Inspiration

„Ein Foul entspricht vielleicht nicht dem Gebot der Nächstenliebe“

Drei Lilien-Profis sprechen über ihren Glauben

Interview: Stephan Köhnlein / Fotos: Florian Ulrich

Braydon Manu, Patric Pfeiffer und Frank Ronstadt verbindet ihr starker christlicher Glaube. Im Interview erzählen die Spieler des SV Darmstadt 98 unter anderem, wie sie eine App dabei im Alltag unterstützt und welche Rolle ihre afrikanischen Wurzeln für ihre Religiosität spielen.

Braydon Manu
Partic Pfeiffer
Frank Ronstadt

Wie seid ihr mit dem Thema Glaube in Berührung gekommen?

Pfeiffer: Durch meine Eltern. Wir sind als Familie immer gemeinsam in die Kirche gegangen, da hat sich dieser Bezug automatisch entwickelt.
Ronstadt: Bei mir stand ebenfalls traditionell am Sonntag der Gottesdienstbesuch auf dem Programm. Natürlich kam dann schon im Jugendbereich der Fußball häufiger in die Quere, aber dann haben wir versucht, an einem anderen Tag in die Kirche zu gehen oder zuhause die Bibel aufzuschlagen.
Manu: Auch ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, aber so richtig bewusst wurde mir das Thema erst mit 17, 18 Jahren. Zuvor war der Besuch im Gottesdienst oder das Gebet vor dem Essen eher ein notwendiges Übel (lacht). Später habe ich mich dann verstärkt damit auseinandergesetzt und darüber auch einen Weg zu Gott gefunden und ihn in mein Leben integriert.

Wie praktiziert ihr euren Glauben im Alltag und im Beruf?

Ronstadt: Wir lesen regelmäßig in der Bibel, allerdings weniger in der physischen Form, sondern eher über eine App. Dort gibt es verschiedene Lesepläne, an die wir uns halten und dann täglich die entsprechenden Inhalte lesen. Wir sind auch Teil eines Sportlerbibelkreises, an dem wir häufiger vor Ort teilnehmen können, weil er in der Nähe stattfindet. Andere Spieler, die deutschlandweit oder teilweise im Ausland aktiv sind, werden per Zoom dazu geschaltet.
Fußball ist oft ein harter Sport, in dem sich der Stärkste durchsetzt – wie lässt sich das mit dem christlichen Glauben verbinden?
Pfeiffer: Wir tun ja nichts, was uns der Glaube verbieten würde. Ein Foul entspricht vielleicht nicht dem Gebot der Nächstenliebe, aber das sollte man schon trennen können (lacht).
Manu: Für mich macht es der Glaube sogar viel einfacher, den Beruf auszuüben. Speziell bei Rückschlägen hilft er, besser damit umgehen zu können und den eigenen Weg weiterzugehen.
Darf man für den Sieg beten?
Pfeiffer: Ich kann nur sagen, dass ich persönlich eher dafür bete, dass ich genügend Kraft für ein Spiel habe und gesund bleibe. Dafür, dass ich alles tun kann, um meiner Mannschaft zu helfen.

Ihr habt alle drei afrikanische Wurzeln. Inwieweit hat das euren Glauben geprägt?

Manu: Ich glaube einfach, dass die Menschen in Afrika den Glauben viel stärker benötigen, um einen Halt zu finden und eine Energiequelle. Wir in Europa oder speziell in Deutschland führen im Vergleich zu einem Großteil der Afrikaner ein privilegiertes Leben, und wenn es dir gut geht, brauchst du dieses Gottvertrauen vielleicht nicht so sehr. In afrikanischen Familien wird dieser unerschütterliche Glaube mit jeder Generation weitergegeben und wenn es dir in dieser Form vorgelebt wird, dann ist es nur logisch, dass man es zumeist für sich selbst übernimmt.

Und zum Schluss darf natürlich nicht fehlen: Gibt es eigentlich den Fußball-Gott?

Alle drei: Klares Nein (lachen).