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Du hast die Wahl

Das Ende der Ära Merkel

Am 26. September 2021 stehen die Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag an. Es ist eine besondere Wahl, denn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt nach vier Wahlperioden nicht zur Wiederwahl an – einen Amtsinhaber-Bonus gibt es demnach für keinen der zur Wahl stehenden Kanzlerkandidaten.

VORHANG AUF – Autor Frank Horneff mit den wichtigsten Fakten zur Bundestagswahl und den Kandidatinnen und Kandidaten für Darmstadt und die Region.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt ab. Seit November 2005 führt sie Bundesregierungen in unterschiedlichen Konstellationen, zunächst eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD von 2005 bis 2009, danach eine Koalition aus Union und FDP bis 2013 und danach erneut zwei Große Koalitionen von 2013 bis 2017 und von 2018 bis heute. Doch Angela Merkel wird bald Geschichte sein.

Um Merkels Nachfolge bewerben sich

… für die CDU/CSU:
Armin Laschet (60), Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und CDU-Parteichef, hat sich im Frühjahr unionsintern gegen den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) durchgesetzt. Laschet gilt in der CDU als „Mann der Mitte“ und als Merkel-Anhänger. Laschets Kandidatur ist in der Union nicht unumstritten.

… für die SPD:
Olaf Scholz (63), Bundesfinanzminister und Vizekanzler. Scholz ist bereits seit Sommer 2020 der Kandidat der SPD für die Merkel-Nachfolge. Er gilt als nüchtern, sachlich und hanseatisch, wurde noch bis vor wenigen Wochen eher belächelt, hat aber nach neuesten Umfragen in der Gunst der Wähler beachtlich zugelegt.

…für Bündnis 90/Die Grünen:
Annalena Baerbock (40). Sie ist die erste Kanzlerkandidatin der Grünen und einigte sich im Frühjahr mit ihrem Co-Vorsitzenden Robert Habeck darauf, dass sie es sein wird, die sich um die Nachfolge Angela Merkels bewirbt. Nach einem anfänglichen Höhenflug in den Umfragen nahmen ihre Beliebtheitswerte zuletzt ab.

Die Ausgangslage:
Nach jüngsten Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute haben sich CDU/CSU und SPD in den vergangenen Wochen in den Umfragewerten angenähert und liegen mindestens gleichauf. Die Grünen sehen die meisten Meinungsforscher als drittstärkste Kraft, die im Vergleich zur Wahl 2017 mit großem Stimmenzuwachs rechnen können. (Stand: 24. August 2021).

Zweitstimmenergebnis 2017:
CDU/CSU: 32,9 % (245 Bundestagsmandate)
SPD: 20,5 % (152)
AfD: 12,6% (86)
FDP: 10,7% (80) /
Linke: 9,2 % (69)
Bündnis 90/Grüne: 8,9 % (67)


Bundestagswahl 2021 – vor Ort

Wahlkreis 186 (Darmstadt):
Zum Bundestagswahlkreis 186 (Darmstadt) zählen die Stadt Darmstadt und 14 Städte und Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Das Direktmandat sicherte sich 2017 die frühere Bürgermeisterin Mühltals, die Historikerin Dr. Astrid Mannes (CDU). Astrid Mannes, Jahrgang 1967, möchte ihr Direktmandat verteidigen. Sie sieht sich nach eigener Darstellung „nah bei den Menschen“ und als die Abgeordnete, die sich kümmert. Und tatsächlich: In der schweren Phase der Pandemie und bei Fragen nach der Bewältigung wirtschaftlicher Folgen war Astrid Mannes auch dem VORHANG AUF eine wichtige Ansprechpartnerin und hat sich gekümmert. Ihre weiteren Schwerpunkte: Infrastruktur, Wissenschaft und Forschung.

Andreas Larem

Für die SPD bewirbt sich Messels Bürgermeister Andreas Larem (57) um das Direktmandat in Berlin. Larem setzt auf seine Erfahrung als Bürgermeister aber auch in der freien Wirtschaft. „Es geht um Lebensqualität, Anerkennung, Mitbestimmung, stabile Gemeinschaften, Selbstbestimmung, Bildung und die Garantie unserer Grundrechte“, beschreibt der Sozialdemokrat seine Schwerpunkte. Er setzt außerdem auf den Austausch mit den Menschen vor Ort und Larem weiß: „Wer durch die manchmal raue Schule der Kommunalpolitik gegangen ist, hat viel dazugelernt und das Rüstzeug erhalten, das notwendig ist, um Politik zu verstehen und zu gestalten.“

Dr. Julia von Buttlar

Ambitioniert und engagiert zeigt sich die Kandidatin der FDP, Dr. Julia von Buttlar (51), für die Liberalen Stadtverordnete in Darmstadt. Die Juristin ist vor allem in Zeiten der Pandemie überzeugt: „Wie es ist, darf es nicht bleiben.“ Ihr liegen die Nutzung der Chancen der Digitalisierung und die Bildung besonders am Herzen. „Unser Land muss moderner, digitaler und erst recht freier werden.“ Von Buttlar ist überzeugt: „Die Wachstumsregion Darmstadt-Dieburg ist mit ihrem zukunftsorientierten Branchenmix ein Magnet für die globale Wirtschaft. Für hier und für Deutschland brauchen wir einen Neustart.“

