Inspiration

Drei Neue für die Lilien

Gude!
Wir verkneifen uns sämtliche Wortspiele mit dem Namen des neuen Lilien-Trainers zum Saison-BEGINN. Aber wir sind gespannt, was Markus ANFANG in Darmstadt bewegen wird. Er ist ein reflektierter, kommunikativer Trainer mit einer klaren Spiel-Philosophie. Die muss die Mannschaft allerdings auf dem Platz umsetzen.
Drei Neue – Lukas Mai, Aaron Seydel und Adrian Stanilewicz – stehen bislang im Kader. Sie passen alle in das Schema talentiert, vielseitig und preisgünstig. Dazu wurde die Ausleihe von Nicolai Rapp von Union Berlin erneuert und Silas Zehnder kehrte nach zweijähriger Leihe aus Aschaffenburg ans Böllenfalltor zurück.
Wann endlich wieder Zuschauer ins Stadion dürfen, steht wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht fest. Die Mehrheit der Fans – so zumindest eine Umfrage des Online-Portals Lilienblog – hält eine Rückkehr derzeit für nicht akzeptabel und nicht umsetzbar. Vorerst werden wir den mittlerweile gestarteten Abriss und Neubau der Haupttribüne deswegen nur über die Baucam miterleben, die auf der Vereinshomepage regelmäßig Bilder liefert.
Weitere Infos rund um die Lilien, tagesaktuell und journalistisch fundiert, gibt es im Internet bei lilienblog.de, dem Online-Magazin zum SV Darmstadt 98.

Sie sind jung und talentiert, gut ausgebildet, flexibel einsetzbar – und sie haben alle keine Ablöse gekostet. Das haben Adrian Stanilewicz, Aaron Seydel und Lukas Mai gemeinsam. Wer sind die Neuzugänge, die bei den Lilien den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen wollen?
Wir stellen sie vor.

Adrian Stanilewicz

Gestern Glasgow, heute Böllenfalltor – das hat Adrian Stanilewicz kürzlich erlebt. In der Europa League kam er zum Abschied nach zehn Jahren bei Bayer Leverkusen nochmals zu einem Kurzeinsatz gegen den schottischen Traditionsverein. „Ich habe noch mal ein paar Minuten Einsatzzeit im eigenen alten Stadion bekommen. Das war auf jeden Fall ein schöner Moment“, sagt er. Am nächsten Tag stand er bereits bei den Lilien auf dem Trainingsplatz.
Mit 20 Jahren ist der Deutsch-Pole aus dem Elternhaus in seinem Geburtsort Solingen ausgezogen und wagt in Darmstadt den nächsten Schritt seiner Profi-Karriere, weil er in Leverkusen nicht wirklich vorankam. „Ich hatte zwei Kurzeinsätze in der Europa League. In der Bundesliga war ich zehn-, fünfzehnmal im Kader. Da gab es auch Momente, in denen man mich hätte einwechseln können. Das ist aber nicht passiert. Da war für mich klar, dass sich die Wege irgendwann trennen“, sagte er.
Ausschlaggebend für seinen Wechsel waren die Gespräche mit Markus Anfang. „Wir hatten eine erfolgreiche Zeit in der U17, sind zusammen deutscher Meister geworden“, sagt Stanilewicz über den Coach. „Er findet eine gute Bindung zu den Spielern, redet viel mit ihnen, flachst auch manchmal rum, wenn es passt. Aber wenn es Richtung Spieltag geht, dann gibt er Vollgas – auch taktisch. Er ist einfach ein guter Trainer.“
Stanilewicz gilt als Defensivallrounder, sieht sich selbst aber vor allem als Sechser. Weil diese Position bei den Lilien jedoch schon von Victor Pálsson besetzt ist, wird er vermutlich zunächst anderswo zum Einsatz kommen, beispielsweise als Ersatz für Rechtsverteidiger Matthias Bader, der sich in der Vorbereitung einen Muskelbündelriss zugezogen hat.
In Darmstadt kennt er Lukas Mai, mit dem er in den deutschen Nachwuchsnationalmannschaften gespielt hat – und Felix Platte. Gegen den trat er in der Corona-Pause bei einem eSports-Wettbewerb im FIFA-Computer-Spiel an. „Felix hat gewonnen. Aber es war ein knappes Spiel“, sagt Stanilewicz schmunzelnd.
In Darmstadt hat Stanilewicz einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Was er sich vorgenommen hat: „Einleben, im Training Gas geben, den Konkurrenzkampf annehmen und hoffentlich spielen“, sagt er. „Das ist mein Ziel. Spielpraxis sammeln ohne Ende.“

