Inspiration

DUMUSSTKÄMPFEN-Tennis-Gala

18. September beim TEC in Darmstadt

Wieder viele Stars am Start / DMK-Preis geht an Tore Meinecke

Der Sommer neigt sich seinem Ende entgegen. Da wird es – wie seit 2015 – Zeit für die Tennis-Trophy der gemeinnützigen GmbH „Dumusstkämpfen“ (DMK).

Am 18. September findet sie auf dem Gelände des TEC Darmstadt statt, dem Heimatverein von Andrea Petkovic und Jonathan Heimes, dessen Leben und Geschichte die Initiative begründet hat. „Johnny“ Heimes war 2016 nach langem Kampf gegen den Krebs im Alter von 26 Jahren gestorben. In seinem Gedenken wird auch diese 7. Tennis-Trophy stattfinden und wie in den Jahren zuvor wird dabei eine enorme Summe an Spendengeldern verteilt werden. Im vergangenen Jahr waren es rund 260 000 Euro, die an verschiedene Projekte flossen, darunter an den „Verein Hilfe für krebskranke Kinder“ Frankfurt, der damit drei Sportwissenschaftlerinnen bezahlt, um krebskranken Kinder auf der Station der Uni-Klinik eine sporttherapeutische Betreuung zu ermöglichen. Weitere Spenden flossen an das Kinder-Palliativteam Südhessen und das Netzwerk Active Onko Kids. Insgesamt konnte die DMK-Initiative seit ihrer Gründung 2015 mehr als zwei Millionen Euro verteilen. Die Tennis-Trophy ist traditionell der Höhepunkt des Dumusstkämpfen-Jahres. Dabei spielen Profis, aktuelle und frühere, mit Amateuren und Freizeitsportlern, die sich über Spenden die Teilnahme gesichert haben. Gastgeberin Andrea Petkovic, Anna-Lena Grönefeld, Rainer Schüttler, Michael Kohlmann, Bernd Karbacher, Karsten Braasch und viele andere namhafte Tennisprofis schlugen in den vergangenen Jahren beim TEC auf. Der lange Darmstädter Tennistag, an dem in diesem Jahr als besonderer Gast auch die 13 Jahre alte deutsche Jugendmeisterin im Rollstuhltennis, Ela Porges aus Seeheim, teilnehmen wird, beginnt um 10 Uhr und endet am Abend mit der Player’s Party, einer Gala, zu der rund 250 Gäste im Clubhaus des TEC erwartet werden, sofern die aktuellen Corona-Regeln dies zulassen. Traditionell wird auf der Gala der DMK-Preis verliehen, eine Ehrung, die zuletzt die querschnittgelähmte Rad-Olympiasiegerin Kristina Vogel 2019 entgegennahm. In diesem Jahr heißt der Preisträger Tore Meinecke.

Die Geschichte von Tore Meinecke

Tore Meinecke. Foto: privat

Es war der 28. Juni 1989, als Tore Meineckes erstes Leben mit einem fürchterlichen Knall zu Ende ging. Der Hamburger Tennisprofi, 21 Jahre alt, hatte in Clermont-Ferrand in Frankreich ein Turnier gespielt, gegen seinen Freund Ricki Osterthun verloren, und nun saßen sie im Auto, ein Chauffeur sollte sie zurück ins Hotel bringen. Morgen würde ein besonderer Tag werden, seine Freundin Celine würde aus Deutschland kommen. Tore Meinecke und sein Bruder Björn, der auch sein Trainer war, saßen hinten, nicht angeschnallt. Vorne saß Ricki Osterthun neben dem Fahrer. Eine Ampel. Grün. Orange. Der Chauffeur gab Gas. Von links ein französischer Militärlaster. Ein fürchterlicher Knall. Meineckes Kopf schlug mit großer Wucht gegen den Türrahmen. Er verlor das Bewusstsein, atmete nicht mehr. Rettungskräfte reanimierten ihn, brachten ihn ins Krankenhaus. Diagnose Hirntrauma. Er wurde künstlich beatmetet, lag im Koma. Ob er jemals wieder aufwachen würde, jemals wieder gehen oder reden könnte, die Ärzte meinten, das könne man nicht sagen, die Zeit werde es zeigen. Nach rund vier Wochen wurde Meinecke mit einem Hubschrauber in die Uniklinik nach Hamburg verlegt. Auch die Mediziner dort mochten Meineckes Familie und seiner Freundin keine großen Hoffnungen machen. So schwer die Verletzungen, so lange das Koma. Meineckes erstes Leben war zu Ende. Ein Leben mit Glamour und der Verheißung einer großen Zukunft als Tennisspieler. Erst 21 Jahre alt, und doch schon die Nummer 46 der Weltrangliste und Davis-Cup-Spieler für Deutschland. In der Jugend war er des öfteren Doppelpartner von Boris Becker gewesen. Welch eine Zukunft vor ihm lag! Und nun? Nun musste er um sein Leben kämpfen. Um ein anderes, ein zweites Leben. Musste er? Meinecke mag dieses Wort nicht in diesem Zusammenhang, „Nein“, sagt er heute, fast 32 Jahre später. „Ich musste nicht darum kämpfen, ich durfte.“ Ein Unterschied, wie er größer nicht sein könnte. Eine Unterscheidung, die Tore Meinecke so exakt beschreibt, wie nichts sonst. „Ich habe innerhalb einer Sekunde alles verloren“, sagt er. „Aber je schlimmer die Phase ist, die du durchlebst, desto schöner kann das sein, was du daraus gewinnst.“ Meinecke lebt heute mit seiner Frau Celine und drei Kindern in der Schweiz, wo er in der Nähe von Genf gemeinsam mit einem Freund, dem ehemaligen schwedischen Profi Jonas Svensson, eine Tennisschule betreibt. Seine liebste Beschäftigung: Auf dem Platz stehen, Kinder unterrichten, sie fürs Tennis begeistern.

