Inspiration

Drei Stunden, die jeden Augenblick lohnen

Gefeierter „Cabaret“-Abend in Wiesbaden:

Minutenlanger Applaus des begeisterten Publikums in der klassischen Theateratmosphäre des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden: Es waren nach mehr als anderthalb Jahren pandemiebedingter Bühnen-Abstinenz rührende Augenblicke für das Publikum – aber sicher auch für das Ensemble der zurecht gefeierten „Cabaret“-Inszenierung in der hessischen Landeshauptstadt. Die gut drei Stunden lohnen jeden Augenblick – was den Akteuren auf der Bühne (Regie: Tom Gerber) und im Orchestergraben (musikalische Leitung: Levi Hammer) ebenso zu verdanken ist, wie Bühnenbild (Bettine Neuhaus) und der Choreografie (Myriam Lifka).

Die Wiesbadener Neufassung des New Yorker Broadway-Klassikers von 1966, der 1972 verfilmt wurde, mit Oscars überhäuft wurde und Liza Minnelli zum Weltstar machte, glänzt vor allem durch ein durch und durch stimmiges Ensemble, das um die Liebesgeschichte um die Nachtclub-Sängerin Sally Bowles (Elissa Huber) und den Schriftsteller Clifford Bradshaw (Julian Culemann) eigene Akzente setzen kann: Die dramatischen Geschehnisse am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung im Berlin der 1930er Jahre werden eindrücklich vor allem durch das Spiel von Gottfried Herbe (Obsthändler Herr Schultz) und Evelyn M. Farber (Vermieterin Fräulein Schneider).

Als Chansonsängerin aus dem legendären Berliner Kit-Kat Club begeistert Silvia Willecke, die dem Darmstädter Theaterpublikum durch ihre Gesangsarbeit mit der Hessischen Spielgemeinschaft bei deren Freiluft-Erfolg „Der fröhliche Weinberg“ noch in bester Erinnerung sein sollte. Frank Horneff

Hessisches Staatstheater Wiesbaden | Großes Haus | Termine: 16. und 23. Dezember 2021 | 15. Januar, 17. Februar 2022, jeweils 19.30 Uhr, Dauer drei Stunden, eine Pause nach 85 Minuten. Karten kosten zwischen 9,90 Euro und 66 Euro und gibt es online unter www.staatstheater-wiesbaden.de