Inspiration

Fröstelig schmunzeln

Andreas Roß schreibt für sein Leben gern – über dasselbe und seine Fallstricke. Nicht umsonst ziert eine Bananenschale das Cover seines neuen Buches, das auch gleich im Titel Klartext spricht: Das Leben ist unberechenbar wie eine Zicke. Die tiefsinnigen bis aberwitzigen Erzählungen des Darmstädters beweisen es.

Für ihn gebe es nach einem anstrengenden Tag nichts Entspannenderes, als abends noch ein wenig zu morden, bekennt Andreas Roß. Der 56-jährige Sozialarbeiter ist Überzeugungstäter, was schriftstellerische Verbrechen angeht. Sein neuester Coup sind die hier versammelten 124 Geschichten. Manche entstanden bereits vor über 20 Jahren, einige wurden beim Poetry-Slam vorgetragen, andere sind ganz neu. Eigene Erlebnisse inspirieren Roß, aber das Autobiografische gibt nur den Schreibimpuls, das Rohmaterial wird verfremdet und überzeichnet.

Roß erzählt vornehmlich aus Männersicht über die üblen Tücken des Lebens. Da bringt sich ein Einbrecher selbst zur Strecke, weil er mit seinem klapprigen Sportwagen die Flucht antritt, ein bierbäuchiger Widerling wird unverhofft von seiner Frau per Schlaftabletten kalt gemacht, ein hoher Beamter missdeutet den Liebesbrief seiner Geliebten als Erpresserschreiben, ein Freundestrio schmiedet am Kneipentisch Überfallpläne – prägnant skizziert Roß Szenen aus dem Leben, aber auch aus diversen Zwischenwelten. Sahnehäubchen ist der regionale Bezug, denn Darmstadt mischt als Tatort immer wieder mit. Lesen sollte man die Geschichten nicht zuletzt, um auf Krimilesungen mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Aktuelle Termine gibt es auf www.krimiautor-ross-darmstadt.de.

Andreas Roß | Das Leben ist eine Zicke | Odenwald Verlag |12,80 Euro