Meineckes Art, sein Optimismus und Kampfgeist auch in schwierigsten Situationen, erinnert an Jonathan Heimes. Auch „Johnny“ hatte in seinem zwölfjährigen Kampf gegen den Krebs die schwierigsten Situationen klaglos angenommen. Keine Klagen, kein Haderfn. Auch er hatte aus unverbrüchlicher Liebe zum Leben um jeden kleinen Fortschritt gekämpft, auch nach den schlimmsten Rückschlägen. Auch er hat Tiefschläge immer als Herausforderung begriffen, die es zu meistern gilt.

Meinecke über die Dualität von Lieben und Leiden

„Ich habe Eltern gehabt, die mich sehr geliebt haben. Und ich hatte zwei ältere Brüder, sie waren 16 und 18 Jahre älter als ich. Ich war von meinen Eltern sehr verwöhnt worden, war ein bisschen eingebildet. Ich habe dann Tennis gespielt mit meinem Bruder, der mich im Training sehr, sehr, sehr hart rangenommen hat. Aber dieses extrem harte Training war verbunden mit der Liebe, die ich gleichzeitig erlebte. Dieses Training hat mir deshalb nichts ausgemacht. Diese Mischung aus Liebe und hartem Training war für mich perfekt, denn ich hatte durch die Liebe meiner Eltern ein enorm großes Selbstwertgefühl, war aber auch in der Lage zu leiden, das habe ich von meinem Bruder gelernt. Ich habe gewusst, ich bin es wert, etwas zu schaffen, und ich konnte auch leiden, um überhaupt in die Lage zu kommen, es schaffen zu können. Ich hatte eine perfekte Vergangenheit, um diesen Unfall so zu überstehen, wie ich ihn überstanden habe: Ich hatte Liebe und Leidensfähigkeit.“

Ein besonderer Laudator

Am Tag des Unfalls damals in Frankreich hatte Tore Meinecke in der zweiten Turnierrunde gegen seinen Freund Ricki Osterthun Matchball, der Ball versprang. Hatte er die Linie berührt? Der Schiedsrichter gab ihn gut, Meinecke hatte gewonnen. Eigentlich. Aber er ließ den Aufschlag wiederholen – und verlor das Match. Ohne seine faire Geste wären sie alle früher aufgebrochen, wahrscheinlich wäre der Unfall nie geschehen. Die Laudatio am 18. September auf den neuen DMK-Preisträger wird Ricki Osterthun halten, der das Match damals gewann und mit Meinecke, seinem Freund, im Auto saß, als dessen erstes Leben endete. Osterthun hatte Meinecke damals erste Hilfe geleistet, bis die Sanitäter kamen. Am nächsten Tag stellte ihn der Veranstalter vor die Wahl, ob er antreten will oder nicht. Er ist angetreten und kam bis ins Endspiel. Das nächste Turnier hat er gewonnen. Danach hat er anderthalb Jahre kein Spiel mehr gewonnen, weil ihn die Erinnerung an den Unfall nicht losließ. Meinecke sagt, sein Unfall sei für seinen Freund Ricki Osterthun schwerer gewesen als für ihn.

Michael Eder

SPENDE FÜR PRIVATPERSONEN & VEREINE

TENNIS-TROPHY AUF EINEN BLICK
Gemeinsam mit aktuellen und ehemaligen Tennisstars für den guten Zweck um jeden Punkt kämpfen – und im Anschluß zusammen das Erreichte feiern !
Die Tennis-Trophy ist ein Erlebnis „Once in a lifetime!“.
Termin: Samstag, 18. September 2021, ab 9 Uhr
Aktive Teilnahme am Tennisturnier mit 1 Person inkl. anschließender Player‘s Party mit 2 Personen. Spenden-Betrag: 500 € *
Noch mehr Informationen und Spendenmöglichkeiten gibt es unter dumusstkaempfen.de

Hier gibt es den Info-Flyer zum Download