Zur Person

Adrian Stanilewicz (*22. Februar 2000 in Solingen) kam 2010 in die Jugend von Bayer Leverkusen. Sein Debüt im Profifußball gab er am 13. Dezember 2018 in der Europa League gegen AEK Larnaka, wo er in der 88. Minute eingewechselt wurde. Zur Saison 2019/20 wurde er in den Profikader aufgenommen, kam jedoch nur zu einem Einsatz in der Europa League. Stanilewicz verfügt über die deutsche und die polnische Staatsangehörigkeit. Zwischen 2015 und 2016 spielte er für die U16 und U17 Deutschlands. 2018 entschied er sich für die polnische U20. Bei der U20-WM im Jahr 2019 in Polen stand er in allen vier Partien der polnischen Mannschaft in der Startformation.

Aaron Seydel

Aaron Seydel kennt Trainer Markus Anfang aus seiner Zeit in Kiel. Von der Philosophie des Trainers ist der Lilien-Neuzugang überzeugt – schließlich erlebte der 1,99-Meter-Mann unter ihm seine bislang erfolgreichste Zeit als Profi. Es war die Saison 2017/18: Seydel bestritt als Leihspieler des FSV Mainz 05 für den damaligen Zweitliga-Aufsteiger Kiel 25 Spiele, erzielte dabei zwei Tore und scheiterte mit der Mannschaft erst in der Relegation am Durchmarsch in die Bundesliga. Auch in der Folge-Saison wurde er an die Norddeutschen ausgeliehen. Doch da kam er verletzungsbedingt nur zu sechs Kurzeinsätzen. Die Fersenverletzung machte Seydel auch nach seiner Rückkehr nach Mainz weiter Probleme. So wurde er zu Jahresbeginn an Jahn Regensburg verliehen, wo er sich allerdings auch nicht festspielen konnte.
Bei den Lilien möchte er endlich sein Potenzial ausschöpfen, das immer wieder aufblitzte. Seydels Karriere hatte ausgesprochen verheißungsvoll begonnen. Am 27. November 2016 wurde er im Auswärtsspiel gegen Hertha BSC von Beginn an erstmals in der Bundesliga eingesetzt und erzielte bei der 1:2-Niederlage den Treffer zum 1:0. Kurz darauf unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, der bis 2021 lief. In der U21-Nationalmannschaft erzielte er in zwei Einsätzen zwei Treffer.
Sich selbst bezeichnet er als relativ flexibel in der Offensive. Trotz seiner Größe ist er kein reiner Stoßstürmer für die Mitte. „Ich kann auch mal über außen spielen wie im ersten Testspiel. Oder ganz vorne. Oder ein bisschen zurückgezogen im Zentrum. Da fühle ich mich auch wohl.“
In Darmstadt trifft er nun gleich auf mehrere Bekannte aus Kieler Zeiten. Neben dem Trainer und Sportchef Carsten Wehlmann sind Patrick Herrmann und Mathias Honsak zwei ehemalige Mitspieler. Zudem sind zwei Mitglieder aus dem Betreuerteam aus Oppenheim, wo er aufgewachsen ist, wie sich aber erst im Nachhinein herausstellte.

