Inspiration

Frauenaufbegehren 1.0

Besorgen Sie sich neues Lesefutter bei Amazon und Konsorten, oder gehen Sie auch mal in einen „echten“ Buchladen? Über einen Besuch im stationären Buchhandel, wie es so sperrig heißt, geht nichts, finde ich. Nur hier kann man wirklich stöbern. Dabei entdeckt man dann ganz allein tolle Bücher, und bekommt nicht untergejubelt, was Kunden, die diese Bücher suchten, noch gekauft haben. Zwei Buchtipps gibt´s hier, wärmstens ganz analog empfohlen.

Drei Kinder, ein schickes Haus in bester Gegend, einen vermögenden Mann: Edna hat alles, was sich eine Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert wünschen kann. Aber das reicht ihr nicht. Sie verschmäht die sichere Existenz, nimmt sich einen Lover und beginnt zu malen.

Schön aussehen, Kinder gebären und repräsentieren – mehr wird von Edna Pontellier nicht erwartet. Sie hat in eine wohlhabende Familie eingeheiratet, ihr Mann ist erfolgreicher Banker, sie sein schmückendes Beiwerk. Dekorativ sitzt sie Damenkränzchen vor, glänzt bei gesellschaftlichen Anlässen mit Schönheit und dirigiert die Dienstmädchen. Ab und an streichelt sie mal einem der Kinder über den Kopf und zur Zerstreuung darf sie ein bisschen malen. Könnte recht nett sein, wäre da nicht diese Unrast, mit der Edna ihren eingeschränkten Alltag durchpflügt, und die Ahnung, dass ihr das nicht reicht. Im New Orleans um 1899 sind die Möglichkeiten, aus dieser Existenz auszubrechen, reichlich beschränkt. Ednas Unzufriedenheit wird erstickt unter Zuwendungen, Zurechtweisungen und allerlei Zerstreuungen. Dann verliebt sich Edna in einen jungen Bekannten und bahnt sich mit dieser verhängnisvollen Liebschaft ihren Fluchtweg. Sie verlässt Mann und Kinder, zieht in ein kleines Haus, widersetzt sich allen Konventionen und nimmt sich einen Liebhaber. Und, wird sie glücklich? Lesen Sie selbst. Dieses Buch ist ein wunderbar geschriebenes Kleinod, das viel Gefühlstiefe und jede Menge Lebensweisheit enthält. Bei seinem Erscheinen löste Chopins (1850-1904) Roman einen Skandal aus. Sehr nachdenklich macht er auch heute noch.

Kate Chopin | Das Erwachen | ars vivendi | 22 Euro