Inspiration

Ein Blick auf die Bergstraße

Verein fördert Restaurierung eines historischen Bildes für das Darmstädter Schlossmuseum

Wer von Zwingenberg oder auf einem der vielen anderen Wanderwege den Melibokus erklimmt, wird für den schweißtreibenden Aufstieg mit einem spektakulären Ausblick belohnt. Bergstraße und Ried strecken sich zu Füßen des Wanderers, an klaren Tagen reicht den Blick in den Taunus, über den Rhein und weit hinein in die Pfalz.
So ähnlich ist es auch im 18. Jahrhundert gewesen, als der Maler Johann Tobias Sonntag seine
Eindrücke von der Landschaft in einem großformatigen Werk festhielt. Der „Prospect von dem Meliboco und dessen Gegend“, so der barock-umständliche Titel des Bildes, war ein Auftrag des landgräflichen Hofes aus Darmstadt. Sonntag arbeitete in jenen Jahren regelmäßig für den Hof und seine Bilder dienten, wie es damals üblich war, zur flächendeckenden Ausschmückung der Wände –
als Tapetenersatz also. Der Panoramablick über die Bergstraße war für das Marktpalais bestimmt,
das sich dort befand, wo heute das Modehaus Henschel steht. Die preußische Königin Luise, die in dem Haus ihre Jugend verbrachte, hat das Gemälde dort sicher gesehen. Später hing es im Residenzschloss und fand 1924 auch einen Platz im neu eröffneten Schlossmuseum.

Johann Tobias Sonntag war kein Maler, der detailgetreu festhielt, was er sah. Seine Landschaft ist mehr Kulisse und umrahmt eine Jagdgesellschaft, die den damaligen Landgrafen Ludwig VIII. und seinen Sohn Georg Wilhelm zeigt. Trotzdem sind dank einer Legende auf dem Bild viele Orte genau zu identifizieren – von Kronberg im Norden bis Mannheim im Süden.

Die Zeit hat es nicht gut mit dem „Prospect von dem Meliboco“ gemeint. Rechtzeitig ausgelagert, überstand er zwar die Flammenstürme des Zweiten Weltkriegs. Doch als er erst 1998 schließlich nach Darmstadt zurückkehrte, war sein Zustand jämmerlich. Die fast zehn Quadratmeter große Leinwand war in 19 Einzelteile zerrissen, von denen einige fehlen. Die Malschicht ist an einigen Stellen abgeplatzt, der Überzug über das Bild vergilbt und trüb. Die Restaurierungskosten sind entsprechend hoch und übersteigen das Budget des Schlossmuseums bei Weitem.

Das hat den Verein „Freunde des Schlossmuseum Darmstadt“ auf den Plan gerufen, der sich vor einigen Jahren gegründet hat und seitdem mit seiner Arbeit die Fortentwicklung des Museums begleitet und fördert.

„Ohne umfassende Restaurierung wäre dieses kulturhistorisch und regionalgeschichtlich bedeutsame Gemälde bald unwiederbringlich verloren gewesen“, begründet der Vereinsvorsitzende Carl-Christof Gebhardt, weshalb der Verein gerade die Restaurierung dieses Bildes fördert.
Seit anderthalb Jahren befindet sich das Bild in der Werkstatt von Christiane Ehrenforth in Liebenau. Die Diplomrestauratorin muss gemeinsam mit ihrer Kollegin Sina Theile unter anderem in mühevoller Kleinarbeit etwa 30.000 gerissene Fadenenden wieder miteinander verkleben. Die fehlenden Teile müssen ergänzt, die gesamte Leinwand stabilisiert werden. Schließlich erhält das Bild eine neue Firnis-Schicht.

Wenn alles vollendet ist und das Bild in erneuerter Farbigkeit erstrahlt, wird Sonntags Bergstraßenpanorama einen würdigen Platz im Schlossmuseum finden. Bis dahin hat nicht nur Christiane Ehrenforth noch viel Arbeit vor sich, sondern auch der Verein „Freunde des Schlossmuseum Darmstadt“. 77.000 Euro sind für das Projekt veranschlagt, die der Verein aus eigenen Mitteln und Spenden zusammentragen will. Ein gutes Stück des Weges ist zurückgelegt, aber das Ziel noch nicht erreicht.

Der „Prospect von dem Meliboco und dessen Gegend“ gehört zu den Originalbeständen des Schlossmuseums und ist unmittelbar mit der Geschichte der Region und des Hauses Hessen-Darmstadt verknüpft. Das Bild wird nach der Restaurierung im Schlossmuseum Darmstadt zu sehen sein.
Interessierte Spender können einen beliebigen Betrag beisteuern oder beispielsweise eine Patenschaft für ein Motiv auf dem Gemälde übernehmen.
Spendenkonto: Volksbank eG Darmstadt – Kreis Berg­strasse
IBAN: DE25 5089 0000 0006 8332 09,

BIC: GENODEF1VBD; Stichwort „Melibokus“.
Weitere Informationen zum Verein und seinem Projekt im Internet unter
www.freunde-des-schlossmuseums.de