht dafür, dass dies mit dem Gartenmarkt in Mühltal gelingen kann. „Ein solches Angebot hat bislang gefehlt und viele KundInnen in Mühltal und Umgebung werden es schätzen, ein gutes Sortiment und fachkundige Bedienung nahe an ihrem Wohnort zu haben“, sagt Hendrik Eggers.
Mit Claudia Rothhaar hat die NRD Betrieb GmbH die passende Marktleiterin mit Fach- und Menschenkenntnis im Boot: Claudia Rothhaar ist Diplom Ingenieurin für Landschaftsplanung und hat von 2009 bis 2012 als Gruppenleiterin im Garten- und Landschaftsbau der NRD bereits für die Mühltal-Werkstätten gearbeitet.
Marlene Broeckers