Inspiration

Ghostbusters am Bölle – die Geisterspiel-Premiere

Kein Ersatz: Vor dem Geisterspiel gegen den FC St. Pauli haben die Lilien auf der Gegengerade Fanbilder aufgestellt. Foto: Hübner/Ulrich

Erstmals tragen die Lilien ein Pflichtspiel am Böllenfalltor ohne Zuschauer aus. Lilienblog-Autor Stephan Köhnlein war beim Geisterspiel gegen den FC St. Pauli dabei:

Kurz vor zwölf, dunkle Wolken über dem Paulusviertel. Sonst strömen dort an Spieltagen die Menschen Richtung Stadion. Heute ist niemand unterwegs. Die Straßenbahn ist leer. Der Stadion-Parkplatz ist zwar von Ordnern bewacht. Doch stehen dort kaum Autos.

Der Zugang zum Stadion ist nur durch das Multifunktionsgebäude möglich. Am Eingang heißt es, Mundschutz anlegen und Hände desinfizieren. Neben dem Eingang steht Präsidiumsmitglied Tom Eilers und brummelt in seinen Mundschutz.

Im „Fragebogen für Einlasskontrolle im Rahmen der Durchführung des Sonderspielbetriebs der Bundesliga und 2. Bundesliga“ muss ich versichern, dass ich wahrscheinlich kein Covid-19 habe. Dann wird Fieber gemessen. Ab 38 Grad müsste ich draußen bleiben. Der Scanner zeigt 34,5 Grad an. „Das ist aber wenig. Muss ich mir da Sorgen machen?“, frage ich beunruhigt. „Seien Sie doch froh“, sagt der Ordner grinsend.

Hinter der Haupttribüne stehen die Übertragungswagen, gut ein Dutzend Menschen verliert sich auf dem Vorplatz. Auf der Haupttribüne ein paar Ordner, einige Mitarbeiter und Offizielle der Vereine und wenige Journalisten-Kollegen. Viele, die sonst dabei sind, fehlen, weil die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Zugang für Medien eingeschränkt hat. Ich begrüße die Kollegen, die ich seit zwei Monaten nicht gesehen habe, nach den Hygiene-Vorgaben: kein Händeschütteln, kein Abklatschen, immer der nötige Sicherheitsabstand.

Es fängt an zu regnen. Die Stadionregie spielt den Song „Ghostbusters“ zum Geisterspiel. Auf Wunsch der Mannschaften, wie es heißt. Dann die Aufstellungen. Wenn sich grummelnd die Klänge von Alan Parsons „Sirius“ erheben und der Stadionsprecher mit dem Publikum im Wechsel die Vor- und Nachnamen skandiert, ist das ein Gänsehaut-Moment. Diesmal werden die Namen staubtrocken vorgelesen. Das klingt nach Dorffußball-Platz. Aber Pathos und Show wären auch nicht angebracht.
Vor dem Anpfiff eine Gedenkminute für die Corona-Opfer. Die Spieler haben sich um den Mittelkreis aufgestellt. Hinter ihnen hängt auf der Gegengerade ein Transparent mit dem Satz: „Geisterspiele sind nicht die Lösung, sondern offenbaren die Probleme“. Auf dem Rang darüber stehen auf den Sitzplätzen Bilder von Dauerkarteninhabern, die sich mit dem Verein solidarisch erklären – trotz der Geisterspiele.

Es wird ein munteres Spiel. Schade, dass es kaum jemand miterlebt. Nach rund vier Stunden ist der Spuk vorbei. Es hat aufgehört zu regnen. Hinter der Südtribüne stehen noch die beiden Mannschaftsbusse, mit denen St. Pauli angereist ist, damit die Spieler zumindest auf der Fahrt den nötigen Sicherheitsabstand einhalten.

Stephan Köhnlein