Zur Person

Aaron Seydel wurde am 7. Februar 1996 in Langen geboren. Der Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter wurde beim FSV Mainz 05 ausgebildet, debütierte am 24. November 2016 in der Europa League gegen den AS St. Étienne bei den Profis. Von 2017 bis 2019 war er zwei Spielzeiten an Holstein Kiel ausgeliehen, in der vergangenen Rückrunde an den SSV Jahn Regensburg. Im Sommer unterschrieb er einen Zweijahresvertrag bei den Lilien.

Lars Lukas Mai

Mit 14 Jahren wechselte Lars Lukas Mai von Dynamo Dresden in die Jugendabteilung des FC Bayern München. Er wurde Jugendnationalspieler, debütierte als 18-Jähriger unter Jupp Heynckes in der Bundesliga. Vergangene Saison wurde er mit der zweiten Mannschaft der Bayern Drittliga-Meister. Doch die Aussichten, als Innenverteidiger bei den Profis Spielpraxis zu sammeln, ist bei der Weltklasse-Konkurrenz mit David Alaba, Jerome Boateng und Niklas Süle gering.
„Deswegen habe ich den Umweg über eine Ausleihe gemacht“, sagt der 20-Jährige. „Die Möglichkeiten hier sind top für die 2. Liga. Und das Familiäre ist mir wichtig. Deswegen habe ich mich für den Verein entschieden.“ Er sei ein Familienmensch, vermisse seine Familie jeden Tag. „Da ist es immer wieder schön, wenn jemand ein offenes Ohr für dich hat. Das hilft mir sehr viel.“
Zudem seien die Gespräche mit Trainer Markus Anfang sehr positiv gewesen. „Er will Fußball spielen. Das liegt mir. Ich wurde bei Bayern ausgebildet, da wird ja Fußball gespielt. Das hat wie die Faust aufs Auge gepasst.“
Sich selbst beschreibt Mai als „spielstarken Innenverteidiger mit Mentalität und lautstark“. Dabei hat er auch bei gestanden Spielern keine Scheu, Kommandos zu geben: „Es geht ja nur um die Sache Fußball. Es geht ja nicht ums Menschliche. Wenn wir vom Platz runtergehen, sind wir die besten Freunde. Es ist egal, ob der 20-Jährige dem 35-Jährigen etwas sagt oder der 35-Jährige dem 20-Jährigen. Wenn es richtig ist, wird es umgesetzt.“
Als seine Vorbilder nennt der die spanische Innenverteidiger-Legende Sergio Ramos, den Niederländer Virgil van Dijk – und seinen Bruder Sebastian Mai (26), der mittlerweile wieder bei Dynamo Dresden spielt. „Der ist ein richtiges Mentalitätsmonster. Da kann man sich schon einiges abschauen, wie sie verteidigen und wie sie auf dem Platz auftreten.“

Zur Person

Lars Lukas „Lasse“ Mai (*31. März 2000 in Dresden) begann im Nachwuchs von Dynamo Dresden und wechselte 2014 zum FC Bayern München. Bislang bestritt er 32 Juniorenländerspiele, war für die zweite Mannschaft der Bayern in 54 Dritt- und Viertligaspielen am Ball, wobei er drei Tore erzielte. Zweimal wurde er in der Bundesliga eingesetzt. Er ist bis Saisonende von den Bayern ausgeliehen, sein Vertrag beim Rekordmeister läuft bis 2023.

Je nach Sichtweise ebenfalls als Neuzugänge gewertet werden können Nicolai Rapp, Silas Zehnder und Henry Jon Crosthwaite. Defensivmann Rapp (23) lief bereits in der vergangenen Rückrunde für die Lilien auf und wurde nun für die kommende Spielzeit erneut von Bundesligist Union Berlin ausgeliehen. Zehnder (21), der 2017 der jüngste Bundesliga-Spieler der Lilien-Geschichte wurde, war die vergangenen zwei Spielzeiten an Viertligist Viktoria Aschaffenburg ausgeliehen. Talent Crosthwaite (17) ist einer der sogenannten Local Player und noch für die A-Jugend spielberechtigt, die inzwischen in der Bundesliga spielt.