Daniela Wagner

Auf das Direktmandat setzt die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Daniela Wagner (64). Sie zog 2017 durch einen sicheren Platz über die Landesliste ihrer Partei erneut in den Bundestag ein (nach 2009 bis 2013). Diese Absicherung wurde ihr diesmal von ihrer Partei verwehrt. Ob der ihr zugedachte Platz 13 ausreicht, ist offen. Daniela Wagner war Landtagsabgeordnete, Bildungsdezernentin in Darmstadt und Grünen-Vorsitzende in Hessen. Wagners Schwerpunkte in Berlin sind Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung, Mobilität und Luftverkehr. „In Südhessen ist die sozial-ökologische Transformation in vollem Gange, es braucht starke Grüne in Berlin“, sagt Daniela Wagner.

Für die Linke geht Firat Turgut-Wenzel, Jahrgang 1987, ins Rennen um das Darmstädter Direktmandat. Er ist Mitglied im Darmstädter Ausländerbeirat. „Die ökologische und soziale Frage gehören für mich untrennbar zusammen. Es ist ein gemeinsamer Kampf der Beschäftigten und Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten, den wir als Linke unterstützen“, sagt der in der IT-Branche Selbstständige. Turgut-Wenzel möchte den öffentlichen Personennahverkehr weiter ausbauen und für alle kostenfrei machen und sagt: „Krankenhäuser sind nicht für Rendite da, das Gesundheitssystem muss zurück in die öffentliche Hand“ – das habe „die Corona-Krise überdeutlich gezeigt.“


Die Direktkandidaten für die Bundestagswahlen 2021

Wahlkreis 186 (Darmstadt und 14 Städte und Gemeinden aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg)

CDU: Dr. Astrid Mannes, MdB (Mühltal)
SPD: Andreas Larem (Messel)
Grüne: Daniela Wagner, MdB (Darmstadt)
FDP: Julia von Buttlar (Darmstadt)
DIE LINKE: Firat Turgut-Wenzel (Darmstadt)

Es bewerben sich außerdem Kandidatinnen und Kandidaten von AfD, Freie Wähler, Die Partei, MLPD, Basis und Klimaliste

Wahlkreis 187 (26 Städte und Gemeinden im östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Odenwaldkreis und im südlichen Kreis Offenbach)

CDU: Patricia Lips, MdB (Rödermark)
SPD: Dr. Jens Zimmermann (Groß-Umstadt)
Grüne: Philip Krämer (Darmstadt)
FDP: Mathias Zeuner (Pfungstadt)
DIE LINKE: Marlene Wenzl (Michelstadt)

Es bewerben sich außerdem Kandidatinnen und Kandidaten von AfD, Freie Wähler, Basis, Volt und Internationales Bündnis/MLPD


Erststimme: Mit der Erststimme entscheiden die Wählerinnen und Wähler darüber, wer den Wahlkreis 186 (Darmstadt) im Bundestag vertreten soll. Seit 2017 ist das Astrid Mannes (CDU). Gewählt ist, wer die meisten gültigen Stimmen erhalten hat. Der gewählte Direktkandidat zieht auf jeden Fall in den Deutschen Bundestag ein. Damit wird gewährleistet, dass alle Regionen Deutschlands im Bundestag durch Abgeordnete in Berlin repräsentiert werden.

Zweitstimme: Mit der Zweitstimme wählt man eine Landesliste. Das Ergebnis der Zweitstimme entscheidet über die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag. Sie wird auch als „Kanzlerstimme“ bezeichnet: Zweitstimme ist Kanzlerstimme!


Kinder fit machen für ein selbstbestimmtes Leben

Dr. Julia von Buttlar

Das Deutsche Aktieninstitut untersucht seit 1997, wieviel die unter 30jährigen investieren. In der Pandemie hat sich etwas Entscheidendes verändert. Die jungen Menschen haben angefangen sich für ihr Geld zu interessieren und kaufen so viele Aktien wie noch nie. Laut verschiedenen Erhebungen haben viele junge Menschen allerdings keine Ahnung, von Steuern, von Versicherungen und auch was sie mit ihrem Geld anstellen sollen. Das kann nach hinten losgehen. Oft werden die Risiken vergessen. In der Schule bekommen Jugendliche oft nicht genug Finanzwissen mit. Finanzwirtschaftliche Kenntnisse sind der Grundstein für finanzielle Unabhängigkeit und ein freies Leben. Schon Jugendliche sollten wissen, dass sie nicht blind irgendwelchen Empfehlungen auf Youtube vertrauen. Finanzwissen ist daher nicht erst in Spezialstudiengängen der Betriebswirtschaftslehre an Fachhochschulen und Universitäten zu vermitteln. Sondern die Grundlagen hierfür gehören in den Fächerkanon aller weiterführenden Schulzweige, der Hauptschulen, der Realschulen, der Gymnasien und der Berufsschulen. Jeder Jugendliche sollte bei seinem Schulabschluss nicht nur wissen, was ein Bankkonto und ein Darlehen sind, wie Online-Banking geht und Kreditkarten funktionieren, was eine Bürgschaft und eine Grundschuld bedeuten, und welche Versicherungen wofür genommen werden können. Sondern zur Lebensbefähigung und Bildung gehört eben auch das Basiswissen über die Alterssicherung, Kapitalanlageformen und Altersvorsorgeleistungen, worauf hier zu achten ist, und wie man entsprechende Angebote vergleicht. Ein Grunddilemma jeder Rentenreformdebatte besteht ja darin, dass dem Durchschnittsbürger und leider erst recht der Bürgerin nicht zugetraut wird, informierte und nutzenstiftende Entscheidungen bezüglich der Altersvorsorge autonom zu treffen. Das Motto der Aufklärung, man solle sich eigenen Verstandes bedienen, ist hier noch nicht angekommen; der fürsorgliche Staat wird sich schon um alles kümmern.
Um dem abzuhelfen, sind hier – wie schon in der Aufklärung – insbesondere die Schulen gefragt. Neben den inzwischen erkannten Defiziten der Kenntnisse im Bereich der Digitalisierung besteht wohl im Mangel an finanzwirtschaftlicher Bildung die zweite große Lücke in den Lehrplänen unserer Schulen. Wenn unsere Kinder durch die Schulen wirklich fit für ihr selbstbestimmtes Leben und zum mündigen Bürger gemacht werden sollen, müssen die Schulen an diesen beiden Punkten erheblich aufholen. Hier sind die für die Curricula Verantwortlichen gefragt. Diese Forderungen sind beileibe nicht neu. So hat beispielsweise das Deutsche Aktieninstitut immer auf die Notwendigkeit früher finanzwirtschaftlicher Bildung für jedermann hingewiesen. Geschehen ist bisher seitens der dafür Verantwortlichen nichts. Hängt das mit den wirtschaftsfernen Ausbildungen der Planer in unseren Kultusministerien und Schulen zusammen? Es ist dringend notwendig, dass auch in diesem Punkt in Deutschland endlich angepackt wird.
Dr. Julia von Buttlar


Wahlkreis 187 (Odenwald)

Zum Bundestagswahlkreis 187 (Odenwald) zählen der Odenwaldkreis, östliche Teile des Kreises Darmstadt-Dieburg und des Kreises Offenbach.

Das Direktmandat für den Odenwald hält seit 2005 Patricia Lips (57) für die CDU. Sie kommt aus Rödermark (Kreis Offenbach), sitzt im Haushaltsausschuss und leitete das Team von Friedrich Merz für dessen (gescheiterte) Bewerbung um den CDU-Parteivorsitz.

Für die SPD möchte Dr. Jens Zimmermann (am Wahltag 40) das Direktmandat holen. Er gehört dem Bundestag seit 2013 an, zog auch 2017 über die Landesliste der Sozialdemokraten in den Bundestag ein. Der Groß-Umstädter ist digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und machte sich auch als Obmann seiner Fraktion im Wirecard-Untersuchungsausschuss bundesweit einen Namen.

Mathias Zeuner

Der Pfungstädter Mathias Zeuner (55) möchte für die FDP in den Bundestag und dort den Odenwald vertreten. Er sieht in seiner Kandidatur „die konsequente Weiterführung meines leidenschaftlichen Engagements für eine liberale, freie Bürgergesellschaft.“ Für Zeuner steht „der Mensch im Mittelpunkt der Politik.“ Er sagt: „Ich bin politischer Quereinsteiger, kann also auf eine berufliche Lebenserfahrung außerhalb des Politikbetriebs zurückblicken.“

Die Politik zum Beruf gemacht hat Philip Krämer (29). Der Darmstädter Stadtverordnete der Grünen, auch Landesvorsitzender seiner Partei, wird dem nächsten Bundestag mit ziemlicher Sicherheit angehören. Denn anders als Daniela Wagners Listenplatz gilt sein Platz sechs auf der Grünen-Landesliste als sicher. Krämer tritt im Odenwaldkreis und nicht in Darmstadt an. Sein „Herzensthema“ sei die Innenpolitik und der gesellschaftliche Zusammenhalt, sagt Krämer.

Als „Stimme der Jugend“ bewirbt sich die 18 Jahre alte Marlene Wenzl für die Linke um ein Bundestagsmandat. Als „künftige Medizinstudentin“ möchte sie „das Gesundheitssystem „vom Kopf auf die Füße stellen“ und sagt: „Kein Profit mit der Gesundheit der Menschen.“